Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1885)
- Article
- Der Antisemitismus des Philosophen
- Date
- 1885-01-15
- Page
- 33 (sequence 1)
- Language
- German
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M 3. pji r ו zur Fördmmg jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Haus, Gi-ineinde und Schule. HrgriiiM von SlMksor, Naphse! Hirsch, üc&fnncr 11.?srnefilifdirii .NkliWNMlkMast 511 ^rnnfj’itrt a.Ä. Ilcne Folge. Dritter Jahrgang. HcranSgrgobc» miii'r Mitwirkung drS Begriiudcrs und bewährter Genossen von Asauc Forsch. Diese Wochenschrist erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — Abonnernentspreis bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 2 J6. •r>0 ^5 für das Biene! fahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helnnng'sche Berlagsbuchhandlung zn Hannover. — Die Expedition versendet auch dircet und franko unter Arreisbind dcn Jahrgang für \2 J6. ober 7 Gulden österr. Währ, nach Deutschland und Oesterreich: für l k ,i5 oder!8 Fr. nach den?ändern des Weltpostvereins. — Anzeigen werden mit f. d. :!gespaltene Petitzeile oder deren Nauru berechnet. — Gxpcditi 0u: Hauuover, Artillcriestr. Inhalts^Vcrzt'Lchnis; von Nr. S. Der Antlseuiitismus des Philosopherr (Fonsetznng׳. — Die?khrervcrsamm!nng in Berlin ׳Fonsevnng). — Zur Geschichte oer Juden in Mecklenburg. — Büchcrschan. — Nihilismus und Indenthnm (Fortsetznng). -- .stollektiv-Berichte ans Ungarn!FoNsetznng). — Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Hamburg, Frankfurt a. Nt.. Wien, Prag. (2 ,?oudon, Petersburg, Odessa, Palästura, Amerika, Marokko. — Inserate. Der Iiiiismitisms desPhüoftjiykii. (Fortsetzung.) Welche tiiatcrtcHcn Bort heile harrten beim des Juden, der sich der Wissenschaft weihte, auf welche Anerkennung konnte er hoffen, welche Nnhmcskränze winkten ihm'? Bis in die Gegenwart hinein vcrschlossen sich ihm die Pforten eines Amtes im Staate, durch welches ihm eine Bcrwerthung seines Wissensschatzcs ermöglicht wurde, öffnete sich ihm nicht. die Arena der freien Milbewerbung zur Befriedigung eines legitimen Ehrgeizes. Und seine eigenste Wissenschaft, die er emsig pflegte, welcher jeder Bater fein Kind znführte, was gewährte sie ihm anders als die innere Befriedigung, als die reine Frende der Erkenntnis;? Wahrlich, der hat niemals einen Blick gethau in die Geschichte und die Seele des jüdischen Stammes, welcher ihm anznempfehlcn für nöthig erachtet, die Wissenschaft um ihrer selbst willen zu pflegen, der kennt nicht einmai das sich im jüdischen Kreise vollziehende Leben. Da klopft an die Thür des vielbeschäftigten Handels- Herrn ein in Lumpen gehüllter Bettler. ״Ich möchte Ihnen ein Wörtchen Thanro sagen," unterbricht er den Kaufmann, welcher in die Tasche greift, um ihm ein Almosen zu reichen. Und der Kaufmann hat Bersiandnih und Muhe für eine wissenschaftliche Erörterung, mit welcher der fremde Bettler ihn unterhalten und dadurch bethätigen will, das; er zu den Gebildeten zählt. So führte sich der jüdische Bagabond, wie ihn die Welt nennen würde, bei dem jüdischen Neichen ein, und so führt er sich noch heute in viele Kreise ein. Der jüdische Bettler pflegte die Wissenschaft und der jüdische Kaufmann pflegte die Wissenschaft, und die selbstlose Freude am Erkennen war das Gebiet, wo sie sich begegneten, einander verstanden und schätzten. Das waren keine Ausnahmen, das war die Regel — Welcher andere Bettler vermag mit einer philosophischen, juridischen oder theologischen Erörterung sich einznsühren, und fände sich ein solcher, wo anders als im jüdischen Kreise dürste er ans ein Verstäudiiiß und eine Anerkennung rechnen? Der jüdische Bettler mrrßle trotz seines Slrebens nach Wissen betteln, und der jüdische Kaufmann ge-