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Jeschurun · 1885-01-08 · Heft 2 (8.1.1885) · p. 19

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 2 (8.1.1885)
Article
Der Antisemitismus des Philosophen
Date
1885-01-08
Page
19 (sequence 3)
Language
German
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Untersuchung und Beobachtung. und auf statistische Nachweise stützen; wie derselbe aber im Stande sein will, zu erkennen, daß die Juden, von denen er rühmt, daß kein Stamm der ׳Welt ihnen gleicht in der Achtung vor dem Wissen, erst noch von dein deutschen Idealismus lernen müssen, daß man die Wissenschaft als Selbstzweck zu schätzen habe, nicht nur als Mittel zu praktischen Zwecken, ist uns nncrsindlich. Wie will Herr Hanmann Herz und Nieren prüfen, um bei einem ganzen Polksstammc die Motive zu erkennen, aus welchem er der Wissenschaft Ehrfurcht, Liebe und Hingcbung bezeigt? Wir unseren Orts sind dagegen der Ansicht, daß das Gegentheil der Wirklichkeit weit eher entsprechen und es vielleicht keinen Volksstamm geben dürfte, welcher wie der jüdische das Wissen als Selbstzweck schätzt und pflegt und zu allen Zeilen geschätzt und gepflegt hat. (Fortsetzung folgt.) Die jii Min am 29. und 39. Dezember 1881. Wie lange noch irirb das Volk sich irreführcn lassen von seinen Leitern, wie lange noch wird Lüge ihr Blendwerk treiben, wie lange noch werden Eitelkeit und Gedankenlosigkeit die berufenen Führer für den Dienst der heuchlerischen, nichtigen Phrase dingen? Wahrlich, die geistigen Spitzen der Gemeinden sind cs, die den Irrwahn verbreiten, als ob zweierlei Gesetz in Israel Geltung habe und es von der jeweiligen Neigung und Meinung der zufälligen Majorität ab hinge, welches Gesetz herrschen solle: das Judcnthnm, wie es in Thora und Talmud uns überkommen ist, oder das Indenthum, welches die Reforin schassen möchte unter Leugnung der Göttlichkeit der schriftlichen und!nündlichcn Tradition. Betrachten sie sich doch allcsantmt gegenseitig als die .,Diener und Lehrer der israelitischen Religion" und bieten den Gemeinden das erhebende Schauspiel kollegialischcr Freundschaft. Eintracht und gegenseitiger Hochachtung. Alle tragen dasselbe stereotype Gepräge frommer Gesinnung zur Schau, dasselbe heilige Gebahren, dieselbe freundliche Miene. Kollege X. huldigt der etwas mehr vorangeschrittencn religiösen Aufklärung seiner gebildeten Gemeinde und nimmt es mit den strengen religiösen Observanzen des Zercmonialgesetzes in Bezug aus Speise und Trank nicht so genau, — Kollege I. ist ein feiner philosophischer Kops, scharfer Deuker, ernster Forscher, er ist zu Resultaten gelangt, welche mit der dogmatischen Lehre von dem Dasein Gottes nicht ganz übereinstimmen, — Kollege Z. ist noch von einer rührend naiven Gläubigkeit und peinlichen Gewisfenhastigkeit der antiken Einfalt unserer Urgroßvater, aber ein charmanter Mann, tolerant und bescheiden, — Kollege Z. umarmt abwechselnd die theurcu lieben Kollegen X. und A., und diese erwidern in herzlicher Innigkeit den Bruderknß. So setzen sich denn die frommen Lehrer und Diener der israelitischen Religion X., Z. und Z. zur gemeinsamen Berarhung nieder über — einen gemeinsamen Spaziergang? Gott bewahre, diese frommen Herren haben nicht so profane Gelüste — über die beste Unterweisung in der israelitijchen Religion. Man wäre manchmal versucht, an dem gesunden Menschenverstände seines eigenen Gehirns oder desjenigen eines großen Theils seiner Zeitgenossen zu zweifeln, wenn man das als Widersinn Erscheinende als höchste Weisheit nicht nur proklamirt, sondern anerkannt und angejubelt sieht. Gicbt es einen größeren inneren Widersprach, als die Znmnthnng, den Religionsunterricht nicht dem religiösen Gebiete zuznzühlen? Und doch wird mit der ernsthaftesten Miene von ernsthaften Männern diese Zumuthung ernsthaft genommen und rin. Sturm der Entrüstung erhebt sich, wenn einige ehrliche Männer bei der Bcrathung über den Neligionsunterricht die unerläßliche Frage nach dem Inhalte des als israelitische Religion zu Lehrenden streifen. Da schauen sich die Kollegen zuerst erstaunt an und dann erheben sie sich und rufen dem ehrlichen, aber etwas nnbesonuencn Kollegen zu: das ist wider die Abrede, das verstößt gegen die Pastorale Klugheit,' — das religiöse Gebiet darf von uns Ncligiouslehreru gar nicht betreten werden, das ist ein zu unsicheres, glattes Terrain, — wir bcrathcn über den Religionsunterricht nur mit Ausschluß der Religion — das ist die magna caita unserer Vereinigung! Der deutsch-israelitische Gemcindebnnd, welcher bercits früher von verschiedenen Rabbinen und Lehrern Gutachten über die Aufstellung eines Normallehrplaus für den Religionsunterricht gesammelt und von einer eigenen Kommission nach diesen fachkundigen schriftlichen Auseinandersetzungen einen solchen Normalplan au die israelitischen Gemeinden versandt hatte, hat cs für gut erachtet, eine Anzahl von israelitischen Schulmänner ׳Deutschlands cinzuladcn, sich am 29. und 30. Dezember v. 3. in Berlin zu einer gemeinsamen Bcrathung zusammenznsinden, um einen solchen Plan endgültig scstzusetzen. Es ist in dieser Zeitung seinerzeit zuerst nachgewiesen worden, wie der von dem Gemeindebunde versandte Plan nichts weniger erstrebt, als die Abrogirnng des Iudenthums. Der Gemcindebnnd hat in Folge! dessen, und weil auch von anderen Seiten dieser Normal- : plan nicht gutgcheißen wurde, die Vaterschaft dafür abi gelehnt und nur eine bescheidene Hebeammestellung dazuj rinnehmcn wollen. Die Verantwortung für das Mon-; ftnim sollen die Herren Gutachter und die Fach-

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