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Jeschurun · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Article
Nachtgestirne
Date
1885-01-01
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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7 Sorte verwehen, nadjbcm Du sie gehört hast, und ein"׳ Blick auf die drei Galgen im Thale wird Dich in die gehörige Stimmung versetzen." ״Las; hören, was hast Du mir zu sagen?"; ״Da die Stunde der blutig vergeltenden Rache : da ist. Dn sollst erfahren, wer Dir die Geliebte Deines Herzens geraubt hat. — Es ist kein Ruderer, als wer die Schuld an dem Tode ihres Vaters trägt." Ein schmerzliches Stöhnen entwand sich der.stehle! Johann's. ״Ich weis; das schon lange", sagte er dumpf," und nur den: Versprechen, welches Du mir abgeuommcii hast, kann er es danken, daß er noch unter den Lebenden wandelt. Entbinde mich meines Wortes, damit ich meine Rache an ihm kühle, oder Du bringst es noch dahin, daß ich Dir das Wort breche. Ich kann dem gewaltigen Drange nicht länger widerstehen." ״Und Du sollst es auch nicht länger, Du sollst sein Würgengel sein. Aber auch der Andere, mit dessen Hülfe und Wissen er alle seine Frcvelthaten auösührte, der böse Geist dieser ganzen Gegend, muß sterben, sein Maß ist voll!" — Es schlummert ein Dämon in jedem verbitterten Gemüthe, und wer ihn weckt, den erkennt er willig als seinen Meister an und überläßt sich seiner Führung. 22״, Du hast Recht", sagte Johann, ״auch er hat so manches ans meinem Kerbholze, ich werde auch ihn würgen. Ihr Unstern hat es so bestimmt — sie sind just miteinander im Prunksale unten, halte mich nicht länger auf und laß mich die gute Gelegenheit benutzen." Mara hielt ihn gewaltsam zurück. ״Wohin willst Du, unverständiger Thor? Willst Du, daß die Thür- Wächter Dein blutiges Vorhaben aus Deinen roth unterlaufenen Augen heranslesen und Dich auf der Stelle medermachcn? Oder daß sie Dich nach vollbrachter That von Pferden zu Tode schleifen lassen? Warum gebot ich Dir denn sonst Mäßigung, als damit Du nicht durch eine unbesonnene That Dich selbst ins Verderben stürzest." ״Was liegt mir au der Gefahr meines Lebens?" cutgegnete Johann erregt, ״aber ich zittere vor der Möglichkeit, daß jene Ruchlosen meinem rächenden Arm entgehen könnten, und darum wollte ich den , sichersten Weg wählen und rasch handeln. Kennst Du einen, der schneller zum Ziele führt?" Mara neigte sich zum Ohr ihres Sohnes, und wie er die leise gernurmelten Worte vernommen hatte, loderte cswild auf in seinen Augen von blutiger Rachebegierde. ״Bei meinem Schwert", ries er in grausanter Verzückung, ״wenn Du nicht meine Mutter wärest, so würde ich sagen, daß Dir das der Tensel selbst eingegeben hat. Komm, komm, ich werde Dich snhrcn; das Wetter ist wie gemacht zu unserem Vorhaben. Bei einem solchen Sturme schnarchen die Wachen aus ihren Hotzpritschen. UebrigenS sind seit der Abreise des jungen Grafen nur wenig Leute in der Burg. Komm, mich gelüstet nach dem schönen Spektakel." Im Prnnlsaale der Burg standen ans dem Tische große Kannen voll Wein, welche mit ihrem perlenden und schäumenden Inhalt rastlos die goldenen Pokale speisen mußten. Was kümmert Georg von Ormay der draußen wüthcnde Sturm der entfesselten Windsbraut? Brause nur inimerzn, gewaltiger Orkan, es wird dir doch nicht gelingen, die Felsenblöcke aus einander zu reißen, aus bcucit die!nächtigen Wände der Burg zusammengefügt sind. Eben hatte der Graf den Becher, den seine Hand krampfhaft umklammert hielt, wuchtig ans die Steinplatte des Tisches niedcrgestoßen. ״Er hat cs also doch gewagt, meinem Befehle zuwider zu handeln", knirschte er wüthend, während seine Augen Blitze schleuderten, ״gieb Acht, Pfarrer, ich werde der Welt ein Exempel geben!" Der Pfarrer schenkte ihm den Becher voll und sagte mit schwerer Zunge: ״Trinkt, gestrenger Herr, nur wollen heute trinken — trinken — trinken — bis —" ״Ja, bis wir voll des Meines sind", lachte der Graf hohl und stürzte den Inhalt seines Pokals in einem Zuge himuiler. ״Mich friert eS", sagte der Graf, den Becher fortschiebend und schüttelte sich. ״Mich auch", erwiderte der Pfarrer und sein Kopf sank tiefer zum Tische hinab. Der Graf stand unruhig auf und ging zum Fenster. Es war eigenthümlich, daß er sich heute nicht berauschen konnte. Ein anderes Mal hätte schon das halbe Quantum des heute konsumierten Weines hingereicht, um ihn in völlige Sinnlosigkeit zu versetzen. Was mochte es nur sein, was heute mit eiskaltem Hauche die Weinnebel ans seinem Kopf wegblies und seine Sinne nüchtern erhielt? Da war der Pfarrer schon weit glücklicher. Sein Kopf stack, wie etwa der Scheitel deS Mont Blanc, in einer dichten Nebelkrone, welche nur selten von einem wetterleuchtenden Strahle für einen Moment durchbrachen wurde. Ein solcher Moment mochte cs auch sein, als er lallend rief: ״Ich gehe Euch vor einigen Wochen nicht ans dem Hanse, Graf, bis sich die Köpfe beruhigt haben werben. Jetzt wären meine Beichtkinder im Stande, mich in Stücke zu reißen, wenn ich mich unter sic getraute." ״Ja", versetzte der Graf, ״Du wirst einige Zeit auf der Burg bleiben und mir früh und Abend eine Messe lesen. Hui — wie'S drunten klappert beim Rabcnstein! Man hätte die Gehängten herabnchmen

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