Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Article
- Das jüdische Ehrgefühl
- Date
- 1885-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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XYIII. Jahrgang. Hannover, den ■! w , >׳ zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Haus, Gemeinde und Schnle. fegriiiuM von SlNIlsüIl Naphütl Hirsch, iwflim’r 11. S’sraffilififini firfuiiousflofflTfifiall jii §rnnKfiivt n. A. 3icuc Folge. - Dritter Jahrgang. Hcraiisgegebe» unter Mitwirkung dcs Begründers und bewährter Genossen von Asaac Kirsch. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogcn stark. — Abounementspreis bei allen Postanstalten nud Buchhandlungen Hcd. ">0 snr das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helming'sche Verlagöbnchhand- Iling zn Hannover. — Die Expedition versendet auch direct und franko unter Streisband den Jahrgang sür!2 oder 7 Gulden östcrr. Währ, nach Deutschland und Oesterreich׳, snr 14 t,/6 ober 18 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — Anzeigen werden mit 25.4 f. d. Ngespairene Peritzeilc oder deren Raum berechnet. — Gxpediti on: Hannover, Artillerieftr. 2!1. Inhalts-Verzt'tchultz von Nr. f. Das jüdische Ghrgesiihl. — Latomonischs Lprrichweisheit (Fortsetzung!. — Der Antisemitismus des Philosophen. — Kollektiv-Berichte ans Ungarn (Fortsetzung— Nachtgestirnc (Fortsetzung^. — Bncher'chan. — Korrespondenzen und Nochrichten: Hannover, Frankfurt a. M.(2'. Bon der ttlbe, Kitzingen, Ans Holland, Wien, Ans Mähren, Pest. Ans Ungarn (2)/Paris. — Nihilismus und Judenthnm (Fortsetzung). — Jnscratr. Das j!idW Ehrgefühl. In einer angesehenen Zeitschrift*) lasen wir kürzlich als von etwas ganz Selbstverständlichem und allgemein Anerkanntem, von den ״in Fragen der Ehre meist nicht peniblen Kindern Israels." Obgleich wir weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit von unseren Mitbrüdern, die nicht zu den ״Kindern Israels" zählen, durch Beweise der Liebe und Werthschätzuug allzusehr verwöhnt sind und der Gott dringende Schrei der gepreßten jüdischen Seele '2 ״ היינו לעג וקלם בגריםwir sind Gespött und Hohn unter den Völkern" keineswegs eine Hyperbel ist, die *) Die Grenzbotcn Nr. 49 vorigem Jahrgangs S. 140׳. gelegentliche verächtliche Bemerkung eines Schriftstellers uns demnach nicht sehr erregen mußte, so können wir doch nicht leugnen, daß es uns, die wir auch zu den ״Kindern Israels" gehören, stets schmerzlich berührt, so oft wir einer Verunglimpfung unseres Namens begcgncn. Und gerade die gelegentliche, nur nebenher erfolgende Beleidigung trifft uns empfindlicher, als der wohl überlegte und wohl gezielte Fanstfchtag. Jene gleicht dem Fußtritt, mit welchem man einen rendigen .Hund, der Einem gerade unbequem über den Weg läuft, von sich scheucht, ohne Zorn und Empörung, im unbewußten Gefühle des Ekels und der tiefsten Verachtung. Der Gegenstand derselben ist nicht einmal einer Auswaltnug dcS Zorns werth; ein kräftiger Fußtritt, der Hund zieht sich winselnd zurück, und man setzt ruhig seinen Spaziergang fort, des eklen Geschöpfs nicht weiter gedenkend. — Lassen wir den stolzen Herrn, der ans seinem Gange durch die ״Diplomatenschnlc" zufällig den ״Kindern Israels" begegnete und sie so! elegant zu beseitigen wußte, ruhig seine Straße ziehen und quittiren ihm den dankenden Empfang des Tritts seines zierlichen Diplomatcnfußabsatzcö. Er steht uns ja doch keine Rede und wird uns nicht satissaktionssähigcn ״Kindcrn Israels" jede- Gcnugthnnug verweigern. Seine Ehre läßt eS vcrmuthlich nur zu, Fußtritte aüszutheilcn, aber auf die Mensur