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Jeschurun · 1884-11-20 · Heft 47 (20.11.1884) · p. 743

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 47 (20.11.1884)
Article
Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg
Date
1884-11-20
Page
743 (sequence 3)
Language
German
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743 Franziskaner-Kloster, bic letzte Stiftung dieser Art in Mecklenburg. Auch-dieses wurde von der Deformation himvcggekehrt, und, seltsam genug, an der Stelle, wohin noch vor einigen Jahrzehnten Hansen von Wallfahrcru in schwärmerischer, blinder Verehrung dem heiligen Mirakel zuströinten, ward ein ganz prosaisches, fürstliches Korumagazin angelegt, welches nur noch durch den noch jetzt fortlebenden Namen ״Klosterhos" au die frühere Bestimmung dieser Stätte erinnerte. Jetzt befinden sich daselbst Privatgebüude. Diese Stätte ge hört zu den merkwürdigen, an welchen die eiserne Hand der Geschichte gar sonderbare Wandlungen vorgenommen: Synagoge — Kapelle des heiligen Blutes — FranziSkancrklostcr — fürstliches Korumagazin — Privatwohnungcn, da runter auch jüdische. (Fortsetzung folgt.^ Wachtgestirne. Historische Novelle aus der Fendalzcit Ungarns Bon Samuel Bert hold Nosner. - ('Jiarfiiinicl tn'rl'oton 11. Heber jeiuim^redit v 0 r b e 11 a 11011. ^Fortsetzung.'; Die Zigeunerin überlegte eine Weile sinnend, daun erhob sie sich und sprach mit feierlichem Pathos: ״Aus Erden waltet das Schicksal, aber die Bahn, die cS wandeln muß, ist vorgczeichnct in den Sternen, und das Atlge der Seherin entdeckt ihre Windungen und Krümmungen in dem millionenfachen Sterncngeflimmer. Folget mir, denn wenn ich Eure Fragen soll beant- Worten können, muß ich das Buch des Himmels mit der dcmantcnen Stcrnenschrift vor mir haben." Sie nahm einen Stab und verließ die Hütte. Mara und ("ca folgten ihr erwartungsvoll. Während sie sich vom Zigeunerlager entfernten, durchkreuzten den Kopf der Zigeunerin folgende Gedanken: Die Gefangenen sind zum Tode verurtheilt, da kann sonst ׳Niemand mehr Helsen als der König. Wie gelangt aber das Juden- Mädchen in die Nähe dcS Herrschers? Sie muß einen Fürsprecher haben, der ihr den Weg dahin ebnet: wenn eine Rettung überhaupt noch möglich ist, so kann sic nur auf diese Art herbcigcführt werden." Diese Gedanken waren die Ariadnefaden, welche diese alte Pythia zur Entdeckung der Bahn des Schicksales zwischen den Sternen leiteten. An einem Orte, welcher entfernt genug vom Lager war. daß ihn der dort herrschende Lärm nicht erreichen konnte, machte die Zigeunerin Halt. Die Sonne war vollends nntcrgegangcn, und die Sterncnpracht des Himmels strahlte in winterlicher Herrlichkeit. Die Weissagerin bczcichncte mit einem Stabe einen großen Kreis, in welchen Lea treten mußte: sie selbst kauerte am Boden nieder und begann, sich in ihr Tuch cimvickelnd, wieder jene wunderliche, sremdartige Melodie zu summen, welche sie drinnen beim -Herde stehend gesungen. Hieraus begann sie die Karten aufzuschlagen, wobei sic mehrfach zu den Sternen ' anfblickie. Die erste Karte war wieder der rothc Bube:! ״Ich hatte es schon vorhin unbewußt geahnt," begann! sie mit zufriedenem Selbstbewußtsein, ״daß der rothe , Bube einen großen Einfluß ans Dein ferneres Schicksal! ansübcn wird. Ein mächtiger, schöner und guter! .Kavalier wird Dir hülfreiche Hand bieten — baß cS ’! ein Kavalier ist, das beweist die verbrämte nnb ge- | schnürte Mente *), welche er über die Schulter geworfen! hat. In welcher Form wird er Dir zum Segen gereichen? Hier ist grün König.— Grün ist die Farbe! der Hoffnung, die größte Hoffnung winkt Dir von! einem gekrönten Haupte entgegen. DaS beweist auch > die strahlende Sterncnkronc, welche gerade über Deinem Haupte am Himmel sichtbar ist. Blicke zum Himmel ans in gerader Richtung und sage mir, was Du oben wahrnimmst? —"" ״Wahrhaftig, eine Krone," stammelte Lea, welche der erhaltenen Weisung Folge geleistet hatte." Es rhu* wirklich sehr naheliegend, dem >V-artigen Zickzack der Kassiopeia, unter welchem Stcrnbilde sie j sich befand, die Deutung einer Krone bciznlcgcn. Auch! Mara, welche dem ganzen Vorgänge mit größter - Spannung gefolgt war, blickte zum Himmel empor,! und als sie die Angabe der Zigeunerin bestätigt fand, l stieß sic einen Ausruf des Staunens ans, faltete die Hände! und blickte auf die Wahrsagerin mit einer andächtigen! Verehrung wie auf eine Heilige, l Die Zigeunerin fuhr fort: ״Der König also wird I Deine Bitte erhören und wird die Deinigcn begnadigen.! Der Bube lag zunächst dem König. Oer Kavalier! ist mächtig, steht dem Throne nahe, er wird Dir den \ Zutritt zum .Könige ermöglichen. Er wird — wehe, | mein Blick wird unklar, die Sterne verschwimmen vor j meinen Augen in ein silbernes Meer; ich vermag kein i ׳StcnüiUb mehr vom andern zu unterscheiden. Das! Schicksal hat sein Buch zngcschlagcn, und wenn Du j mir auch alle Schätze der Welt bötest, ich vermöchte > nicht wieder den gebannten Zauber zu lösen."' Die j Zigennerin erhob sich und warf einen verstohlenen! Seitenblick auf ihre zwei Klienten, nm zu erfahren, ob ihre Anspielung aus die ״Schätze der Welt" auf fruchtbarem Boden gefallen sei. Mara halte diese Anspielung verstanden. Dankbar drückte - sie der Zigeunerin ein größeres Geldstück in die Hand und siel dann Lea um den Hals, sie stürmisch an ihre Brust drückend. ״Freue Dich, meine Tochter," '*} Ein ungarisches Magiralengewand.

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