Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1884)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1884-11-13
- Page
- 730 (sequence 2)
- Language
- German
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730 foitfcrucittocit Status-q 11005־cme i n beit im?anbe feiner Sympathie. — An der Spitze einer solchen Gemeinde konnte dem ehrwürdigen Herr Rabbiner Kunstadt kein Nimbus umstrahlen, aus der Hochwarte einer solchen Fraktion konnte er kein Vertrauen erwecken, und sein Aufruf imponirte darum auch wenig und verhallte spurlos! Gas wir vor einem Jahre aus Rücksicht , .;egen Herrn Knnstadt verschwiegen, brauchen wir wohl . heute bei der völlig veränderten Sachlage nicht mehr . unterdrücken, und so sprechen wir es aus, das; die ■ Anwaltschaft des Groß-Wardciner Stuttm-itno-Rabbiners! unbewußt und absichtslos, ja trotz der besten Intentionen,! der Sache der konserv itiven StuUm-(;w»-Partei cinpfind-! lich geschadet und eine der Absicht entschieden entgegengesetzte Wirkung hcrvorgebrachl.! Mil dem Abgänge ihres religiösen Führers wurde! der Existenzboden dieser Gemeinde gewaltig erschüttert; — sie vcgetirte kümmerlich fort, und ihre völlige Auf-! lösnng war nur mehr eine Frage der Zeit.-\ Man war jedoch ans das Endresultat dieses Auflösung-- j Prozesses recht gespannt. — Werden die Mitglieder! dieser Gemeinde reuevoll zurückkehren in den Schooß! der Orthodoxie, der sie entstammt, oder wird die Parteileidenschast sie blindlings in das Lager der Reform-! gemeinde schleudern? Werden sie zurückkehrcn zu ihrer! guten alten Muttergemeinde, die sie treulos ver-! lassen, oder werden sie mit ihrer abtrünnigen Schwester! (der Reformgemeinde) gegen die gemeinsame Mutter j sich verbinden? — Hier wollte man das Eine, dort - das Andere behaupten. — Die Einen waren der An- . sicht, die Bereinigung von StuUw-qu(׳ und Orthodoxen | sei eine Mesallianz. Andere behaupteten wieder, der; Eintritt der S1 ul u>-qn<>-Partei in die Resormgemeinde! müsse nur Disharmonie erzeugen und sortzeugend bösen : Zank und Streit gebären. — Run hat die Stunde! der Entscheidung geschlagen. Die Stntn5-q>w-Panei! folgte der Vernunft und Logik, schloß sich samntt und ׳ sonders derjenigen Gemeinde an, mit der sie and) ' während der Zeit des Geschiedenseins gesinnnngsvcnvandt! sich fühlte; sie ging vollzählig zur autonomen orthodoxen : Gemeinde über! Mit aufrichtiger Freude rcgistrircn wir (dieses ..wir" bedeutet nicht der pluralis majestat-is, den Journalisten und Schriftsteller zu gebrauchen pflegen. : sondern idi spreche hier die Ansicht von vielen Ge-! sinnungsgenosscn ans), diese Transaktion, diese Wieder- Vereinigung; denn im Weichbildc eitler Stadt, in welcher eine intelligente, in allen Stücken mustergültige orthodoxe Gemeinde blüht, mit einem Rabbiner Fuchs an! der Spitze — in einer solchen Stadt hat eine konscr-! vative Status-quo־(S5emembc keine Exiftenzberechligung!! — 35Mr freuen uns darum, daß diese verirrte Fraktion - die Scharte ausgewctzt imb durch beit Rückzug in Ehren i bewiesen, daß auch in ihr nicht ganz erloschen דוה דעת ויראת ה׳. * * Meinem heutigen Berichte muß ich ein Postskriptnm folgen lassen. Soeben lese ich einen Bericht über den Aufenthalt des Ministers Trösort in Groß-Wardcin. Se. Erzellenz inspizine n. A. auch die vortrefflich organisirte Schule der dortigen orthodoxen israelitischen Genteinde. Als nachher eine Deputation dieser Gemeinde, geführt von dem verdienstvollen Präses derselben. Herrn Isidor Ul l mann, bei Sv. Exzellenz ihre Aufwartung machte, erwiderte der Minister ans deren Ansprache: ״Als ich heute ihre lousessioncllc Gemeindeschule bcsuchte, war ich sofort im klaren über die Verhältnisse Ihrer Gemeinde; ich erkannte sofort, daß Sie Ihrer Ausgabe richtig und zweckentsprechend Nachkommen. Daß das .unerschütterliche Festhalten an der Religion dem Patriotismus in keiner Weise Abbruch thut, darüber bin ich im Klaren, wie ich dieser Uebcrzeugung oft genug Ausdruck gegeben. Seien Sie übrigens meiner Unterstützung sicher. Leider sind die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden im Lande ziemlich verworren; doch glaube ich. daß, wenn die Saitirnng einer Krankheit in nicht richtigem Zeitpunkte vorgenommen wird, dies von noch übleren Folgen sein kann, als die Krankheit selbst. Wir hassen jedoch, daß die Zeit kommen wird, wo auch diese Nebelstände leicht behoben werden können." In seiner Antwort an den Lehrkörper der orthoboxen israelitischen Schule sprach der Minister von dem inhumanen Borgehen, welches viele Gemeinden ihren Lehrern gegenüber beobachten, und sagte: ״Daß, wie er heute vom Geiste, welcher in der Groß-Wardeiner israelitischen orthodoxen Gemeinde herrscht, Gelegenheit hatte sich zu überzeugen, es zwischen dieser und den Lehrern kaum je zu einem Konflikte kommen werde." Vir graintiren der trefflichen Gemeinde zu diesem tvahrhasten קדוש רדשס und haben in diesem Augenblicke keinen sehnlicheren Wunsch, als כמותר! •ירבו בישראל. Möchte doch das heilsame Streben und Wirken dieser Gemeinde und ihres verehrten Rabbiners tvürdige Rachahmung finden. Korrctzondcnzc» iiud Nachrichten. Deutschland. -0- Berlin, 9. November. ״Hochzuvcrehrcnder Herr!" also wurde auch ich von den! Wahlverein der Konservative!- des zwc-icu Reichstags-Wahlkreises angeredet; ״Hochzuverchrendcr Herr!" helfen Sie uns, Berlin frciznmachen von ״der Heerfolge des Judenthums," Vieser ״imernatisnalen Macht." Eine kleine