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Jeschurun · 1884-11-13 · Heft 46 (13.11.1884) · p. 729

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 46 (13.11.1884)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1884-11-13
Page
729 (sequence 1)
Language
German
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.M 4G Ieschurrm. 729 i“ Kollektiv-Penchtc ano Ungarn, xxxv. (Siehe Nr. 1"» und 1<> dieses I.rhrgongö. - Bon einem sehr korpulenten nngari scheu Kavalier wird erzählt, das; er einst, sich mit dein Anziehen seiner ungarischen Hose wiederholt quälend, in seinem Unmnthe darüber ausgernfen habe: ״Ebadta! hätte nicht ein Deutscher die engen Hosen erfinden können!" In einer analogen Situation befindet sich die jüdische kNaNtS-quo-Partei in Ungarn. Weil nätnlich dieser Partei auch manche reformistisch gesinnte Gemeinde sich zuzählen läßt, wird, nach Manier der Istoezhaner, über die Gesammtheit der Stab gebrochen, ilnd sie sind durch erniedrigende Ausnahmsgcsetze und eine künstlich gezogene Scheidewand tiefverletzenden Ehikaucu aufgesetzt. — Das; es auch tm Lager der unter dem Protektorate der offiziellen Komnussion stehenden Gemeinden manche gicbt, deren «Besinnung und Gesittung uiit keiner Reform- Fanon in Kollision geräth, darüber wird stillschweigend ein Schleier gezogen, und and; wir trollen darüber — zur Tagesordnung übergehen. Die Ereignisse der jüngsten Zeit haben selbst den verstocktesten ״Protestanten" davon überzeugen können, daß die erwähnte Ansschließnngstheoric keineswegs den Postnlatcn des Rechts und der Billigkeit enspricht. In S. A. Ujhely, wo in Folge der vor zehn Jahren vollzogenen Separirnng der Sephardim (recte Ehassidim) von der autonomen orthodoxen Mutiergemeinde, diese sich veranlaßt gesehen, ans dem Bcrbande der offiziellen ״Orthodoxie" zu treten und den Namen und Karakter einer d-tatu^-quo-Gemeinde anzunehmen, — wüthet feit einiger Zeit wieder die entfesseite Parteilcideuschaft. Die auf strertg - orthodoxer Basis tvnslüuirte d)tntln>-tjU0-Gcmeinde zu S. A. Ujhelh bildet eine feste und geschlossene Phalanx gegen jede Neuerung in Gemeinde und Synagoge. Die im Weichbilde dieser numerisch sehr bedeutenden Gemeinde vorhandenen fortschrittlichen Elemente fordern demonstrativ einige Konzessionen, welches Ansinnen jedoch an der eisernen Konsequenz des Rabbiners und den! Gros der. Gemeinde scheiterte. Nun entfalten diese famosen Geschmacksritter eine einer besseren Sache würdige Energie, um sich zu einer selbstständigen Komzreßgeincinde zu kvnsolidst'en. —-Wer kann nun im Angesichte solcher Geschehnisse, ohne der Wahrheit sich zu vcrschließen, behaupten, daß Klatiw-quo und Kongreß zwei identische Begriffe seien?! Ad 2. Die autonome orthodoxe Gemeinde zu Torok Sz-Miklos hat es für gut befunden, sich trotz Einsprache ihres würdigen Rabbiners, in eine Lta.tu2-q.t10-Gemeinde zu metamorphosiren. Welcher vernünftige Mousch wird nun behaupten wollen, die 7ן2לה oder התרת הוראה des ehrwürdigen R. Pinkaß Stein sei heute nicht mehr verläßlich, weil seine Gemeinde an den Segnungen der ossiziellen Kommission nicht Theil nehmen will? — - — Ad 3. oii G r o ß - W a rdei n haben mehrere Jahre hindurch drei vollständig getrennte, antonvmc Gemeinden bestanden. Die sehr bedeutende, im hohen Ansehen stehende autonome orthodoxe Gemeinde mit dem rnhmlichst bekannten Oberrabincr Herrn M. Fuchs an der Spitze: — eine Status-quo Gemeinde, deren Rabbiner Herr I. Knnstadt einem ehrenden Rufe nach Radantz folgte; — und eine Reform-Gemeinde, die in Dr. Alex. K ohnt ihr religiöses Oberhaupt anerkennt. Die Lta1tw-qtl(>-Gcmeiude hat, sozusagen, mit Fanatismus ihre Parteifahne entfaltet: ihr Rabbiner gerirte sich geradezu als Apostel dieser ohne jede ofsizielte Vertretung verlassen dastehenden Partei im Lande und hat wiederholt in den gelcsensten politischen Jourluden die L1atn2-qn<>׳Gen1einden anfgefordert, ihm ihre Adressen mitzntheilen. Wie wir über diese inszenirte Adressensammlung gedacht, ist den Lesern unserer Kollektiv-Berichte bekannt, und wir glauben, keine Indiskretion zu zu begehen, wenn wir kund thnn, daß Herr Knnstadt mit unseren Auseinandersetzungen sich vollkommen einverstanden erklärte. Wir haben seinem unerschrockenen, mannhaften Auftreten keine Traglveite znerkaunt und keinen praktischen Erfolg prognostizirt, und die Erfahrung hat unsere Behauptung gerechtfertigt. — Ferne sei es von uns, die lauteren Intentionen, die Herrn Knnstadt bei diesem offenen Schritte geleitet, zu verkennen oder in Abrede zu stellen; jedoch wir halten uns überzeugt, daß Herr Rabbiner Knnstadt es jetzt selbst erkennen und bekennen ivird, daß schon vermöge der Stellung, die er in (iH־. Wardein eingenommen, au einen Erfolg durchaus nicht zu denken war. . Wir haben schon früher einmal konstatirt. daß der Begriff Status-qiio sehr elastisch ist, und wenn wir überzengnngsvoll für die in nnvei an t wörtlicher Weise geschmähten und verstoßenen konservativen Ltaru2-qno Gemeinden Partei ergreifen, so haben wir eben n u r diese im Auge, nicht aber die willk ü r! i ch Ansgeschiedenen. — Ja, cs ist keineswegs einerlei, ob eine einheitliche Gemeinde, deren Organisations- und Spezialstatnt ans den Bcstimmnngen der Kodizes des שולחן ערוך basiren, im Slatus-quo verblieben, Oder wenn eine Friktion ans dem Verbände einer orthodoxen Gemeinde willkürlich scheidet und als selbstständige Ltatu2-quo-Gemeinde sich fonftituivt. Zur letzteren Kategorie gehörte die Groß-Wardeincr Ltatn2-quo- Gemnndc, und darum erfreute sie sich auch bei den

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