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Jeschurun · 1884-11-06 · Heft 45 (6.11.1884) · p. 714

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 45 (6.11.1884)
Article
Der Ghetto in Rom
Date
1884-11-06
Page
714 (sequence 2)
Language
German
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714 pvei Ccfni befanden, in denen man Erze ׳chmolz). ״(Mctiü״ l)cifu nämlich ״bei״;]2511' ׳, mtb barau־? wurde die (oiTumpttiC 2(!10[ p radie ..Ghetto". Wir linden tibri^cno diese;weile Schreibweise auch schon im 3al)1׳e ן :>(ks mit der ersten abwechselnd. Das Alles gilt noch von einer Zeit, da die Inden noch nicht den Stadt- - tljcil 3״M)ctto״ bewohnten. Der Inden geschieht in venetianischen Schriften zuerst im Jahre l J 52 Erwähnung Nom im 1 2. Jahr-! hundert wies man ihnen eine langgestreckte, durch einen; sehr breiten, nicht übcrbrnckten Kanal von der cigent-!ichcn Stadt getrennte Insel Namens Spinalunga als Wohnsitz an, welche von da an den Namen ״(^inöi'cea" erhielt. Im nächsten Jahrhundert kommen die Juden : in Venedig zuerst als eine ansehnliche geschlossene Korpo-; ration vor, welche in die morgerlläudischc, die abendländische und die deutsche Nation zerfiel. Bald daraus singen sic aber schon an. durch ihre Wuchergeschäfte (?) die Ansmerlsamkeit der Negierung aus sich zu ziehen, , und im Jahre 18(21־ wurde ein eigener Magistrat zu , ihrer ttcberwachlmg geschaffen und wurden besondere i Wnchergcsetzc erlassen. Aber trotzdem grisscn die Mißbrauche i?) immer weiter um sich, so daß sich der Senat! im Jahre 1:11)4 genöthigt sah, die ,.Universita Ebraiea" j ans dem Stadtrayon auSznwcifen. Dieselbe lies; sich \ jetzt in Ncestre unweit Venedig nieder und betrieb von > dort aus nach wie vor ihre Geldgeschäfte mit den : Städtern. In der Folge erhielten einzelne Juden, weil j die Republik oder irgend ein einflußreicher Patrizier! ihrer bedurfte, gegen Bezahlung hoher Taxen wieder! beschränkte und bedingte Zulassung im Stadtgebiete,! und in! Jahre 181«; wollte mau der gesanunten Komj immität die :Niederlassung im Stadtgebiete selbst nicht ן mehr verwehren. Doch mußten sich die Hebräer auch jetzt noch gewisse Einschränkungen gefallen lassen. Vor Allem ward ihnen ein bestimmter Rayon zttr ansschließlichcn Wohnung angewiesen, und die Wahl sie! ans das disponible öde Terrain, auf welchem ehemals die Metallgießereien gestanden harten und das noch immer den ־Namen ״Ghetto" bewahrte. Dieser Raum war von dem ganzen übrigen SlLdtgebiete durch Kanäle getrennt, und nur eine einzige schmale Brücke, die dcS Abends polizeilich abgesperrt wurde, führte nach dein ..Ghetto" hinüber, und zahlreiche Barken mit Polizei- Mannschaft bewachten des Nachts alle diesen Stadttheil nntgebcndcn Kanäle. Aehnlichc Einrichtungen und Anordnnngcn bezüglich der ־Wohnungen der Juden wurden theils gleichzeitig, thcilS bald darauf, thcils auch schon jrühcr in fast allen Städten Italiens, so auch in Rom getrosten. Die Iudenstadt Venedigs war aber lange Zeit unter allen die berühmtcttc, und der Name des venetianischen.,Ghetto" ward überall ans den von den Juden bewohnten Stadlrayon übertragen, bis man ogar die historische Bedeutung, die das Wort für Venedig hatte, vergaß und die Wurzeln desselben in >er hebräischen, chaldäischen oder syrijchcn Sprache zu mchen begann. Km׳cW!!hc!!zcrr uub Nlulinchtcil. Dentschla u b. M. K. Wür.zbnrg, 31. Oktober. Znm Ber- Walter der nenerrichteten israelitischen Kranken- und Pfründneranstalt habeu sich nicht weniger als 70 Be- Werber gemeldet, unter denen recht tüchtige und wackere Männer sind. Die Verwaltung konnte anS hier nicht ttnzngebenden Gründen zu keiner Entscheidung kommen. Da ereignete sich nun ein ,Fall, der jedenfalls selten in seiner Art ist; der hiesige sehr wohlhabende Privatier Herr Isaae Hammel erklärte sich nämlich bereit, dieses mühevolle Amt vorläufig auf die Dauer eines IahrcS unentgeltlich zu führen. Man begrüßte dieses Anerbieten mit Freuden und übertrug ihm in höchst dankenSwerther Weise diesen Posten. Die Berwaltung erspart dadurch nahe an tausend Mark und zog sich außerdem aus einer sehr nnangenchnten dagc. Die Uebergabe des für die Anstalt bctamitlid) käuflich erworbenen HauscS ist schon erfolgt, und wird die Er- Öffnung der Anstalt schon in der nächsten Zeit stattfinden. — Wie an andern Plätzen wurde auch hier an! Sonntag Nachmitiag programmgemäß in der festlich beleuchteten Simagoge zu Ehren des hundertsten Geburtstages des bekannten Philantropen Sir Moses Montefiorc FcstgotteSdicnst mit Predigt abgehalten. Der Festredner verglich den Jubilar mit Noah und j führte in dessen edlen Thatcn ein schönes Lebensbild ן dem Auditorium vor die Seele. Die Rede machte auf! alle Anwesenden einen guten Eindruck, die Feier wurde! von einem schönen Ehoral eingeleitet und geschlossen.! 0. 2lnS dem Negrcrungsbe,zirk Kassel,! 28. Oktober. Vor dem Schwurgericht zu Marburg! fand in der vorletzten Woche die Verhandlung in der! seitens der Königlichen Staatsanwaltschaft gegen den! ehemaligen Schmied und Landwirt!) Kvnrad Hedj beriet) ans Roßberg erhobenen Anklage wegen zweifach : überlegten Mordes statt, bcgaugeu an dem Salomon I Wolfs' schon Ehepaare zu Nordcck in der Nacht vom j 2. znm 3. Marz d. I. (di־. Jeschnrun Nr. 11 und 12). : Die Verhandlung, welche fünf Tage dauerte, konnte 1 kein klares dicht ans die Schuld resp. Thäterschaft des! Angeklagten werfen, und sah man darum den! Wahrj sprach der Geich:vvrencn mit Spannung entgegen.! Derselbe lautete auf Freisprechung, und wurde der ' Angeklagte sofort in Freiheit gesetzt. — Die Wieder-

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