Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1884)
- Article
- Aus dem ungarischen Abgeordnetenhause
- Date
- 1884-11-06
- Page
- 709 (sequence 2)
- Language
- German
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709 orbnctcu Ijabcn bei den römiiiijcit XUaififeni an^cfan^cn, sich auf t]10־[-c Iilcrarifd}C;Hutoritätcii ,11 berufen; ich bemerke nebenbei, das; co wahrscheinlich ein Lapsus 1 i 11 .1;11 ־ביL־ mar, wenn einer derselben Shakespeare nicht nur;um r1n:hYmiien, sondern auch;um DCLitjebcn Dichter machte. Angesichtediesem großen winenschanlichen Appa rate* (leb haste Den er lei! rechte) werde i-ch das geehrte -Vaud nicht mit der?lufzählung der laugen Reihe von Rannm ermüden; aber ich bitte die ט er re 11 Abgeordneten, nachzulesen, wie man in der Ükömerzeit;11 Beginn des Christen! hu ins über Christen schrieb, und wie einige der besten römischen Kaiser über Christen dachten. Und gehen wir weiter, später im Mittelalter — haben da nicht die ausgezeichnetsten Männer schonungslos den Kampf gegen einander geführt? Ich will nicht davon sprechen, wie katholische Dch׳. isrsteller über Protestanten schrieben; aber lesen Die einmal nach, was ein wahr-׳ Haft großer Mann in Schottland, John Knox, nicht nur von Katholiken, sondern auch von Anglikanern sagte, nnd lesen Die einmal nach, mit welchen Sassen, in welchen Aufdrucken Vutheraner und Reformiere gegen einander gekäinpst, nnd sehen Die, wie man auch in der ob ihrer Toleranz für Konfessionen seit jeher derühmten ungarischen Legislative das Lullicrani comimrantiu־ in dm? t^eseh geschrieben hat. (Ausrufe auf der äußersten Viuicn: Cd war schlecht genug! •beiter-• teil rechts.) Lehen Die das Alles, und wenn Sie dicf Allef für richtig befinden, dann können Die allerdings mit Recht daf zitiren, was man auf ׳,euer Zeit gegen Israeliten oder xbideu geschrieben hat. (So ist's! Do ist's! Beifall recht-?.! Allein wenn Sic dies nicht für richtig besinden nnd wenn Die nicht nach dem Beispiele jener finsteren Jahrhunderte Vorgehen wollen, so haben sie lein Recht, jene Beispiele zu zitiren. (Lebhafte Zustimmung und Beifall rechts.) Daf aber bitte ich Sie entschieden zu mehr habe ich kein Recht — daß Sie einen Cötvös, Dzcchenyi. Kölesey, die ihr ganzes '?eben hindurch Aufklärung verkündet, in ihren Gräbern in Ruhe lassen mögen, (Lebhafte Ziistimmimg und Beifall rechts.) Cd ist gut. daß DieVusfen, daß diese Männer hier nicht auslreten könne!;, denn mein Wort wäre ein bloßes Fiüstcm im Bergleichc zu jenem Donnern, mit welchem sic Ihnen ihre Zitate au den Kops schleudern würden, ('?angauhallende, geräuschvolle Äcisallfänßcrungen und Zustimmung rechts.) Die •V>crrcn?lbgeordneren — und hiemit will ich mit diesem Thema fertig werden — waren darüber empört, wenn Jemand von dieser Leite sagte, daß sie die Inden r׳erfolgen, daß sic die Rasse, die Konfession verfolgen: sie empörten sich gegen biefe Anklage. als ob sie dieselbe versolglcn. Dann aber steh! Einer von ihnen aus, um die Inferiorität dieser Rasse vorzudemonürireii, ein Anderer denronstrirt, mic verbrecherisch die '?ehren jener Konfession seien: ein Dritter führt stalistischc Daten über ebne gewisse Gattung strafbarer Handlungen an tmd konkludirt nicht dahin, daß man den Verbrecher, sondern die Nasse verfolgen müsse, zu welcher dieser gehöre. Haben Sie wohl nach alledem Recht, die Absicht der Verfolgung zu le,tgnen? Sie haben cs nicht, denn die Sorte Ihrer eigenen Reden desavouircn jenen Protest, welchen Die anmelden. (So ijt's! So ist's! rechts.) Sie werden sich vielleicht damit zu entschuldigen versuchen, daß Sic das Volk niemals zu Thärlichkeiten ciufsordertcir; allein wenn das Volk, welches die Verhältnisse nicht gehörig kennen kann. Ihre Neben vernimmt, wenn es hört: Dein Los ist deShalb kein besseres, weil Juden im Lande sind, die sich stets den Kops darüber zerbrechen, wie sie dich rniniren könnten. (Zwischenrufe auf Seite der xHutifemitcu: So ist's! So ist's! Gegenrufe rechts: Cs ist nicht so!), ist dann die natürliche Folge solcher Neben nicht jene, die man an manchen Orten mit Sassengewalt Niederschlagen mußte. (So ist's! So ist's! rechts), und erachten Sic cs für richtig, für angemessen, jene Lenke. die sonst mit ihrem Vojc nicht unzufrieden wären, vermiLtctst solcher Aenßcrungcn ins Unglück zu treiben und dann im Unglück drin zu lassen? (Lebhafte Zustimmnng rechts.) Im weiteren Verlause seiner Rede polemisirte Tiöza mil den sonstigen oppositionellen Anklagen und schloß mil folgender Erklärung: ״Die Herren Abge ordneten haben sehr viel von jenen Ansnahmsmaßregeln gesprochen, die ich zu einer Zeit angedenlet habe nnd deren auch der Adreß-Cnlwurf erwähnt. Sie haben die Sache so dargestellt, als ob diese Maßregeln eine Konfiskation der Freiheit überhaupt oder Preßfreiheit insbesondere bezwecken würden. Das geehrte Hanf wird in der Vage sein, sich hierüber merilorisch zu äußern, ivcun der betreffende Entwurf aus dein Tische des Hauses liegen wird. Eines aber kann ich heute schon bestimmt sagen, und dies Eine ist, daß ich Beschränkungen, die ich za proponiren gedenke, nur gegen die von mir angedeuteten und als gesährlich bezeichnclen Bestrebungen, nicht aber gegen die Freiheit in! Allgeltteinen oder gegen die Preßfreiheit Vorschlägen werde, nnd auch in dieser Richtung werde ich keine dauernden, sondern — wie dies auch in anderen freien '?ändern üblich — nur provisorische, an keinen taugen Zeitraum gebundene Maßregeln Vorschlägen. Dies wird möglicherweise den einen oder andern Menschen in seiner Lieblingsbeschäskigung stören, allein von-einer allgemeinen und ständigen Beschränkung der Freiheit kann man nicht sprechen. (Zustimmung rechts.) Selchen Angriffen immer ich auch ausgesetzt sei, dasjenige, was nach meiner Ueberzengung nothwendig ist, damit eine leichtsinnige Agitation nicht den Frieden des Landes störe und man nicht Un-