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Jeschurun · 1884-11-06 · Heft 45 (6.11.1884) · p. 708

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 45 (6.11.1884)
Article
Über die gesetzlichen Bestimmungen in Betreff des Landrabbinats der Provinz Hessen
Date
1884-11-06
Page
708 (sequence 2)
Language
German
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708 unseren Landgemeinden. bap ein rttabbincr, welcher an jeinem Wohnsitze einem rcfonmrtcn ftultin? l)11l&int, — unb eine solche Hnldignng erblicken wir in der Theilnähme an einem solchen — unser Vertrauen nicht be!tt:1. Wir lassen »ne dnrch Blendwerk nicht täuschen. Wer in der Hauptstadt es mit der Reform hält und auf dem Lande sich als orthodoxer Rabbiner geriren will, der ist nicht unser Mann. 3111 Begriffe hiermit zu schließen, empfange ich den Besuch eines so eben non einer Reise heimlehrenden Freundes, welcher mir erzählt, es sei von einem auswärligen Rabbiner zum Behufe des ״Stimmung׳ Mächens" hierher geschrieben worden, man könne sehr wohl ein orthodoxer Rabbiner sein und dennoch einem ״Orgelgottesdienstc" amtlich und regelmäßig anwohnen. Der Herr Rabbiner könnte sich das Porto ersparen: einer solchen Behauptung schenken die hessischen ״Landsjnden" keinen Glauben, ihnen imponirt nicht Tatar und Bäsfchen, auch nicht ein Doktortilel. Sie wissen sehr wohl, was einem orthodoxen Rabbiner ziemt und können zwischen Reform und Gesetzen treue sehr wohl unterscheiden. Wir sind nicht so .,naiv", wie der bisherigc Inhaber des Kasseler RabbinatSsitzeS uns seinen guten Freunden und Kollegen in der Rabbincrvcrsannnlnug zu Kassel ('] Sf7י) gegenüber bezeichnete. Trotz der langen Mißleitung dieses pastoralklugen Herrn steckt in den sechzig jüdischen Landgemeinden Rieder- Hessens noch ein gesunder Kern. Unser Rabbiner muß wahrhaft orthodox sein, sonst ist er nicht der Unsrigc. A»s dem ungarischen Abgcordnctenhause. Pest, 24. Oktober. AnS der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses ist die Rede des Minister- Präsidenten TiSza höchst beachlcnSwerth. Er wandte sich gegen die Antisemiten und den Antisemitismus und erklärte, daß der letztere jeder moralischen Grund tage entbehre, weil er seine Berechtigung lediglich darauf zu stützen versuche, daß angeblich der jüdischen Rasse die Neigung zn gewissen Lastern in höherem Grade innewohncn solle und sie deshalb unterdrück! und verfolgt werden niüssc. Eine aus Mora! sich stützende Politik erkläre vielmehr, man dürfe Ricman.- den fragen, wessen Bekenntnisses und welcher Abstammnng er sei, sondern müsse das Verbrechen bei Jedem gleichmäßig verfolgen. Lanier Beifall degleitete diese Ausführung: nur Onody fand es für angemessen zn rufen: das dogmaüsirte Verbrechen! TiSza aber fuhr, an diesen Zwischenruf anknüpsend, fort: Was das Dogmatisiren betrifft, so will ich demerken, daß. wenn die Thatsache, daß die Herren auf der Basis dcS mittelalterlichen ObjkuraiiliSmnS stehen, sich in irgend etwas deutlich aus drückt, cS gerade darin ist, daß sie dogmatische Lehrsätze in die Berathnngen einer politischen Körperschaft einbeziehen tvolleit (lebhafte Zustimmung rechts), und ich kann nicht umhin, jenes richtige miö taktvolle Vorgehen anznerkennen, welches die vielleicht in aller-. Parteien des Hauses befindlichen Abgeordneten israeiluscher Religion, oder!venu cS so beliebt, jüdischer, denn sie schämen sich dieses Namens nicht... (Ausrufe auf einer Bank der äußersten Linken: Doch, sie schämen sich dessen!) Moritz Wahr mann: Gewiß, wir schämen uns dessen nicht. Ministerpräsident TiSza: Wie gesagt, wir müssen öem taktvollen Vorgehen Anerkennung zollen, welches diese Herren au den Tag legten, indem sie selbst dnrch eine solche Provokation sich nicht aus ihrer Ruhe bringen ließen und so dieser nicht hierher gehörigen Debatte keine neue Nahrung boten. (Lebhafte Znstimmnng rechts.) Geza Onodh: In der Presse sind sie sehr rührig. Ivan Llmonyi: Ja, meil sie erschrocken sind. (Heiterkeit unter den Antisemiten.) Ministerpräsident TiSza: Einer der Herren Abgeordneten sagt, daß die Inden rührig seien; ich bcrase ntich ans sedes einzelne Mitglied des Abgeordneten- Hauses, indem ich frage, wer diejenigen seien, die sich während der ganzcn Debatte fortwährend nervös dewegten und inuucr dazwischenschrieen'? (Heiterkeit rechts.) Wenn dies ein Zeichen der Furcht ist, dam! haben wahrlich die Herren antisemitischen Abgeordneten zahlreiche Beweise der Furcht gegeben (lebhafte Heiterkeit und Beifall rechts); und es ist auch richtig, daß sic sich fürchten, denn wer Ideen wie die ihrigen verbreitet, muß in der Thal das!ckrtheil deS gesunden Verstandes fürchten. (Langanhaltende lebhafte Zustimmung und Beifall rechts, Unruhe ans einzelnen Bänken der Linken und äußersten Linken.) Baron Gabriel AndreauSzky (aufslehcnd): Ich bitte, den Herrn Ministerpräsidenten zur Ordnung zu rufen. (Ausrufe rechts: Zur Ordnung! Zur Ordnung!) Minister prästdent TiSza: Der Herr Abgeordnete wird die Möglichkeit haben, in seiner Schlußrede ans meine Worte zu reflekriren oder auch in persönlicher Erwiderung das Wort zu nehmen,!venu er cS auf sich bezieht, was ich im Allgemeinen gesagt habe. (Lebhaste Heiterkeit rechts.) Im klebrigen kann ich den Herren Abgeordneten die Versicherung geben, daß, wenn sie mich in meiner Rede nicht fortwährend unterbrechen würden, ich dieselbe viel glatter und einfacher zu Ende führen würde. Franz Komlost): Das ist sehr amüsant. (Lebhaste Ruse rechts: Zur Ordnung! Hört!) Minister-Präsident TiSza: Die Herren Abge-

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