Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-10-30 · Heft 44 (30.10.1884) · p. 691

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 44 (30.10.1884)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1884-10-30
Page
691 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933092-2959067--17035-2959113
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

691 ZillmillnWk Apr»ljj!vrishtlt. Von Samson MrtVljud Hirsch. XX l. Heiterkeit , 1 Fortsetzung. - Eine solche ernste Heiterkeit kennt nur Eine Zorge, > sich irgendwie durch Pslichtnersätunniß zu versündigen. Das ist über eben die Sorge, die und durchs ganze j Netzen begleiten muß, und allein im Stande ist, uns I aller übrigen Sorgen zu entheben.! Diese einzige Sorge stählt uns aber mit der Zu-! verficht in C^ott, die und die heitere Kraft zur lieber-׳ Windung jeder Schwierigkeit verleiht und und vor! jener Angst und Acngstlichkcit bewahrt, die in Stunden der Gefahr den Kops verliert und mit getrübtem nnruhigem Blick zu unbesonnenem Thun und Lassen führt, die, statt das Drohende abzuweudcn, das Verderbenbringende nur beschleunigt. Haben wir, meint unsere Spruchweisheit, uns am Tage der Noth schwach gezeigt, so lag die Noth mehr in uns als außer nuS. Unsere Schwäche war die eigentliche Noth. Wären wir stark geblieben, wir hätten die Noth überwunden und in dieser Ucbcrwinduug nur gewonnen. Die Beschränktheit unserer Kraft ist das Bedauerlichste in jeder Nothlagc. (כהנה wie 2 ידנה. B. M. 13, 16.) XXII. Gennszsncht. Verzärtelt Einer von Jugend auf seinen Sklaven, Wird am Ende eine Kindschaft daraus. (2b, 21.) So lange eine Lust, eine Begierde jung ist, könucn wir sie leicht mit Ernst, indem wir ihr nur das Zulässige gewähren, unterthünig machen und uns lebenslänglich unterthünig erhalten. Geben wir ihr aber von Anfang an, mehr als gebührend ist, nach, hegen und pflegen sie mit verzärtelnder Vorliebe, so hört sie bald auf, unS unterthünig zu sein, setzt imnrer größere Anforderungen an uns, und ans dem Knecht wird ein Kind, dem wir nichts mehr zu versagen vcrmögen, und das Unterhalt, Pflege und Befriedigung aller Gewohnheiten verlangt. Ja, ans dem Einen Sklaven wird nicht nur ein Kind, sondern — מנץ נץ), Kind, Enkel, überhaupt Nachkommen, מנץ Kind׳ fchaft, Nachkommenschaft) — ein ganzer Kreis von Kindern; Eine nachgiebig gepflegte Lust hat gar viele Genossen und erzeugt gar viele Gelüste, von denen beherrscht der Mensch als Lüstling zu Grunde gehl. Der Satte verschmäht -Honigseim, Dem Hungrigen ist alles.Bittere süß. (27, 7.) Würden wir nur essen, wenn wir hungrig sind, wir würden keine Leckerbissen entbehren. Nur weil wir über das SättignngSbedürfniß hinaus, ans Freude am Genuß, Speisen zu nnS nehmen, bcdürseu wir der Reizmittel, die dem Geschmacksinn eine oft entbehrliche Befriedigung gewähren, und leicht zu einer Verderblichcn Verwöhnung führen. * Wer Vergnügen liebt, ist ein Mann des Mangels, Wer Wein und Ocl liebt, wird nicht reich. (21,17.) Ein Spötter ist der Wein, ein Störenfried der Nauschtrunk, Wer darin sich verirrt, wird nicht weise. (20, 1.) Vergnügen, Wein und Ocl sind an sich nicht vcrwerflich, aber Freunde der Lergnügnngeu und dcö Wohlgenusses sollen wir nicht werden. Liebe zum Vergnügen und genießenden Wohlleben führt zur Verarmung. Aber mehr als dies. Unser sittlicher und gcistigcr Karakter sowie unser pflichtgemäßes Verhalten zum Nebcnmenschen wird leicht durch Unmäßigkeit im Weingenuß gefährdet. Der Wein weckt sinnliche Lüsternheit und läßt uns das bespötteln und herabwürdigen, was bei nüchterner Besonnenheit uns hoch und heilig gilt, und Trunkenheit ist ein Feind des friedlichen Vcr- Haltens zu den Mitmenschen. Wer im Weiugeuuß nicht Maß hält und sich einem unmäßigen Weingenuß ergiebt, der wird nicht weise und bleibt nicht weise. ־# Sei nicht unter Wcinsänfern, unter denen, diesich durch Fleisch - Schlemmerei entwürdigen, Denn Säufer und Schlemmer verarmen und in Lumpen kleidet sic Schlaf. (23,20.21.) Die durch übermäßiges Essen i.nd Trinken verthicren, vergeuden was sie haben, und werden unfähig, Neues zu erwerben. Gehöre nicht ,;u ihnen, und halte dich nicht zu ihnen. Wer hat Ach! wer hat Weh'! wer Zänkerei, wer Klagen, wer grundlose Wunden, Wer Augen-Nöthe? Die spät hin beim Weine sitzen, Hcimkommen, um von Neuem Trunk zu suchen! Siehe Len Wein nicht, wie er sich röthet, Wie er seinen Schein im Glase gicbt, wie er so glatt hinuntergeht! Zuletzt beißt er wie eine Schlange, Und schneidet ein wie ein Basilisk. Fremde Dinge sehen deine Augen, Verkehrtheiten spricht dein Herz, Wirst als lägest du in Mccreö Mitte, Als lägest aus einem Mastbaum du. ״Sie schlugen mich, ich füllte nichts, sie stießen . mich, ich merkte es nicht!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.