Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1884-10-23
- Page
- 684 (sequence 2)
- Language
- German
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684 lassen, lebhafte Ziisliitimnng.) Zimandy fonftarirt mtn,! baf; die 'Jlittifeiiiifciunirtci ihre Vanfbaljit unter gün-! stigen ׳Auspizien eröffnet habe. 311t Bewusstsein ihrer : Kraft lasse sie das glorreiche Banner h och statt eru. auf .!velchem ntit goldenen Buchstaben als heiliger Talisman; die Worte Baron Joseph Eötvös' geschrieben sind j (Heiterkeit. Ruse: Armer Eötvös! Wenn er das geträumt hätte!), Sorte von christlicher Zivilisation. Die : Antisemiten feien die alleinigen Vertreter der echt christ- : lichen 'Prinzipien: Gleichheit, Freiheit und Brüderlich-! feit! i stürmische Heiterkeit.) Den Frieden unter den blassen und Konfessionen stören die kurzsichtigen Staatsmäuucr, die herzlosen Patrioten, die ruhig mitansehen,! wie das Bolk nach Amerika auSwandcrt, ferner die Juden, die Freimaurer. Auch Minister Tresort stört den konsessionellen Frieden, indem er teflamcutarisch für katholische Zwecke bestimmte Fonds zu gettieiusanten Ztvecken verwendet und vernianipttlirt. (Heiterkeit rechts.) Das nasse Leintuch, in welches der Minister mit seiner Preßbnrgcr Rede, man weiß nicht wen, eiuhülleu wollte, werfen die Antisemiten ans den Minister selbst. (Lebhaste Heiterkeit.) Das Vorgehen deS Ministers in Sachen deS Araber KomitatS sei tmpatriotisch und gicbt ein eklatantes Beispiel von Sozialismus und Kommunismus. ES gehört vor das Strafgericht. (Lebhafte Heiterkeit.) Redner beantragt daher, den Minister Tresort in Atiklagcznstand zu versetzen. (Langanhaltende stürmische Heiterkeit.) Da nur Antisemiten die wirklichen Liberalen siitd, können es nicht Jette sein, die ans der andern Seite deS Hauses sitzen. (Heiterkeit.) Um den LiberalistnnS der RcgierungS Partei ans die Probe zu stellen, proponirt Redner als nettestes Testament die Statuten der ׳netten ״NeligionSpolitischen Gesellschaft", iu welcher Kaiser und Papst geschmäht und die Kommune verherrlicht wird. — Präsid.nt: Ich bitte, -Herr Abgeordneter, das geht denn doch als Spaß nicht an. (Zustimmung rechts.) — Zimandy: Ich bitte, ich sage das sehr ernst. (Lebhafte Heiterkeit.) ----- Präsident: Ich bitte Sic, Herr Abgeordneter, sich zu erinnern, daß Sie sich hier im Saale des obersten BerathnngsforumS Ungarns bcfinden; ich bitte, sich so zu benehmen, wie cS eittem Manne gezicntk, den mau als Abgeordneten in diese Bersamtnlnng gesendet hat. (Lebhafte Zustimmung rechts.) — Zimandy: Ich frage Sic nun, c-b Sie dieses Programm unterschreiben wollen? (Heiterkeit.) Und daS haben die Freimaurer in Ungarn unter-׳ schrieben. — Enterich Ivanla: DaS ist nicht wahr! — Zimandy: Ich habe Dokumente und werde es daratlS beweisen. — Enterich Jvanka: Auch daS ist nicht wahr'. — Zimandy: Wer stört also den Frieden unter den Konfessionen? Wer anders als die Freimaurer, dieser nichtSwnrdigc Verein. — Emcrich Jvanka: ES ist nicht wahr! -- Zimandy erzählt nun, wieso er Antisemit geworden ist. Er zählt eine nuendliche Liste von talmudisehen Werken auf, die er gelesen und studirt habe. Er hat daraus gelernt, daß der Jude mehr dom Rabbiner gehorchen soll, als der Bibel und den Propheten. Redner gicbt sein heiliges Ehrenwort daraus, daß dem so sei. (Rtlfe: ES ist nicht nothwendig!) Rach den Daten des Talmud sei jeder Schächter oder Rabbi unfehlbar. Redner v׳fließt attgeblich Zitate aus rabbinischen Serken und gebraucht dabei einen so unfläthigen Ausdruck, daß von allen Seiten stürmische Rufe: Zur O r d n u 11 g! erschallen und daS ganze Hans in lange anhaltende Bewegung geräth. — Präsident (energisch läutend): Senn der Herr Abgeordnete nochmals einen solchen Ausdruck gebrauchen sollte, so werde ich ihm sofort befehlen, sich niedcrznsetzen. Er möge dem Hanse seinen Respekt bezeigen, das ist feine Pflicht als Ungar. — Zimandy fährt unter großer Unruhe mit seinen Zitaten fort und behauptet, daß die Rabbiner in ihren Werken die Ehristcu nur Esel, Schweine, Wildschweiuc und blutrünstige Geschöpfe neunen. (Stürmische Rufe: Genug! Genug! Anfhörcn! Gehen wir h i n a u S! Biele Abgeordnete verlassen den Saal.) — — Baron AndrcanSzky: Wir!vollen Redefreiheit. — Ivan Simonyi: Hören wir den Redner. Ist das Redefreiheit? — Ignaz Zimandy: Ich habe gelesen und gelernt ans den Büchern der Rabbiner, daß die Rabbiner, die für unfehlbar gehalten werden, behaupten, die Christen seien verdantntte Ketzer, ungläubige, tun wissende Schweineflcischfresser. Ich habe gelesen .... Redner erwähnt!itchrere Bücher, spricht noch weiter von Inden und Freimaurern. — Enterich Jvanka: Man ntnß dein Menschen das Wort entziehen! Man kann keinen Abgeordneten an hören, der hier anwesende Abgeordnete beleidigt. Auch ich bin Freimaurer. — Baron Gabriel AndrcanSzky: Der Präsident muß den Herrn Abgeordneten zur OrdilUng rufen. — Präsident: Erst werde ich Sie zur Ordnung rufen, dann den Herrn Abgeordneten Jvanka. (Stürmische Zustimmung rechts.) — Zimandy fährt fort zu erzählen, was er in alten jüdischen Gebetbüchern gefunden haben tvill. — Präsident: Ich bitte, ich höre mit großer Geduld Ihre Elnknbralionen an. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Nachdem Sie jedoch anS jener Zeit des AlterthnmS, in wclchcr jede Konfession ihre Glaubenslehren mit Fanatismus verbreitete .... — Zimandy: Ich will schon schließen. — Präsident: Nachdetn Sie, wie gesagt, Ihre RaisonnementS auf ans alter Zeit stammende Lehren stützen und hieraus Ihre Waffen zur Ansachtmg von Zwistigkeiten schmieden, während doch jeder gebildete Mensch heutzutage Religionsfreiheit und Duldung verkündet (lebhafte Zustimmung rechts), so ist es meine