Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 41-42 (16.10.1884)
- Article
- Der wahre Festessegen
- Date
- 1884-10-16
- Page
- 650 (sequence 2)
- Language
- German
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650 sch linse durch die Thal;u verwirklichen. Der Fest-! zDÜiio!var nichl spurlos abgelaufcn. Nosch Haschaua, Jom-Kippnr und Snckoth Hutten in die jüdische Brust kräftige Keime gelegt, die im Veden zur Reife und gedeihlichen Eutsattnng zu gelangen berechtigte Hoffnung gewährten. Und die (Gegenwart? Wohl giebt cs gottlob!reite .Preise i!n heutigen Israel, in welchen das hehre Erbttieil unserer großen Vergangenheit unverloren ist, denen diese Festwochen in Wahrheit zu סועדי ד׳ geworden sind und die während derselben den alten Gvllesbnnd in vollster Aufrichtigkeit erneuert und nach klarer Erkenntnis; ihrer Bestimmung crnstlichst gcrungen, um der eiuzigcn Aufgabe ihres Lebens in umsassenderer Weise als bisher gerecht zu weiden. Aber wie viele giebt cs nicht auch, an welchen dieser Festinonal spurlos vornberrauscht, denen nimmer der Gedanke gekommen ist, nun einmal das Judenthum ernst zu nehmen und nicht nur eine andächtige Stunde in der Slmagoge zu verbringen, sondern dem Gesetze ihres Gottes ihre volle Thatkraft zu weihen und ihm Gehorsam;11 zollen in den Tagen des Jahres, für welche der Tischri mit seinen Festen nur als Einleitung und Vorbereitung gelten will? .Und sie wenden mit dem Jom Kippur oder dem Simchath Thora dem Judcnthnme den Rücken und kehren wieder zurück zu dem geivohuten nnjüdischeu Leben, wandelnd in dem Dünkel ihres Herzens, sich selbst die Norm für das Leben erklügeln zu können, wähnend sie sich nunmehr mit der ״Religion" abgefnndcn haben für ein ganzes Jahr. Statt daß diese Feste sie mit Gott zusammengeführt und eine Aera eines Gott wohlgefälligen Wandels in ihre»! Leben eingeleitet hätten, sind sie ihnen zu einer Beschönigung ihres Abfalls und ihrer Untreue geworden. Ihre Tafel ist nach wie vor mit von Gott verbotenen Genüssen besetzt, ihre ErwerbsüMigkeit erleidet keine Unterbrechung durch Sabbath und Feiertag, ihre Ehe bleibt der Weihe des Gottcsgcbots entzogen, ihre Kinder wachsen in Unkenntnis; 'und Mißachtung des Iudeuthums auf, und dennoch betonen sic ihren religiösen Standpunkt und ihre jüdische Ucberzcngung und brüsten sich im Hinblick auf die herrliche Nosch Haschaua׳ und Font Kippur-Tempelscier ihrer frommen jüdischen Gesinnung. Und dennoch ist es eine völlig heidnische Ansehanuug, von welcher sie sich beherrschen lassen. Sic fühlen die Abhängigkeit ihres hinfälligen irdischen Wesens von einer höhern Macht und unterfangen sich, dieselbe durch selbst ersonnene Handlungen sich geneigt zu stimmen. Sie wollen die Gottheit uöthigen, ihnen willfährig zu sein wegen der Zeremonien, die sie ihr zu Ehren begehen, und sic entlehnen theilwcise dieselben dem Judeuthum und ahmen dessen äußere Form in einigen Stücken nach, ohne den Geist zn ahnen, welcher durch den äußeren Ansdruck zur Erkenntniß und Anerkenntniß kommen will. Das jüdische Fest, der Moed, will aber Gottes ewige Nähe in dem wechselnden Laufe der Zeit und der Menschcngeschichte und die von Gott gewiesene Bestimmung des Menschen im Kreise der geschaffenen Wesen dem menschlichen Bewußtsein cinprägen, will die innige Vereinigung des Sterblichen mit seinem Schöpfer und Herrn bewirken, will die Menschen laden, einzugchen in das Heiligthum eines von Gott erfüllten Lebens, in wclchent Ihm allein die Huldigung nicht durch Gesang. Gebet und Opfer, sondern durch die treue Erfüllung seines Gesetzes gezollt wird. Darum steht an der Spitze der 'סועדי ד der Sabbath, den Gott als Schöpfer und Eigner der Welt, als Herr und König der Menschheit verkündet, und dem Menschen in seine Stellung als Diener seines Königs ein meist. An jedem siebten Tage legt der Jude die Welt Gott zn Füßen und entsagt jedem Wahn, der Gottes freie allmächtige Wallung in Natur und Geschichte, des Menschen hohen Beruf ans Erden und die Offenbarung des göttlichen Willens am Sinai leugnet. In der Heiligung des Sabbath wurzelt die Existenz des Juden, er ist mit dem Sabbath unauflöslich verknüpft; und nur dem der Sabbathbraut treuen Juden werden die Feste in Wahrheit 'סועדי ד, Zeiten, in welchen er seine Vereinigung mit Gott stets aufs Nene zu immer innigerer Verwirklichung feiert. Wer aber nach der Nosch-Haschaua- und Jom Kippur- Feier die Sabbathe des Jahres entheiligt, wer glaubt den ersten Moed, welcher uns in jeder Woche ״zum Heiligsten ruft," durch Nichtwcrkeinstelluug entweihen und dennoch den Jom Kippur begehen können, dessen Jom Kippur-Feier und Fasten ist eher eine GottcShöhnung denn eine GottcShuldigung, denn er maßt sich an, das Gesetz Gottes zu meistern und seinen Willen an Stelle des Gottcswillcus zu heiligen, er spricht damit aus: ich lehne mich freventlich gegen Gott auf, indem ich sein Gebot verletze, heische aber dennoch seine Verzeihung und seinen Segen. Den Andern aber geleitet der Jom Kippur zum Sabbath, und der Sabbath hebt ihn über den Kreis des Irdischen empor zum Ewigen; au jedem Sabbath feiert er seine Vermählung mit dem Göttlichen, und durch die Weihe des ersten Moed werden ihm alle Moadim סועדי ד. Alle Tage der Woche sind ihm durchdrungen von dem Glanze des Sabbath und getragen von dem Geiste des Sabbath, sein ganzes Dasein vollzieht sich vor dem Angesichte Gottes im Dienste Gottes. Der Fcstmonat neigt seinem Ende zu, das alltägliche Leben harrt unser; möge der Sabbath in seiner Herrlichkeit und Erhabenheit allen Hütten und Palästen Israels die Weihe und Erhebung, den Segen