Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1884)
- Article
- Zur Geschichte der portugiesischen Synagoge in Amsterdam
- Date
- 1884-10-02
- Page
- 637 (sequence 2)
- Language
- German
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637 Verdienste mit die junge (Gemeinde: Jakob (Israel) Belmontc, der bas erste Minj an zusammenbrachte, nnd Don Santucl Palache, der Gesandte des Kaisers von Marokko in Holland, welcher seine Wohnung bercitwilligst dazu zur Verfügung stellte. Ungehindert, aber in aller Stille, konnten sie nun als Juden leben, denn der öffentliche Gottesdienst war ihnen vorerst noch verboten, bis das Jahr 5357 (15%) darin eine Acndcrnng brachte. Wie cs scheint, hatten sich am Jom Hakippur dieses Jahres die Betenden zum ersten Male;um gemeinschaftlichen Gottesdicnste vereinigt; es verbreitete sich das Gerücht, daß sic geheime Katholiken seien und als solche religiöse Zusammenkünfte hielten, sie wurden überfallen, anseinander getrieben, und Moses Uri Levi, sowie sein Sohn Aron gefangen gesetzt. Bei der vorgenommenen Untersuchung sah der Magistrat jedoch seinen Jrrthnm ein, er gab den beiden Levi's die Freiheit und zugleich Jakob Tirado, der sich bei der Untersuchung sehr ansgezeichnet hatte — er hatte die Verthcidignng in lateinischer Sprache geführt — die Erlaubnis, ein Gotteshaus zu bauen; nur wurde die Bedingung daran geknüpft, daß sic bei ihren gottesdienstlichen Ansammenkünften stets auch für das Wohl der Stadt nnd der Behörde beten sollten. Bon jener Zeit stammt das Hanoten-Gebet, welches für den König, das fürstliche Haus nnd die städtische Behörde stets v o r dem Verlesen der Thora nnd am Jom Hakippur in der Synagoge gesprochen wird. Die Gemeinde, wenn wir sic schon als solche bezeichnen dürfen, bestand jetzt ans 10 Mitgliedern; man ging nun mit Eifer ams Werk, ein Hans auf der Hontgracht wurde angetanst nnd für seine heilige Bestimmung eingerichtet. Am 1597) 5356 ר׳ השנה) wurde diese erste Synagoge unter dem Namen ביה "<^ב eingeweiht. Als die ersten Obcrrabbmcr fnngirtcn an ihr: Joseph Pardo, Moses den Aroho, Saul Lcvi Morteira, als Prediger: Moses Uri Lcvi. — Aron Sarfati war das erste Kind, an welchem (!607) am achten Tage nach seiner Geburt hier unter öffentlichen Feierlichkeiten die Vcschncidnng vollzogen wurde. Wenn wir oben von einer Synagoge gesprochen haben, so darf man dabei, ebenso wenig wie bei den zwei folgenden, an das denken, was nur unter diesem Worte verstehen: ein Gebäude, dessen Aenßeres bereits seine Bestimmung verkündet. Soweit hatte sich die Erlanbniß des Magistrats nicht erstreckt. Es ivürc auch in jener religiös-aufgeregten Zeit, die cs selbst manchen christlichen Genossenschaften nicht gestattete, zu sehr geeignet gewesen, öffentliches Aergerniß zu erregen und hätte leicht der jungen Gemeinde Gefahr bringen können. ES waren dies vielmehr Privathäuscr, die im Innern zur Abhaltung des gemcinschastlichcn Gebets eingerichtet waren. Durch andauernden Zuzug ans Spanien und Portugal hatte die Zahl der Inden sich jedoch vergrößert, die Synagoge war zu klein geworden, nnd das Bedürfniß nach einer zweiten trat hervor. Im Jahre 5368 (1 <>OR) wurde eine solche eingerichtet; sie erhielt den Namen נוה שלוב, um damit den Wunsch anszndrücken, daß stets Friede zivijchen den beiden Gcmcinden herrschen möge. An ihr fnngirtcn als erste Obcrrabbiner: Inda Bega, Isaak Uzicl, Menassch den Israel. Zehn Jahre hatte diese Geineindc bestanden, als durch verschiedene Umstände Zwistigkeiten in ihr ententstanden, es bildeten sich Parteien, und mit David van Bento (Baruch) Osorio an der Spitze traten Biele ans dieser Synagoge aus und gründeten 5378 (1018) eine neue unter dem Namen בית ישראל; .an ihr waren die ersten Dberrab bitter: David Pardo, Samuel Tardiola, Isaak Aboab de Fonseca. Einträchtig lebten nun diese drei Abtheilungcn der Scphardischen Inden nebeneinander, — eilte Differenz im Jahre 1619 war durch Jakob Euriel, den Ne״ sidentcn des Königs von Portugal in Hamburg, rasch geschlichtet —, der Zuzug von Glaubensgenossen aus allen Ländern wurde immer stärker, und die Befurchtimg war nicht unbegründet, daß durch das Errichten weiterer Synagogen die Kräfte der Gemeinde zu sehr zersplittert werden würden. Man begann eine Ber ciingung der drei Synagogen in Erwägung zu zichcn, nnd 5399 (1639) kam dieselbe zu Stande. — Be״ sondere Verdienste erwarb sich hierbei Ehachain Pardo. — Es wurden von jeder der drei Gemeinden zwei Delegirte ernannt, am 27. Elnl 5396 (1638) kanten diese zusammen und beschlossen : 1) daß die Synagoge Beth-Jisrac! ilmgebant, vergrößert und nnler dem Namen תלסוד תורה von der vereinigten Gemeinde benutzt werden solle, 2) daß eine Deputation von drei Männern die städtische Behörde tun ihre Gcnchmignttg dieser Bereinigung ersuchen solle. Ant 22. Ehcschwan 5399 wurden die Statuten der Bereinigung, bestehend aus 42 Artikeln, entworfen und ant Sabbath, den 6. Kislcw, iit der Synagoge verlesen; sic wurden bis auf einen Artikel, der abgeändert wurde, angenommen. Zu Dbcrrabincrn wnrden ernannt: 1) Sank Lcvi Morteira; seine Aufgabe war der höhere Unterricht in Gemarah mit Tossafoth, außerdem hatte er monatlich drei Predigten zu halten; er erhielt jährlich 600 fl. — und 100 Körbe Torf. 2) David Pardo; ihm war die Verwaltung des