Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1884)
- Article
- Israel und die Myrthe
- Date
- 1884-10-02
- Page
- 636 (sequence 4)
- Language
- German
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636 Haltet Euch zusammen, Ihr Blätter, decket Euch und j euren Stamm, hüllet Euch und ihn in die alte Tugend,! die schützet und schirmt, wie Nichts mehr auf der! Welt, folget hierbei weiser, alter Regel, lasset Euch, j wenn welk an euch Etwas geworden, wieder erfrischen! und von neuem Säst durchziehen und bleibet, bleibet überall und immer unter harten Dornen und krummen Disteln, weiche, gerade Blätter, dicht geschlossen und geflochten um die duftige, würzige Myrthc, — bis nicht mehr allein als Myrthc ihr dastcht, bis sich das Krumme in Grades, das Harte in Weiches, das Geruchlose in Duftiges verwandelt und cs Gott zum Namen und ewigen Zeichen wird, wie der Prophet cs kündet-. ״Anstatt der krummen Distel streckt sich gerade empor die Tanne, und statt des harten Domes wächst auf die weiche Myrthc und cs wird Gott sein zum Nanien und Zeichen, nie vcrlöschbar." הה ה ה2 עצוין יעלה -י* הדס והיה לד׳ לשם לאות עולם לא ינדה! 1!3 ־r GeslWtk der MtugiWM Sijnaptje in Ainllerdain. ״Torqnemada hatte gesprochen" — so beginnt die gediegene Arbeit,^) der ich meine Notizen entnehme. — ״und damit war alle Hoffnung gcschwnnden, daß das ״Katholische Fürstcnpaar" das bcrüchtigte Berbannungsdekrct vom :ZI. Mär; 1492 zurücknehme. Drei Monate später kam cS zur Ausführung, und Tausende und aber Tausende, die auch nicht zum Schein das Kreuz umarmen wollten, mußten den Boden verlassen, den sie Jahrhunderte lang bewohnt und lieb gewonnen hatten, der ihnen theuer war als Ruheplatz der Asche ihrer Väter. Sie ergriffen den Wandcrstab und zogen fort in die Berbcrei, in die Levante, nach Portugal und Italien, Einzelne nach Frankreich oder Deutschland und fanden dort mehr, hier weniger günstige Aufnahme. In Portugal, wohin sich die Reichsten und Angesehensten gewandt hatten, fanden sic im Anfänge unter dem Könige Johann II. die ersehnte Ruhe, unter seinem Nachfolger Dom Manuel änderten sich jedoch wieder die Verhältnisse. Der spanische Einfluß wußte sich auch hier geltend zu machen und erreichte seine Höhe, als Dom Manuel sich mit der Tochter Ferdinands und Isabclla'S verlobte. Das verhängt!ißvolle Jahr 1497 brach an, und die Unglücklichen hatten wiederum die Wahl *) 1 *»7r> — 1S75. I >e Synagoge der Portugeeseh-!־־raelitiM-he Gemeente to Am.sterdam eie. door H. H. de Castro Mz. Erschien als Festschrift zur Feier des 200 jäheigen BcslchcnS der portugiesischen Synagoge.) zwischen der Zwangstanfe und der Verbannung. Und diese Verfolgung war noch grausamer, als die von 1492, denn als nun die Schaarcn auf Befehl der Regierung sich in dem Hafen von Lissabon zur Abreise bereit machten, wurde ihnen plötzlich die Einschiffung verboten und die Taufe mit Gewalt an ihnen vollzogen. Denn auch ihr Zustand als Schein-Christen sich jetzt erträglicher gestaltete, da sic unter Begünstignna der Regierung angesehene Stellen und Ehrenümtcr erhielten, die Inquisition, die 1036 auch in Portugal ihren Einzug hielt und cs mehr auf die Maranucn als auf die eigentlichen Juden abgesehen hatte, brachte ihnen wieder neues Unheil, und gleich ihren in Spanien zurückgebliebenen Brüdern blickten sie sehnsüchtig nach Rettung aus. Doch noch Jahre mußten vergehen, ehe sic den Boden betreten sollten, der ihnen Gastfreundschaft gewährte, wo ihnen die Sonne der Religionsfreiheit strahlen sollte." Das denkwürdige Jahr 1579 hatte durch die Utrecht er Union den vereinigten Provinzen die Glaubensfreiheit gebracht. Holland hatte sich von Philipp II. losgcsagt, und die wunderbare Zerstreuung der gefürchteten Armada — affinvit Deus et äissipati sunt — hatte dem spanischen DcspotiSmus den Todesstoß versetzt Man kam! sich denken, welches Echo diese Nachrichten in den Herzen der Neuchristen der iberischen Halbinsel fanden, mit welcher Sehnsucht diese Unglücklichen nach jenem Lande anSblickten, welches ihnen ein sicherer Zufluchtsort werden konnte, wo sie den ihnen aufgedrungcnen Glauben von sich würden werfen können; besonders Amsterdam zog ihre Aufmerksamkeit auf sich, und im Jahre 1590 setzten die ersten von ihnen den Fuß aiftf Land. Es waren dies: Manuel Lopez Pcrcyra, dessen Schwester Maria Nnncz und ihr Oheim Miguel Lopez. Ihre Reise war keine glückliche gewesen; sie waren Seeräubern in die Hände gefallen, die sie nach London brachten, und als sic nach mancherlei Abenteuern endlich ihre Reise nach dem Laude ihrer Sehnsucht fortsetzten, hatte ein Sturm sic an die ostfricsische Küste verschlagen. — 1598 folgten aus Portugal Mayor Rodriguez, die Mutter der beiden Erstgenannten, mit ihrem Sohne Antonio Lopez Pcrcyra und ihrer Tochter Iusta Pcrcyra, sowie einige Glieder der Familie Mendes Franco. Während ihres Aufenthaltes in Ostsriesland waren sie mit dem Enrdcncr Rabbiner Moses Uri Lcvi bekannt geworden, der ihre Reise nach Amsterdam kräftigst unterstützte; von ihm wurden sie in den Abrahams- Bund ausgenommen und unterrichtet, und mit vollem Rechte kann dieser Mann zu den Gründern der Sephardischen Gemeinde in Amsterdam gezählt werden. Außer ihm erwarben sich noch zwei Männer große