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Jeschurun · 1884-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1884) · p. 630

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1884)
Article
Uneigennützige Pflichterfüllung als Hauptforderung der Gotteslehre
Date
1884-10-02
Page
630 (sequence 2)
Language
German
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630 mit nnzwcidcutigcr Klarheit verkündet worden. Was die Weisen Israels äußern, das hat seine Quelle in der Thora und weicht nicht einen Schritt von dem dort Bestimmten ad. Freilich preist die Gottcslchrc eine solche Gesinnung nicht mit vielen Worten, so daß der Stolz und die Sclbstdcspiegelung die Reinheit der Gesinnung gefährden könnte. Wenn der Ewige den Vohn als eine Folge des Guten dennoch verkündet, so spricht er eben die Thatsachen aus, die in der göttlichen Wcltordnnng liegen. In den Gestalten Abrahams und MosiS tritt uns die reinste Uncigcnnützigkcit als etwas Selbstverständliches entgegen, als nothwcndige Voraussctzung ihrer Lcbcusthätigkcit. Auch in den gesetzlichen Thcilcn, welche von Lohn und Strafe nothwcndig handeln müssen, — hier ist aber die Grundlage des Ganzen, der Bund, schon geschlossen, — fehlt nicht leicht der Hinweis, daß die Voraussetzungen der Gesetzestreue nicht außerhalb des Herzens liegen. Gerade in dem ans die תוכחה folgenden und sie noch zum Theil enthaltenden Abschnitte וכייכ»" heißt cS: כ' המצות הזאת בו׳ לא נפלאת בו׳ ולא רחוקה היא לא בשמים היא לאמר בו׳ ולא מעבר לים היא לאמר כוי כי קרוב ״ אליך הדבר מאד בפיך ובלבבך לעשותוDies Gebot ist Dir nicht fremd, noch fern, nicht zum Himmel brauchst Du emporzusteigen, nicht das Meer zu überschreiten, um cS in den Weiten der Welt für Dich zu erobern. Vielmehr ist Dir das Wort sehr nahe, daß Du cs mit Herz und Mund ausführest." Wer vcrkennt hier die Auffassung, daß im Innern des Menschen die Stützen des Gesetzes zu suchen sind, wogegen die l Freuden und Lockungen der Außenwelt dasselbe himmelweit von uns entfernen, und Derjenige, welcher auf die irdischen Borthcilc seine Gcsetzcstrcuc gründet, dem eigentlichen Zwecke der Thora sehr fernsteht? Verkünden tvir der lästernden Mitwelt freudig diesen Geist des als äußerlich verkannten GottcSgcsctzes, entfernen wir ans unserem eigenen Innern die Genußsucht, welche sich als Scheidewand zwischen uns und den Thoragcist stellt, und cs wird immer ersichtlicher und klarer werden, daß nicht Aufklärung und Geistescrlcuchtung, sondern die Schwäche unserer Zeit und ihre Bequemlichkeit den Kampf mit der Thora führen. (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte der Men in IMtcitiiurg. -Ilntcr Benutzung des Donath'schcn Werkes.) (Fortsetzung.) Unter seinem Sohne Albrccht, der die thcilweise Tolerirung von Juden in der mit ihm auf gespanntem Fuße stehenden Stadt Wismar durchsetzte (siehe die Inden in Wismar), werden gewiß die Bürger seiner ״geliebten Stadt" Rostock, schon ihm zu Liebe, Juden geduldet haben. In der That ist in einer Aufzeichnung eines Libnr proscriptoriim (Blich der Gerichteten) vom Jahre 1 337 von dem Hanse des Inden Salomon die Rede, vor welchem eine Mordthat geschehen. ES ist derselbe Salomon, dessen Sohn (wie schon oben mitgctheilt) von seinem Wismarer Glaubensgenossen Danitze eine so derbe Lektion an Arm und Bein erhielt, worüber Herzog Albrccht sich so sehr erboste, und bei welcher Gelegenheit die Roslocker Bürgermeister versöhnend eintratcn. Seine Zeitgenossen in Rostock waren die reichen Bankiers Jacob und dessen Bruder Mossckin, Söhne der früher in Wismar wohnhaften Salonton. Wir haben bereits oben gesehen, daß diese und Salomon aus unbekannten Gründen sich bewogen fanden, Rostock zu verlassen und sich in Wismar niedcrzulaffen, und auch ans Perruittcluug des Herzogs Albrccht hin (134l) von der Stadt eine Konzession für einen 12 jährigen Aufenthalt erhielten. Wir finden indessen Jacob und Mossekin l 346 in Rostock wieder. Bon hier aus ist bis zum Jahre l 350 eine Anzahl von Schuldscheinen datirt, welche der in seinen VcrmögcnSumständen zerrüttete Adel an dieselben ansstcllte (wie auch oben schon erwähnt). Aus diesen geht auch hervor, daß ein Schwager von ihnen, ein gewisser Isaak, damals in Wismar wohnte. Mit dein Jahre 1350 verschwindet auch die letzte Spur dieser Juden ans Rostock; denn, wie in der Geschichte der Juden zu Wismar bereits umständlich erzählt, nahm auch Rostock den thätigstcn Antheil an den ans den famosen Konferenzen der Schwesterhansestädtc Lübeck, WiSmar und Stralsund resnltircndcn Judenverfolgungen wegen des gräulichen Wahnes der Vrunncnvcrgiftnng durch dieselben. Es geht dies nicht allein ans dem (bereits oben ausführlicher erzählten) vom Lübecker Nath ergangenen Sendschreiben an den Herzog von Brannschwcig-Lünebürg hervor, sondern wird durch ein spezielles Zirkular bestätigt, - welches der Roslocker Nath in dieser Augelegcnhcit in Umlauf setzte. Er legt in diesem einen von der einst reichen und mächtigen Hansestadt Wisby, ans der schwedischen Insel Gothland, an ihn gerichteten Brief vor. In diesem weiß der Nath von WiSbh, fußend ans Aussagen eines Delinquenten, die schauerlichstcn Sachen zu erzählen über die, außer schlechten Christen und verkappten Geistlichen, auch den Juden in die Schuhe geschobene Bnmnenvergiftung. Der Rostocker Nath, darauf Bezug nehntcnd, empsiehlt dies zur Nachachtung und warnt zu größter Vorsicht. ES unterliegt also keinem Zweifel, daß Rostock,

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