Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1884)
- Article
- Uneigennützige Pflichterfüllung als Hauptforderung der Gotteslehre
- Date
- 1884-10-02
- Page
- 629 (sequence 1)
- Language
- German
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llitrigfiuiiiijifjf Wchlkrsiilliülg als Kanjitfardkinilg -er GEkslthre. Bon Ludwig A. Noscnlhal, Prcdrgcr zu 5l'ö1f)cn. ',Schlug.} IV. Festigkeit der echte» Bekenner dieser Satzungen. Auch dic selbstmörderische ZerftörungSsucht überbitbctcr Zeitalter findet in dein auf Uncigcniultzigkcit sich gründenden Gesetze ihr Gegengewicht. Wird der Lohn atS nothwMdigc Gegenleistung der Gottheit, als Ziel der guten Thal hingcstellt, so kann dies doch nur in der Voraussetzung geschehen, daß der Mensch die Welt und ihre Freuden liebe, daß die ihm gebotenen Bortheilc ihm lieb seien. Wie aber, wenn Jemand dem Lohne entsagen wollte, um die vorhergehenden Leistungen nicht schuldig zu sein? Wie aber, wenn er in wcllvcrzwcifclndcm Schmerze das Dasein für eine Last zu halten beginnt, nicht für ein wünschcnSwerthcS Gut? Wird er das ihm verheißene Glück auch nur zu würdigen wissen oder wird er stumpf sein gegen alles Derartige? Wie kann das Gesetz sich bei ihnl Eingang verschaffen, wenn sein sclbstgenügsarner oder fein wcltvcrzwcifclndcr Sinn die Vergeltung, das angeblichc Ziel jeder gesetzmäßigen That, für eitel hält? Wie das Indent!) um sich dieser Frage gegenüber verhält, das zeigen folgende Bemerkungen unserer Weisen, die wir in Raschi's Fassung am Schlüsse des ZizitabschuitteS finden. Nachdem vorher die Israeliten gemahnt worden sind, die Augen und das Herz ja nicht zu Führern ihres Willens zu machen הלב והעינים הם סרגלים לגרף בר׳, indem diese nur Kundschafter für den Körper sind und demselben den Weg zur Sünde zeigen — nachdem also den sinnlichen Begierden, den stürmenden Lcidcuschaftcu die unbedingte Berechtigung entzogen ist, die sic im Hcidcnthumc hatten, schließt diese Parascha אני ה, אלק׳ אשר הוצאתי אהבם סארץ ״ מצרים להיות לכם לאלקיםEure Neigungen haben deshalb keine allhcrrschmdc Berechtigung, weil Ihr durch die Befreiung aus Egypten meine Geschöpfe geworden seid, weit Euer Selbst mir völlig gehört, und ich habe Euch aus Mizraim geführt, um Euch ganz ein Gott zu sein, um den Zweck Eures Daseins äuSzu- Utachcn." אני ה׳ נאמן לשלם שבר .,Ich bin Haschen!," sagt unsere Erklärung, ״meine Zusage verdient Vertrauen, daß ich zu lohnen weiß"; אלץ נאמן ליפרע ״ich bin Euer ,Elokinr, ich vermag zu strafen." 3m Gegensätze zu allcdcni, und um nicht mißverstanden zu werden, sügt der Ewige hinzu: אשיר הוצאת' אתבם ״der ich Euch aus Egypten geführt habe, um Euch ein Gott zu sein,על מנת בן פדיחי אתבם שתובלו ״ ״ עליכם גזרוהיich habe Euch in der Absicht befreit, daß Ihr meine Satzungen auf Euch nehmt," daß Ihr nicht mit dem eigensüchtigen Anspruch auf Lohn an mich heranLrctcn könnt. ״ אני ה׳ אלקיבםIch bin ,Haschen!׳, Euer Gott," wiederholt der Ewige zum Schlüsse; und unser Erklärer führt zur Deutung dieser Redeweise an: שלא יאמרו ישראל מפני מה אמר המקום ״ לא שנעשה ונימול שברIsrael könnte einmal zu der vcrhängnißvollcn Auffassung gelangen, daß der Ewige die Gesetze gegeben, um uns ihre Wahrung vergelten zu können,״ אנו לא עושין ולא גומלין שבר ״so wollen wir sie nicht üben und dem Lohne lieber entsagen"; ״ על ברהבם אנו מלבכםwider Euren Willen bleibe ich Euer König," Rücksichten des Lohnes und der Strafe haben uns nicht zusammengeführt und können uns auch nicht trennen. Der dem Leben und der Welt entsagende Israelit ist vor seinen! sittlichen Bewußtsein dauernd verpflichtet, mir die hohe Schuld der Vergangcnhcit weiter zu entrichten, diese Wicht muß ihn zu neuer Thatkraft, muß ihn zn innerer Gesundheit bringen, stellt täglich neue, belebende Ziele vor sein Auge; und wenn er mit sich selbst im Frieden leben, wenn er vor sich selbst nicht als Undankbarer erscheinen will, so muß das von Gott Gebotene die dauernde Grundlage seines ThnnS bleiben. Schon dic Deutung der בי רבי יעקב am Ende von Ehullin hätte dem Abtrünnigen Licht verschafft über das Berhältniß der Vergeltung zur guten That; noch mehr aber das Wort dieses großen Lehrers im vierten Abschnitte von "מם אבות, wo, indem diese Welt als bloße Vorhalle zur künftigen, alle Freuden dieser Welt als nichtig gegen eine Stunde der Bescligung in der anderen Welt dargcstcllt werden, dem Zweifler gegenüber daS strenge Wort ertönt, eine Stunde der inneren Läuterung und der guten Werke hier müsse nnS mehr sein, als die gesammten Freuden dort. Hat R. Jakob damit den Werth der zukünftigen Welt hcrabgenündcrt? Hat er etwas Anderes gcthau. als die תשו, ומעי׳מ uns als Selbstzweck, als reines GotteSopfcr ohne irgendwelche Nebcnzicle hinzustellcn? Die menschliche That wird nur dadurch das, was sie wirklich sein sott, und der göttliche Lohn muß von dem uneigennützigen Frommen um so mächtiger empfunden werden. Elischa Ben Abuja hätte in den Worten seines Enkels Rabbi Jakob Alles gesunden, was ihm in seinem unruhigen Forschertriebe verschlossen bleiben mußte. Y. Die Thora und der Weltschmerz. Was ein Kant als höchste Forderung des Sittengcsctzcs hmstelltc, die LoSlösung desselben von allen Neigungen deö Menschen, von allen Einflüssen der Außenwelt, das liegt schon in der Begründung der Thora, das ist zu allen Zeiten von den Lehrern Israels