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Jeschurun · 1884-09-11 · Heft 37 (11.9.1884) · p. 582

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 37 (11.9.1884)
Article
Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg
Date
1884-09-11
Page
582 (sequence 2)
Language
German
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582 Dieser Isaak wird auch 1347 genannt, wo fünf : (Sbcllcnlc an ihn, Jakob und Mossekin in Rostock, einen! Schuldschein über 13'.( Mark Lübischc Pfennige anssicllcn.! Wohl aber ist cs ein anderer Isaak, der 1344 j anS WiSmar verbannt wird, weil er, -er Bestimmung -;!müder, nach welcher dem Juden der Handel nur offen j und am Tage gestaltet war, am Abcuv vier Tonnen j Häringe gekauft und mit denselben;icmlich in der > Frühe zurückgckommcn war.! Wir kommen jetzt zu einem Zeitabschnitte der! (beschichte, der des Grausen und Entsetzlichen so viel bietet, daß jeder Ausdruck dafür fehlt. Es ist dies die an der Grcnzschcide der beiden Hälften des vierzehnten Jahrhunderts unter dem schwarzen Tod bckannte wüthendc Pest, die damals, ws ne ohne Er׳- barmen cinherschritt, das grenzenloseste Elend im Gcfolge hatte. DaS Allcrcntsctzlichstc dabei ist der damals überall herrschende finstere Wahn von der Vergiftung der Brunnen durch Inder!, die diese Pest hcrbcigesührr j ober vergrößert haben, dieser ungeheuerliche Wahn, der j noch wegen der von den Juden zu erhoffenden reichen - Beute von Bielen bei den Unwissenden genährt wurde,! trotz der apologetischen Bullen des Papstes Clemens VI. Der schwarze Tod kam auch nach Mecklenburg, und in WiSmar erlagen demselben binnen einem Monate 23(10 Seelen bei einer Bevölkerung von fast 13 000 j Seelen. Waren nun noch im Jahre 1340 die letzten! Ansiedelungen von Juden dort geschehen, so war bei! dem erwähnten allgemeinen grausigen Wahn gar nicht z mehr daran zu denken, neue Juden aufzuuehmeu, da j 1min damit umging, die ansässigen zu vertreiben. Wie , die Schwesterhanscstädte Lübeck, Rostock und Stralsund, so arbeitete auch Wismar daran, die armen unschuldigen Juden zu berauben und zu vertreiben. Aus einem Sendschreiben des Nathes zu Lübeck au den Herzog von Brauuschwcig-Lüneburg erhellt, wie sie damals vereint über diese Sache Raths pflogen. In diesem Sendschreiben berichtet der Lübecker Rath über die ״durch j dic grausamen und verräthcrischcu Juden bewerkstelligte j Ehristenvcrgistung." Er sucht dies durch Beweise -- i natürlich nach dem bekannten mittelalterlichen Zuschnitt — j zu erhärten und beruft sich unter Anderem auf eine i Konferenz der Bürgermeister von Wismar, Rostock und > Stralsund, in welcher diese wegen des Attentats der z Inden aus die Christenheit bcricthen, da zwei Dcliu-! gucutcn, nach angewandter Tortur, offen gcj standen, sie wären von gewissen Juden bestochen worden, j die Christen zu vergiften. Der Lübecker Rath fordert! daher den genannten Herzog ans. aus Liebe zu! Gott und zur Gerechtigkeit die Inden in seinen Landen auszurotten.*) *) Urkundenbuch der Stadl Lübeck, UL, Leite 10i. Die thatsächlichc Vertreibung der Juden aus Wismar (1:350) wird durch die nachstehenden ״Bürgersprachen" (dviluquia) bestätigt. Die eine batirt vom 4. März 1350 und lautet: ..Item, keiner unserer Bürger darf in irgend welcher Weise einen Juden be- Herbergen. Der Ucbcrtrcter hat eine Strafe von 10 Mark Silber zu zahlen." Ferner vom 4. Jul^ desselben Jahres: ״Jeder Jude, der in oder bei der Stadt ohne Erlaubnis betroffen wird, soll verhaftet werden." Da nichts darüber berichtet wird, so wird wohl diese Vertreibung ohne Blutvergießen abgcgangcn sein. Uebcr 300 Jahre hielt WiSmar seine Thorc den Juden verschlossen. Als die lichteren Zeiten der Aufklärung folgten, wo selbst solche Städte, die im finstern Mittelalter bei ihrem Wahne der Ausschließung verharrten, von selbst ihr Vornrtheil gegen die Juden anfgebcnd, sic gern aufnchmcn, ist Wismar und auch Rostock (siche weiter) bis in die neueste Zeit herein bei ihren ״Privilegien" keine Inden aufnchmcn zu brauchen, geblieben, bis das Frcizügigkcitsgcsctz des deutschen Reiches endlich sein ״Veto' eingelegt und auch dieses Vornrtheil wcggcfegt hat. . (Fortsetzung folgt.) Mtrslhini. Dokumente -er national - jüdischen christlglänbigen Bewegung in Südruftland. Im Original und deutscher Ucbcrsetzting mitgctheilt von Franz Delitzsch. Erlangen. Deichen. 1884. Wenn diese den Schriften des Institutum .In- (laicuin in Leipzig zuzuzählenden ״Dokumente" nicht den berühmten Rainen ihres Herausgebers und Uebcrsctzcrs an dcr Stirn trügen, so würden sie wahrlich nicht irgend eine öffentliche Besprechung verdienen. Wir würden solche als die Kundgebungen eines nicht ganz zurechnungsfähigen Schwärmers oder eines im Dienste der Jndcnmission wider bessere Erkenntnis; schreibenden jüdischen Micthlings halten und mit einem mitleidigen oder verächtlichen Achselzucken, abthnn könne». Wir sind deshalb auch zu der Annahme eines JrrthumS bei dem gelehrten Herrn Uebersctzer und Herausgeber geneigt, welcher in den konfusen und läppischen Enunziationen eines Thoren oder Betrügers ״bedeutsame Dokumente" und ״einen thatsächlichcn Beweis״ dafür zu erblicken glaubt, daß die urkirchliche Reibung des Jndenchristenthnms und HeidenchristcnthumS sich noch einmal wiederholen kann, vielleicht nicht ohne heilsam wirkende Lichtsunkcn zu entbinden. Es sind diese Dokumente nämlich nichts anderes als Schriftstücke eines gewissen Joseph Rabinowitz, dcr in dem Stifter

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