Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1884)
- Article
- Berachot ha-tora
- Date
- 1884-09-11
- Page
- 578 (sequence 2)
- Language
- German
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578 doch ist cs eine ewige Wahrheit: בי המצות הזאת ונו׳ ״daß dieses Gesetz, daß ich dir heute gebiete, deinem Berständniß nicht;1! hoch und nicht in der Ferne ist, -- nicht im Himmel, daß du sprechen könntest: wer stiege für und zum Himmel und holte cs uns, und gäbe eS uns zu verstehen, daß wir eS vollbrachten; — unb eS ist nicht jcnseit des Meeres, daß du sprechen tonntest: wer ginge für und stuseit dcS MecrcS hin und holte es uns und gäbe eS uns zu verstehen, daß wir es vollbrächten; sondern nahe ist dir das Wort ungemein, mit deinem Munde und mit deinem Herzen cs zu vollbringen." ^Deuteron. 30.11—14.) Wenn also das Berständniß des Iudcnthums nicht die Enthüllnng transscendcntaler. das Gebiet menschlichen Fassungsvermögens weit übersteigender Mysterien zur noth'.vendigcn Voraussetzung hat, wenn seine Erfüllung unabhängig ist von zeitlichen und räumlichen Borbcdingungen, vielmehr für jede Zeit und jeden Raum seine ewige Verbindlichkeit ausgesprochen ist, und cS in die Sphäre eines Jeden mit seinen Anforderungen in jedem Augenblicke tritt — dann dürfte die Frage wohl berechtigt sein, woher denn jene nicht genug zu beklagende Unkenntniß, woher jener traurige Mangel an Berständniß? Im Midrasch Rabba zur Stelle wird die Frage crörtet: אדם מישראל שעומר לקרות בתורה ביצה מברך und die Verpflichtung zur ברבה לפניה ולאהריה nachgewiesen. Es wird also die Erkenutniß des dem menschlichen Berständniß keineswegs entrückten GottesgesetzeS an die ברבת התורה geknüpft Durch eine jede ברבה, die wir sprechen, führen wir uns zum Bewußtsein, daß wir mit nnscrm ganzen Sein im Dienste Gottes stehen und drücken das Gelöbniß aus, uns diesem Dienste ganz und rückhaltslos zu weihen. Die Kluft zwischen Himmel. und Erde, der Zwiespalt unseres Wesens wird durch die ברבה überbrückt und aufgelöst. Wir begreifen, daß der Gottesdienst, den wir im Tempel und durch daS Gebet vollführcn, nur die Vorbereitung ist für den wahrhaftigen eigentlichen Dienst GottcS durch die That; nicht zerfällt unser Leben in die Minuten der Andacht und Rührung und den Stunden der Arbeit und des Genusses, vielmehr entfaltet sich dasselbe in harmonischer Vollendung unseres ganzen hicnicdigeu Daseins zu einem einzigen Gottesdienste, in welchem unser Genießen und Streben nur die Besiegelung der Gedanken zum Ausdruck bringt, welche im GotteShanse, im Gebete uns vergegenwärtigt wurden. Durch die über die תורת zu sprechende ברבת wird uns demgemäß thatsächlich das GotteSgcsetz ״ungemein nahe gcbracht, es zu vollbringen mit Mund und Herz." Wir nähern uns dem Gottesgcsctze mit der ברבה in der Erkcnntuiß, daß dasselbe uns von Gott zur Erfüllung offenbart worden ist, daß wir cö erlernen sollen für diese Erfüllung, daß wir in seinen Geist einzudringen haben, um von ihm unser ganzes Wesen dnrchdringcn zu lassen, daß cs nicht im heiligen Schreine in prächtiger Umhüllung ruhen wolle, um zur Erhöhung unserer Andacht in feierlichcnt Gepränge uns gezeigt und derlesen werde, sondern den Anspruch erhebt, in uns selbst eine Stätte und durch unS die Verwirklichung im Leben durch unser Thun und Lassen zu finden. Nur in diesem mit der ברבה bekannten Entschlüsse sollen wir uns der תורת nähern und sic lernen. מנין שמעתה ברבה לפגיה שנתיב ברוך אתה ה׳ ואה״ב׳ למדני הקיך תחלים קי״ט י" ב. Das Gelöbniß durch die Erkenutniß des GotteSworts für die Erfüllung des GottcSwilleus gerüstet und befähigt werden und für dieses Vollbringen sein ganzes Wesen cinsetzcn zu wollen, hat dem Lesen und Lernen der תורה vorauszugchcn: Erst -״ ברקdein Wille soll durch nzich seine Verwirklichung stndcn, ich weihe mich deinem Dienste, Gott" — und dann למדני ״lehre mich deine Gesetze," gewähre meinem Geiste die Klarheit des Erkcnncns und Verstehens deines in der תודה niedergclcgteu Willens. ומנין שמעונה ברכה לאהריה שכתוב אהר השירה וזאת הברכה משענת לה; את התורה ואת׳ ב בירך. Dieser Entschluß hat uns aber in das Leben zu ge- Leiten, wenn wir das Gotteswort gelesen und gelernt haben, daß wir dcS Zweckes unserer Erkenutniß nicht nneingcdeuk werden und das Ziel unseres Lernens aus den Augen verlieren. Nachdem Moses in seiner שירה die Bedeutung der GotteSIchrc und der Gottesvcrheißung Israel vor die Seele geführt hatte, sprach er in האת הברבה die Weihe des vielstämmigcn Volkes für die Erfülluug des Gottesgcsetzes aus, die jedes seiner Glieder zu bcthöligen hätte in dem vielgestaltigen Leben, jedes nach seinen Anlagen und Kräften, aber einig in der Begeisterung für die Lehre, die das einzige ״Erbgut" in Jatob's Gemeinde, das ״einzig Gebietende in Jeschuruu" ist. Woher der Mangel au Erkenutniß und Vcrställdniß in dem heutigen Israel? Weil nicht in Aufrichtigteil und Wahrheit diese ברבה לפניה ולאחריה über das GotteSgcsetz gesprochen und beherzigt wird, weil den Zeitgenossen dieses Bewußtsein der unbedingten Verpflichtung für den eigentlichen Gottesdienst abhanden gekommen ist, weil nicht in diesem Geiste die Thora in unseren Synagogen gelesen und gepredigt, in unseren , Schulen gelehrt, in unseren Akademien stndirt wird. Wir versantmcln uns in unser» Gotteshäusern nicht für die Vorbereitung zum Lcbeu, wir lassen unsere Kinder nicht unterrichten, daß sic zur Erfüllung des- GottcsgcsctzeS geführt werden; — und unsere Rabbiner, Lehrer, Prediger, Gelehrten, Vorstände und Neprasentauten — was 1hnn sic diesen Geist der ברבת התורה;u pflanzen und zu pflegen??