Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1884)
- Article
- Gedanken eines Nichtpredigers über die Predigt
- Date
- 1884-09-04
- Page
- 566 (sequence 3)
- Language
- German
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566 630tlc$roortc, das in ihrer Mitte atlsabbathlich verlesen! wird. Ein Prediger, welcher die Kanzel in dieser; Manier zur ״Verkündigung der heiligen Lehre" benutzt,! kann sein goldenes Jubiläum mit seiner Gemeinde; feiern und jeden Sabbath gepredigt haben, und dabei als ein wahrhajt großer KanzelhcroS berühmt sein, ohne durch seine nach Tausenden zählenden Predigten auch nur in einem ganz kleinen Thcile ״das eben verlcscnc GotteSwort" jemals erläutert zn haben. Da lobe ich mir denn doch meinen Dorf- בעל בית mit der von mir im Ganzen mitgctheilten Rede!!Fortsetzung folgt.. Ei» n0111־!f(jifd)fr U01־l1ii1111)fcr für die Rechte der Weil. Die hollLndischc Monatsschrift ״De GidS" enthält in ihrem August-Hcste ans der Feder eines ihrer Redakteure: ״Neiscskizzcn ans Norwegen"; den herrlichen Theil derselben, für welchen ich die Uebcrschrift dieser Zeilen gewählt, erlaube ich mir, Ihnen nachstehend in Ucbersetzung zu geben: ״Auf dem wellenförmigen Terrain des FriedhoseS erhebt sich ein Hügel; dort wurde durch einen Leichenzug, größer als je einer in CS l) r t ft i a 111 a gesehen worden, am 12. 3nli 1845 der populärste Mann NorwcgcnS, der Volksdichter und Bolkssrennd Henrik Wergeland, zur ewigen Ruhe bestattet, er, der gleich Bondcl ״keiner Sache früher müde war, als der Ruhr" Seine Landsleute haben ans seinem Grabe keinen Gedenkstein errichtet, aber sein Name lebt fort in ihren Herzen, in ihrer Geschichte. In verschiedenen Bauern- Höfen und -Herbergen fand ich seine Werke, und daß dieselben auch gelesen wurden, erfuhr ich mancheil Tag ebenso überraschend als überzeugend. Doch erhebt sich bei seinem Grabe ein kleiner gothischer Tempel, in welchem sich seine Büste bcsindct. Und von wem errichtet? Die Aufschrift, welche nnS mittheilt: ״Takncmmelige Jödcr ndcnsor NorgcS Grainscr reiste Ham bette Mindc" (dankbare Inden außerhalb Norwegens Grenzen errichteten ihm dieses Denkmal) erinnert an seinen letzten Kamps, dessen segensreiches Ende er leider nicht erleben sollte. Nach der Verfassung von 1814 war nämlich den Juden der Aufenthalt in Norwegen verboten, und so hatte noch im Jahre 1841 ein Jude, welcher, mit diesem Verbote unbekannt, die Grenzen passirt hatte, 28 Tage bei Wasser und Brod im Gefängnisse sitzen müssen. Wergeland, welcher für jeden Unterdrückten stritt, wurde auch ihr Kämpe. Uncrntüdlich wußte er die Meinung der edelsten und einflußreichsten Männer seines Landes für einen von ihm bei dem Storthing cingcreichten Antrag ans BerfassungSänderung zu gewiuncn. In Versammlungen führte er hierüber das Wort, in einer Reihe von Zeitungsartikeln suchte er die öffentliche Meinung für seinen Antrag günstig zn stimmen. Aber er, der von sich selbst bezeugte: ״Ich bin nur Dichter", schüttete auch in einem Kranze von Dichtungen: ״Der Jude" sein Hcrz aus. Der dritte und vierte dieser Gesänge: ״Der Schiffbruch" und ״Der Weihnachtsabend" gehören zu dem Besten, was er gedichtet. Ersterer erzählt von einem Schiffbruche, wobei nur ein Mann, ein Jude, von den Wellen an Norwegens Küste getragen wird; schon streckt er seine Hand ans nach dem Lande, welches sich rühmte, das freieste von Europa zu sein, schon hat er sich an einen Felsenvorspruug fcstgeklammert, da kommt die Brandung: ״Und erbarmungslos ihn fassend Wirft sie ihn in'S Wellen-Grab, Wissend, daß der freie Norden Keiuem Juden Freiheit gab." Der arme, ermüdete jüdische Hausircr, der alte Jakob — so erzählt Wergeland in bent Gedichte: ״Der Weihnachtsabend" — wird von einem Schneesturme überfallen, während er dcS Abends spät an der schwedisehen Grenze von einem Dorfe in ein anderes wandert. Da dringt etwas wie ein Nothschrei an sein Ohr. Er bleibt stehen. Es ist still, aber nach einigen Augenblicken hört er wieder ein Stöhnen und schwaches Rufen, doch er vermag nichts zu erblicken. Sind es vielleicht Waldgeister, die ihn auf einen Irrweg locken wollen? Nein, deutlicher vernimmt er eS: ein Kind schreit und ruft. Vorwärts dringt er durch den Schnee; in dem Gesträuche verliert er sein Bündel, welches Alles enthält, was er besitzt. Aber er sucht nicht darnach, eS gilt hier ja das Leben eines Kindes! Endlich findet er unter einem Baume, fast ganz in Schnee begraben, ein Kind; aber ach, das Kleine ist kalt, wie der horte Boden. Er hüllt das arme Wesen in sein Kleid, er preßt eS an seine Brust und reibt eS mit Schnee. Gott sei Dank, eS lebt wieder auf, er fühlt eS wieder athmen. Nun späht er nach einer Wohnung anS, da, dort in der Ferne bemerkt er ein Licht. Mit Mühe schleppt der alte Mann mit seiner kostbaren Last sich dorthin, in der Dunkelheit bald an einen Baum stoßend, bald in ein tiefes Schnecloch sinkend. Erschöpft erreicht er endlich die Thür. Er ruft, er klopft. ״Wer ist da draußen noch in solchem Wetter?" — ״Der alte Jakob, der Jude!" — Was, Du? Pack Dich fort, für Dich ist kein Platz in diesem Hause, wo wir daö GcburtSsest des Erlösers feiern, welcher von Deinem Volke getödtct worden!" — ״Ja, aber —" — ״Mach', daß Du sortkommst!" —