Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1884)
- Article
- Die innere Gefahr
- Date
- 1884-09-04
- Page
- 561 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Hl'Mwller, beit 1884. XV A. M 36. zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Hans, Gemeinde und Schule. Üüipmlcl von ®nmfou Nilphllt! Hnlch, 11. ^srurfitififirn rfi!\idus(ןrFf(l’fsfinj't jiufmnEfiirt n.ifl. Neue Jolge. Zweiter Jahrgang. Herausgegeben unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von Isrmc Kirsch. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag irnndestciiS 2 Bogen stark. — Abonnenientsprcis bei allen!' ofla 11 fl allen 1111b B n chha 11 dlnngen 2 J6. 50 k'״r ba^ Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die He lwing'sche BerlagSbuchhand. lang zu Hannover. — Die (Spedition versendet cinch direet und franko unter Streifband den Jahrgang für \2 oder 7 Gulden österr. Währ, nach Deutschland und Oesterreichfür I I t-H>. oder 18 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — Anzeigen werden mit 2~k*} f. b. :!gespaltene Pelit;cile oder deren Nanin berechnet. — Expedition: Hannover, Theodorstr. 5. Jnhakts-VerFeichnist von Nr. 30. ' Die innere Gefahr. — Uneigennützige Pflichlersnllnng als Hauptfoidernng der Gottcslehre (Fonsetzring!. — Gedanken eines Nichtpredigcrs über die Predigt lFortsetznng). — Ein norwegischer Borlämpser für die Rechte der Inden. — Nachtgeslirne EFortsetznug). — Erwiderung auf die von Herrn Rabbiner j)r Gugenheiiner erfolgte kritische Belenchtiing meiner Schrift הסך ואמת. — Entgegnung auf die Erwiderung des Herrn Rabbiner Fink. — Korrespondenten und Nachrichten: Nenslettin, Schailtach, Schlüchlern, Wien, Ans Ungarn, Krakau, London, Paris, Ans Südrnjzlaud. — Ein glücklicher Wurf (Fortsetzung >. — Inserate. Die innere Gefahr. DaS Heil der Gesammtheit ist von dem gesetzmäßigen Bcrhaltcu der Individuen bedingt; kein Gemcinwest'n kann gedeihen, wenn seine Bürger durch offenen Bruch der das Leben und Eigenthum schützenden Gesetze sich in Auflehnung gegen die Gesellschaft bcfinden. Dieser Erkcnntniß hat sich wohl noch keine Bereinigung jemals entzogen, weder die Horden wilder Nomaden, noch die komplizirten Staaten hoch ent- Wickelter Kulturvölker; und darnnr wird überall jene Anslehnnng mit Strafen belegt, um das die Gcsammtheit gefährdende Gelüste des Einzelnen durch den Schrecken der Strafe zu unterdrücken und einem jeden die Majestät der Gesammtheit und deren Obmacht zum warnenden Bewußtsein zu bringen. Aber cS ist nur ein morscher Ban, der auf btefem Schrecken, mit welchem sich die Gesammtheit nmgiebt, ruht. DaS tvidergesetzliche Verlangen in des Einzelnen Brust ist ztl gewaltig: eS spornt zur List an, um Befriedigung zu finden trotz der drohenden Strafe. So entspinnt sich ein .Kamps im Innern der Gesellschaft zwischen ihr und ihren Angehörigen, der nimmer ruht, der trotz Schaffot und Kerker nicht zu Ende geführt werden kann und die Basis der Gesellschaft fortwährend erschüttert. Aber außer Denen, die als Feinde der gesellschaftlichen Ordnung im offenen Gegensatz zu dem Gesetze stehen und die eigentliche Verbrecherwelt bilden, arbeiten auch andere innerhalb der Gesellschaft Verbleibende, ja die׳- selben Leitende und Vertretende an der Unterwühlung des sozialen GrnndbauS. ES wird die Heuchelei und Scheinheiligkeit einerseits durch das Bestreben in der Gesellschaft, Ansehen und Einfluß zu besitzen, andererseits durch den Egoismus sich unter Mißachtung der Gesetze Vorthcile zu verschaffen, geweckt und gepflegt. Aeußerlich glänzt man in der Bcthätignng loyaler Sinnesweise und loyaler Handlung, im Innern birgt man den Schalk und spottet der Gesetze, die man Übertritt, sobald cS der Eigennutz erheischt und das Auge der Gesellschaft eS nicht erblickt. Diese Gleißncrei ist gefahrdrohender als jene offene Auflehnung, sie ist der nagende