Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1884)
- Article
- Die Verkündigung des fünften Elul
- Date
- 1884-08-28
- Page
- 547 (sequence 3)
- Language
- German
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547 sich selbst erklügelt, unter dessen Aegik sic ihr Heil; auf Erden zu begründen wahnen, das Iudcnthum, : welches ihrer, der wahnumfangenen, gcisteskurzcn Sterblichcn Kritik unterworfen und der Gebote Gottes enti äußert wird, das Iudcnthum, welches das Wort Gottes verleugnet und seine Gesetze als veraltet vcrwirft — ״und siebzig Männer von dm Angesehensten deö Hauses Israel stehen cm ihrer Spitze, und ein jeder hat sein Weihrauchgeräth in der Hand — und die duftende Wcihrauchswolke wirbelt empor." Für ihre תועבות, für ihren Ab füll und ihre Untreue und ihr sclbstgeschaffencs, Gottes Gesetz höhnendes und vcrleugnendes Iudcnthum, denen sie Tempel errichten, haben sich Pfaffen gefunden, die diese תועבות mit der gleißnerischen Maske der Religion, des ״geläuterten und aufgeklärten JudcnthumS" umgeben und diesen תועבות Weihrauch darbrmgen. Die Anderen, הגאנהים והגאנקיב, die seufzen und klagen über diesen Abfall und diese Untreue, erscheinen ohmnächtig und winzig. Aber sie sind von Gott ausgezeichnet und erkoren, in dem drohenden Untergang erhalten zu bleiben für das Hcroldsamt an die Menschheit. Jene verlieren sich unter dem Völkergewoge, diese aber bilden den Stamm für die zukünftige Heilesblüthe. So!ehrt es die Geschichte vergangener Zeiten, so wird eS sich bewahrheiten in den Tagen, die unserer harren. O, daß wir Alle, das ganze heutige *שארית ישראל dem Schofarrnfe folgten, der in unscrm Lager wiederum hallt, daß wir Alle in ihm den Ruf unseres Vaters und Königs vernähmen, der nuS zu sich und seinem Gesetze ladet, der nnS die Arine in liebendem Erbarmen entgegenstreckt, uns aufzunchmen als sein Kind, als sein Volk, als die Verkünder seines Gesetzes, als die Herolde seines Reichs! Dann wurde sich cndlich der zweite Theil der Verkündigung des fünften (5I11I erfüllen und Israels Gatuth-Anfgabc gelöst sein. Gedanken eines MllMedißcrs Rer die Predigt. (Fortsetzung.) Ich sollte doch glauben, daß das heilige Wort der Thora und der Propheten nicht entweiht werden dürfte durch willkürliche Entstellung, indem man in dasselbe einen Sinn hineinlcgt, den cS unmöglich enthalten kann. Es ist zu ehrwürdig, um als rhetorische Arabeske zu dienen, oder nur dem Redner Gelegenheit :1• geben, seiner Predigt die Folie des Gottcsworts zu verleihen und durch anscheinendem Geistesrcichthum zu gläuM.; Ist es denn so unumgänglich uothwendiZ, m mh für sich richtige Gedanken, deren Mittheilung an die Gemeindc km Prediger wünschenswerth erscheint, in daS Gewand der Thora und der Propheten zu kleiden? Wenn der vorhin erwähnte Redner deS Sabbath ראה cs für gut findet, über die Stellung der Juden zu km AittisemiLismns zu sprechen, so möge er das thun. Er entstelle aber nicht das Bibclwort, er versuche nicht, seiner Predigt den Anschein einer Bibclcrklärung zu geben. Das עניה בערת der Hastora hat einen ganz anderen Sinn, als er der andächtigen Gemeinde in der Einleitung vorträgt, und das: ״siche, ich gebe heute vor euch hin den Segen und den Fluch" des Wochenabschuitts, welches er zu dem stilgerechten dreithciligen Thcnia gewählt, handelt von etwas ganz Anderem. Wenn man nun auch meine Anschauung, nach welcher eine derartige Verdrehung des Bibelsinnes eine Ent- Weihung wäre, als zu rigoros nicht theilen wollte, so möchte ich doch zu bedenken geben, daß ein derartiges Spiel mit Worten, denen mm, ihre eigentliche Bedcutung raubt und sie zu leeren Hülsen macht, welchen man einen beliebigen Inhalt giebt, doch seine großen Nachthcile hat. Wenn der Redner bei seinem Auditorium voraussetzen könnte, daß dieses den wahren Sinn des heiligen Testes vollkommen verstände und wüßte, daß derselbe hier nicht in seiner wirklichen Bedeutung ausgcfaßt werden sollte, daß cs eben nur eine, meinetwegen geistreiche, Spielerei sei, wenn der Redner die entferntesten Gedanken in das Gotteswort hineinträgt — ״in den Poßuk ciiistcllte" — daun würde der Schaden vielleicht nicht so groß sein. Aber man denke sich doch das Publikum, vor welches der Prediger hintritt. Es sind die Männer, Frauen und Kinder seiner Gemeinde. Wie nun einmal die Verhält niste liegen, kann der Prediger in den meisten Fällen höchstens bei einem sehr geringen Bruchthcil der erwachsenen Männer, jene Voraussetzung hegen. Die Meisten nehmen seine Erklärung gläubigen Sinnes als buchstäbliche Wahrheit. Schließt doch der Redner daS jetzt fast obligat gewordene einleitende Gebet der Predigt meistens mit der inbrünstigen Bitte: ״Verleihe, 0 Herr, meinem Geiste Einsicht, daß ich deinen Geist erkenne, dein Wort verkünde deiner Gemeinde, verleihe meiner Zunge Kraft, daß dein durch meinen Mund gepredigtes Wort Eingang finde in die Herzen u. s. w." Wie könnte da ein Zweifel obwalten, daß die von der Kanzel herab verkündete Bibelauslegung die autentisch wahre und richtige wäre? Und so ist es denn nicht das Wort Gottes, das der Gemeinde znm Bewußtsein gebracht, sondern die Gedanken deS Redners gelten ihr fälschlich als solches. Das Wort der heiligen Schrift wird gleich den: Texte einer Oper behandelt. Es wird von dem Prediger für seine Komposition willkürlich benutzt. Der Redner läßt sich nicht vor; km Gottesworte leiten,