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Jeschurun · 1884-08-21 · Heft 34 (21.8.1884) · p. 532

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 34 (21.8.1884)
Article
Zur Begründung unseres Standpunkts
Date
1884-08-21
Page
532 (sequence 2)
Language
German
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532 dcS Abfalls und der Untreue. Wir bekämpfen die Täuschung, als ob im Judcnthnm zwei verschiedene und sich gegenseitig aufhebende Prinzipien Geltung haben könnten: die Wahrheit und die Lüge. Oie Wahrheit,!veiche die unmittelbare Göttlichkeit des schriftlichen und mündlichen Gesetzes und der Propheten anerkennt, — die Luge, wclchc'diese uniuiltelbare Göttlichkcit ganz oder thcüwcisc leugnet: die Wahrheit, welche die Verbindlichkeit der ans Grnnd des göttlichen Gcsctzcs unantastbar geltenden rabbinischcn Gesetze auerkennt, — die Lüge, welche diese Verbindlichkeit leugnet. Wenn man deshalb auch unsere Ansicht von dem Zwecke dcS freundlichen Angebots eines Zusammengehens und der Lage der Reform nicht theilcn zu können glaubt, so bleibt dennoch diese Täuschung übrig, um genugsam zu erweisen, daß auf dem Boden dcS vorgeschlagcneu Kompromisses eilt gemeinsames Handeln unmöglich und verwerflich erscheint. Was ist cs denn anders als die eben gekennzeichnete Täuschung, wenn Reformer und Orthodoxen zusanuucntrctcn und der Welt verkünden, daß sie an der Hebung des religiösen Geistes und Lebens gemeinsam arbeiten wollen, unter Ausschluß der religiösen Fragen? Heißt das etwas Anderes, als die Anerkennung, daß innerhalb des Zndenthums und aus dem Boden des IudeuthumS, Rcsorm und Gesetzestreue gleichberechtigte Prinzipien seien, über welche man gctheiltcr Meinung sein könne, ohne dem Judenthnmc untreu zu werden? Wir erachten cS als heilige Aufgabe eines Organs des öffentlichen Wortes der innersten Ucberzcugung Ausdruck zu geben, damit die Wahrheit in weitere Kreise berichtigend auf irrige Anschauungen eiuwirke. Deshalb haben wir uns bemüht, durch unsere Ab- Handlung zum Berständniß der neuesten Phase der Reform einen kleinen Beitrag zu liefern. S11l0!nonif1l)c ZpNltiMs!lkit. Bon §a!nson Naphac! Hirsch. (Fortsetzung.) XVIII. Matzgerechtigkeit. Gerechte Wagbalken und Schalen sind GottcS. In seinem Namen gefertigtes Werk sind alle Gewichtstcine deiner Tasche. (16,11.) Täuschende Wage ist GottcS Abscheu, Vollkommenes Gewicht ist sein Wille. (11,1.) Druckfclilcrbcrichtignrig. In ״Saloinomsche Spruchweisheir״, S. 400, Z. 6 v. u. u,1i) S. 500, Z. 10 v. o. statt Anwohner lies ״Annehmer". S. 400, Z. 16 v. o. statt ziehende lies ״erziehende". GottcS Abschcn ist Stein und Stein, Täuschende Wage ist nicht gut. (20, 23.) Stein und Stein, Maß und Maß, GottcS Abscheu sind sic beide. (20,10.) Nicht nur beuügcrischeS Wägen und Messen, schon das Vorhandensein, somit das Ansertigen und Besitzen ungenauer Gewichte und Maße ist etwas von Gott Verworfenes. Ein Wäget!nd Messungs-Mittel von bestimmtem und bezeichnetcm Gehalte ansertigen, ist keine gleichgültige Handlung. Oie allgemeinste, vor Gott zu verantwortende menschcngcsellschastliche Gercchtigkcit vertritt der Ansertiger von Gewichten und Maßen, und ein Urtheil von gar nicht zu berechnender Tragweite fällt er, indem er ein Gewicht- und McssungSmittel als einem bestimmten Gehalte entsprechend bezeichnet. Gerechte Wäge- und Messungs-Mittel werden im Namen GottcS, im Namen des Rechts angesertigt, das Gott als die unerschütterliche Grundlage alles Menschcnvcrkehrs gesetzt hat. Falsches Gewicht ist eine GottcShöhnung, weil cS eine Höhnung des von Gott geheiligten Rechts ist, und nur vollkommenes Gewicht- und Maß-Mittel, das nicht zu klein und nicht zu groß ist, entspricht seinem Willen. Wolltest du selbst aus Gewissenhaftigkeit zweierlei (Gewichte, zweierlei Maße haben und wolltest mit dem kleinen kaufen und dem großen verkaufen, so wäre dies doch לא סוב, nicht gut. Was dn nur im Dienste deiner Gewissenhaftigkeit gebrauchen willst, kann in andere Hände übergehen, die cS zu entgegengesetzter Täuschung mißbrauchen, und du darfst keinen Anlaß zu trügerischem Mißbrauch geben. XIX. Gew!'sscrrK aftigkeit. Wer irgend eine Sache verachtet, wird ihretwegen gepfändet werden. Der Gebot-Fürchtige, dem wird'S gelohnt. (13, 13.) Verachte keine Stecknadel, sie könnte dir einmal fehlen. Achte auch keine Sache zu geringe, daß du etwa ihr gegenüber deine Pflicht verabsäumen.möchtest. Wer gegen daS Geringste seine Pflicht vergißt, wird dafür zur Rechenschaft gezogen. Wie du gottesfürchtig sein sollst, so sollst du ״mizwafürchüg" sein, denn Gott fürchten, heißt seine Mizwoth fürchten, fürchten, Eines seiner Gebote zu verletzen. Wer GottcS Gebote fürchtet, der kennt nichts Gleichgültiges, der achtet aus das Gebot, nicht auf den Gegenstand. DaS sonst Geringfügigste wird wichtig, wenn Gott cs zum Gegenstand seines uns verpflichtenden Gebotes erhoben. An dem Kleinsten, welchem gegenüber der Gottesfürchtige seine gottgewicsene Pflicht erfüllt, erwirbt sich die Gewissen- Hastigkeit den reichsten Lohn.

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