Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-08-14 · Heft 33 (14.8.1884) · p. 516

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 33 (14.8.1884)
Article
Uneigennützige Pflichterfüllung als Hauptforderung der Gotteslehre
Date
1884-08-14
Page
516 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933082-2958132--16375-2958183
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

die da111׳ gehörige Bemerkung: שפחה לבד עשו ולבני ישמעאל שקבלו את התורה ולא רצו ..das; der Allmächtige den Söhnen l5fau* und Ismacls die Thora angcboten hättc/von ihnen aber wärcjadge!niesen worden?" (5!an und Isw.ael machen von Alters her Anspruch ans das Erstgeburtsrccht, ans die Würde des Borstehe es im Abrahamhausc, nnd sic wähnen sich übervortheilt von Jakob und Isaak, sie wähnen, das Erbe sei nicht in die rechten -Hände gekommen. War es da nicht recht, daß der Ewige ihnen das Entscheidende bei der Erstgeburt, die Pricsterwürdc des GottcSdieucrs anbot? Sie aber waren enttäuscht durch die Aussicht, weiter nichts als Priester Gottes und Heilige zu werden; sie hatten in Israels -Hoffnungen nur die Anwartschaft aus irdische Hoheit gesehen, und wenn sie schon reich und mächtig waren, so hatten sie die Söhne Jakobs nur nm den Anspruch auf solche Vorzüge beneidet. Aber daß gerade das Verzichten ans Lohn bei diesem Bunde das Besondere sein würde, daran hatten sic nicht gedacht, nnd sic wußten eine solche Gabe nicht zu schätzen. So lehrte der Ewige;u Israel zurück, das sich allein dieser Pflicht beugte. -Hierin liegt der Beweis, daß nach den Begrnnduugs Worten des Bundes, daß nach den Lehren der Ueberliefcrnug jeder irdische Bortheil ausgeschlossen wurde ans den Grundbedingungen des Gesetzes, so daß Antigonos nur das einfache Ergebnis; des Schriftwortes ausgesprochen hat. Eine zweite Frage wäre die Ursache, die den allgc׳ rechten Beherrscher der Welt zu dieser vorangehenden Forderung drahte, und auch sic liegt in den BcrnsnngS Worten, sie ist in dem ersten der zehn Sinaiworte, wie wir sehen werden, tl-ar ausgesprochen. (Fortsetzung folgt.) Gedlinltkii eines Mtpredigers über die Pre-iot. ׳Beim in einer Gemeinde die Wahl eines Rabbiners vorgenommen werden soll, so ist in den meisten Fällen die Predigt das entscheidende Moment für die Wahl. Es werden die Bewerber, oder richtiger die ans irgend einem besonderen Grunde aus der meist bcdcutcndcn Kandidatenschaar auserlesenen, aus den Wahlaussatz zu bringenden Rabbiner zu einer Probepredigt cingcladcn. Ein förmliches Prcdigcrtnrnicr wird veranstaltet, die Synagoge ist so stark besucht, wie am Jom Kippur, aus der Tribüne befindet sich der Damenflor der Gemcindc als der keineswegs cinflußloscstc Thcil der für den Ausfall der Wahl maßgebenden Faktoren, die äußere Erscheinung des Predigers ans der Kanzel, seine Gesten. 16 seine Stimme, seine Mmit und auch der Inhalt seiner Rede werden ein r scharfen Kritik unterzogen. Der Glü.kliche. dessen Predigt sich des größten und allseiligsten Beifalls zu erfreuen hat. wird als Sieger aus dem Kampfe nm die vakante Rabbinerstclle hervorgehen. Wenn ich nun auch dieser Wahlgepslogcnhcit nicht das Wort reden will nnd das Predigttalent als das in erster Linie in Berücksichtigung zu ziehende Moment für das Rubbincramt nicht anerkenne, so bin ich doch weit entfernt, die Bedeutung der Predigt und die Wichtigkeit einer guten Predigt zu unterschätzen, und würde auch meinerseits zu den von dem anzustellenden Rabbiner zu verlangenden Eigenschaften auch eine gute Rednergabe zählen. . Wenn ich jedoch meine Ansicht unverhohlen aussprcchcu darf, so kann ich nicht verschweigen, daß ich eigen!sich vcrhültnißmäßig wenige gute Predigten kenne, obgleich ich Veranlassung hatte, recht viele Prediger zu hören. Ich bin nicht so cingebildet, mir in dieser -Hinsicht ein maßgebendes llrtheil znzuschreibcn und bitte die -Herren Kanzelredner vielmals um Eutschuldignug, wenn ich ihnen mit dieser Meinung unrecht thnn sollte, aber ich kann mir nicht helfen: nur selten ist mir das Glück zu Theil geworden, eine Predigt zu vernehmen, welche den Anforderungen entspricht, die ich au eine jüdische Predigt zu stellen mich berechtigt glaube. Wie oft hat es sich mir getroffen, daß man zu mir sagte: morgen predigt unser -Herr Rabbiner; versäumen Sic doch ja nicht, denselben zu hören; cs gicbt gar keinen bedeutenderen Kanzelrcdncr. Ich fand mich' dann meistens sehr enttäuscht. Ich habe dieses kürzlich einem gelehrten Freunde im Gespräche mitgetheilt. Da kamen wir dann ans die bcrcchtigtcn Anforderungen an die Predigt und das Wesen der jüdischen Predigt im Besonder«. Mein Freund, selbst ein als bedeutender Redner, wenigstens in seinem Bezirke, anerkannter Rabbiner, war freilich mit den von mir bei dieser Gelegenheit geäußerten Ansichten nicht durchweg einverstanden. Gleichwohl ermunterte er mich, dieselben einmal zu Papier zu bringen und sic in einer jüdischen Zeitung zu veröffentlichen. ״Sie werden damit allerdings schwerlich ans die Zustimmung der Rabbinerwelt rechnen können," meinte er; ״es ist aber immerhin iutcrcffaut und anregend für den Rabbiner, die eigenthümlichcn Ideen eines Laien über die Predigt kennen zu lernen. Deshalb woge ich cs, meine Gedanken über dieses Thema hier nicdcrzulegen, nnd bin ich in der Thal ans die Aufnahme begierig, welche dieses Laienwort in Predigcrkrcisen finden wirb. Wenn ich die Ausgabe des jüdischen Predigers richtig ansfassen sollte, so würde dieselbe sich folgendermaßen kennzeichnen lassen: durch die Predigt soll das Juden!hum der Gemeinde zur Erkenntniß, zum tieferen Berständniß nnd zur durch die That zu bezeugenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.