Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1884)
- Article
- Uneigennützige Pflichterfüllung als Hauptforderung der Gotteslehre
- Date
- 1884-08-14
- Page
- 515 (sequence 1)
- Language
- German
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515 llilkjgmiiWge UlAkrstlliiilg 1110 fjaujitj fllrdmm!) der GEkslehre. sein, der uns Klarheit verschaffen sollte über die Bercchtignng des Israeliten zur Forderung des Lohnes'? Bon VuMiüfl Ä. fl!ojf 11 tfinl, Prcdiqcr L Begründung nuferer Auffassung der Thora. Der Satz des Antigonos von Socho, daß wir nicht den Lohndicncrn gleichen mögen, sondern in wahrer Ehrfurcht dem Ewigen dienen sollen — diesen an Kant'S Pflichtgedankcu in jeder Beziehung erinnernden Satz behandeln die Männer der heutigen Wissenschaft oft als ein vereinzeltes, nicht in den Nahmen des Indcnthnms hincingehörigcs Wort, welches darum für die Herrlichkeit Israels und seiner Lehre nicht Zeugnis; oblegen könne. Dem Antigonos wird, in Anbetracht der äußeren Einflüsse, denen er diese Gesinnungen vcrdanken mag, alle Anerkennung gezollt, wogegen dem > Glauben und dem Gesetze des Sinai jede Erhebung des Menschen zu wahrer Üncigcnnützigkcit abgcsprochen wird. An uns tritt nun die Frage heran, ob in unserem Schriftthum sich außerdem Beweise für eine gleiche Forderung an den Menschen finden, ob die Uneigcnnntzigkcit der Pflichterfüllung sonst noch als erhaben geschätzt wird. Wenn die Bedingungen eines Bundes geprüft werden, so darf nur die Stunde der Feststellung dabei in Betracht gezogen werden. Welche Worte waren cs,. die der Ewige vor der Gesetzgebung seinem Volke vcrkünden ließ? Klingt in jenen Bcrnfnngswortcn etwas von einein irdischen und jenseitigen Lohn, der das Volk zur Annahme des Gesetzes hätte locken können, auch nur durch? ״ אתם ראיתםIhr habt meine strafende Hand an den Egypten! wahrgcnominen, Ihr wißt ״ ואשא אתכם על כנפי נשרים ואביאich habe Euch durch Noth und Sturm auf Adlers Schwingen durch das dräuende Wetter getragen, um Euch von der Schwäche des zagenden Menschensinnes zn mir und zur Hoheit meiner Forderungen zn erheben." ועתה ״ אם שמוע כו'Und nun. wenn Ihr aus meine Stimme höre! und meine Wege wandelt", welchen Lohn wird der Ewige als Lockung seinen! Bolle Hinhalten? והייתם ״ לי סגולה בו׳ ממלכת בהנים וגוי קדושDann werdet Ihr mir ein köstliches Kleinod sein unter den Völkern, ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk!" Was sind das für Versprechungen? Ist diese geistige -Höhe, sind diese inneren Vorzüge dazu geeignet, die niederen und selbstsüchtigen Begierden Israels bei der Gesetzgebung rege zu machen? Warum schweigt der Ewige hier von dem Lohne, der doch später so oft erwähnt wird? Mußte dies nicht der entscheidende Augenblick! Und der göttliche Gesetzgeber schließt seine Mahnung! an Mose: ״ אלה הדברים וכוי לא פחות ולא יותרmir i diese Bcrufnttgswortc darfst Du an Israel richten, z Nichts hinznsngcn, was ich nicht geboten, Nichts davon , nehmen, was dem Volke vielleicht übermenschlich scheinen möchte, sondern in dieser ihrer Erhabenheit sollen die Worte, nicht lockend und nicht abschreckend, an Israel hcrantretcn." Führt uns das nicht den Gedanken nahe, daß der Ewige gerade die Uncigennützigkeit zur Grandbcdingnng der Gcsctzesannahmc gemacht hat, daß jede Aussicht auf andere, als geistige Borthcilc, die Neinheit des Mizwagedankens getrübt hätte? Das eigeutlichc Ziel Israels schwebt also weit über ah' den Vorthcilcn des Augenblicks; Gottesnähe, Pricstcrtichkcit und -Heiligkeit ist sowohl die -Hauptforderung des GesctzeS, als sein hauptsächlicher Lohn. Wenn Israel diese Güter schätzen und allem Irdischen vorzichen gelernt hat, dann ist cS wahrlich der cgyptijchcn Bande ledig. Daraus folgt noch nicht, daß. ein Lohn auf das Gute nicht cintrifft. Ans Gutes konunt Gutes, das ift unabänderliches göttliches Gesetz; der Mensch aber soll nicht aus diese Umstände sein Augenmerk richten, sondern das Gottcsgebot lieben, weil es Gottesgebot ist, der Pflicht sich freuen, weil sic dem Ewigen näherführt, weil sic den Menschen erhebt über die Lockungen der Stunde. Die radbinischc Erklärung zu jenem ועתר. אם שמוע lautet: אם עתה תקבלו עליכם יערב לכם מכאן ״ ואילך שכל התחלות קשוחWenn Ihr jetzt die Pflicht der Gcsctzcstrcnc ans Euch nehmt, dann wird cs Euch weiterhin leicht sein, denn jeder Anfang ist schwer." Soll cs wirklich so schwer sein, Pflichten zn beschwören und in weihevollen, begeisternngserfüllten Stunden schnell und feurig seine Bereitwilligkeit zum -Höchsten anszusprechen—sollte das wirklich schwerer sein, als späterhin in ernster Weise dies Wort erfüllen zu müssen? Nnr das ist die Meinung des Ewigen, daß, wenn Israel jetzt bei diesen Warten, die keinen Lohn in sich zu enthalten scheinen, seinem Berufe zujubelt, wenn Israel jetzt den Forderungen Gottes genügen will — wie sollte cs nicht später, nachdem ihm auch der Lohn bekannt geworden, der Satzung treu bleiben? Wer ans diese Worte schwört, der gelobt Uncigennützigkeit, und nie kann in einem auf diese Weise begründeten Gesetze der menschliche Bortheil maßgebend sein. Begreifen wir nun die Stelle im Segen Mops: ״ וזרה משעיר למו הופיע מרבבות קרשDer Ewige wäre bei der Gesetzgebung von T< ir ihnen ausgcgangcn, hätte von Paran ihnen gestrahlt", begreifen wir nun