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Jeschurun · 1884-08-14 · Heft 33 (14.8.1884) · p. 514

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 33 (14.8.1884)
Article
Zur Begründung unseres Standpunkts
Date
1884-08-14
Page
514 (sequence 2)
Language
German
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614 fadjc ftd)t aber doch fest, und der ״konservative Zug", von weichen! Sie schreiben, ist in Wirklichkeit vorbanden. cfi da angebracht, eine schroff abweisende Haltung ciuznnehmen? Ist es nicht wiederholt in linieren! Lchriftthum ausgesprochen, daß man dem Zurückkehrenden die Arme öffnen soll; daß, wenn auch vielleicht anfangs nicht ganz selbstlose Beweggründe ihn;um Guten lenken, dennoch die Hoffnung nicht ausgeschlossen ist, daß er endlich das Gute um deS Guten willen üben werde? Die ׳Reformrabbiner haben eingesehen, daß;ur Erhaltung der Gemeinden daS fromme Element nicht;1! entbehren ist: diese Erkenntniß sollte benutzt, werden. Der Angenblick ist der gesetzeStreuen, orthodoxen Richtung günstig wie noch nie. Sie befindet sieh in der Minorität und wird von der Majorität ausgesucht. Ein weises, vorsichtiges, ent gegenkommeudes Auftreten der Orthodoxen könnte Großes erreichen. Ihre schroffe, rauhe Offenheit und Ehrlichkeil läßt den günstigen Moment ungenützt vorüberrauschen --!vir fürchten, zum Schaden des Indent humS. Das ungefähr die Quintessenz der uns zngcgangenen freundschaftlichen Ermahnungen. Wir wissen uns frei von jener beschränkten Einseitigkeit, die, auf einer vermeintlichen Unfehlbarkeit sich steifend, jeder Belehrung unzugänglich sich erweist. Andererseits aber neigen wir nns keinen! blinden Autoritätsglauben zu und schwören nicht in vt*1־l>a magistri. Wir begreifen unsere Stellung vor der Oesfentlichkeit dahin, die Erscheinungen des TageS in ihren Ursachen und Folgen gewissenhaft zu prüfen und mit dem Resultate dieser Untersuchung nicht znrückzuhalteu. Auch jene Ermahnnngen zählen wir zu den Tagesereignissen, bebeulend genug, um uns eingehender mit ihnen zu beschäfligen. Wir nehmen deshalb keinen Anstand, zu erklären, daß wir die aus den dargelegten Gründen behauptete Inopportuuität unserer Abhandlung ,.;um Versländniß der neuesten Phase der Reform" nicht anerkennen können, vielmehr der Ansicht sind, daß, wenn dieselbe in der Thal sich als geeignet erwiesen haben sollte, eine richtige Erkenntniß über bedeutsame Vorgänge der Gegenwart zu fördern, deren Augenlessenheit unzweifelhaft dadurch festgesiellt worden ist. Wir möchten diese Behauptung hier näher begründen. Daß von antisemitischer Seite möglicher Weise auch die Spaltung innerhalb der jüdischen Gemeinden als Waffe benutzt werden kann, wollen wir nicht in Abrede stellen. Wir glauben aber nicht, daß es in der angedeuteten Weise geschehen wird, und wenn es dennoch der Fall sein sollte, daß damit ein besonders wirksames Mittel in Anwendung gebracht werden würde. Diese unsere Ansicht stützt sich darauf, daß diese Spaltung eine längst offenkundige Thatsache ist, die auch unseren Feinden hinlänglich bekannt ist. In Berlin und Hambürg existiren schon seit mehreren Dezennien ansgesprochene Reformgemeinden, an erftcrcm Orte, zu Franksnrt a. M., Wiesbaden, Köln, Trier, Mainz, Darmstadt, Karlsruhe. Straßburg ausgesprochen orthodoxe Shnagogengenleinden; in Berlin ist neben der von Geiger gegründeten Hochschule zur Ausbildung von Reformrabbincrn, das -H i! des h ei me r'sche orthodoxe Rabbinerseminar vorhanden-, in der eigentlich jüdischeu Presse treten die vorhandenen Gegensätze durch die verschiedenen Tendenzen dienenden Organe .fortwährend an die Oesfentlichkeit — vollzieht sich dieses Alles unter Ausschluß der weitesten Publizität, dringt hiervon gar nichts in nichrjüdifche Kreise, ist dieses Alles den Antisemiten bis jetzt verborgen geblieben, daß erst unsere Abhandlung davon die Kunde hinaustragen müßte? Im feindlichen Lager wissen die Führer ganz genau, welche Bedeutung im jüdischen Kreise die Rainen Samson -Hirsch, Zacharias Frankel, Abraham Geiger haben, und von der vorhandenen Divergenz deS religiösen Lebens kann jeder christliche A-B-E-Schütze erzählen, der wahrnimmt, daß unter seinen jüdischen Kameraden der eine am Sonnabend den Schreibgriffel nicht handhabt, der andere aber munter ans der Tafel die Buchstaben nachmalt. Wenn der heutige Antisemitismus demnach die vorhandene religiöse Spaltung unter den Inden als Angriffswaffe venverthen!vollte, so hätte er schon längst dazu Gelegenheit gehabt. Er hat aber unseres Wissens bis jetzt davon Abstand genommen, weil er damit nichts für seine Zwecke zu erlangen vermöchte. Ist doch auch das Ehristeinhnm in verschiedene Konfessionen anseinander gegangen, ohne daß man aus dieser inneren Scheidung auf eine zersetzende Eigenthümkichkeit deS EhristeuthnmS einen Schluß gestatten würde. ES würde deshalb keine stumpfere Wesse geben als die -Hervo.- Hebung der Thatsache, daß sich auch innerhalb der Judenheit eine ähnliche Scheidung vollzieht oder vollzogen hat Der preußische Antisemitismus wendet sich in seinen Angriffen namentlich gegen das ״Re formjudemhum", der ungarische gegen das ״orthodoxe." Aber das Borhaudensein einer religiösen Spatlnng im jüdischen Lager ist nirgends znm Vorwände von Angriffen benutzt worden, trotzdem dasselbe allbe׳ faimt ist. Es ist darum gar nicht ab.zusehen, ans welchem Grunde man die Erörterung thatjachlich obwaltender Umstände von der öffentlichen Diskussion in einem speziell jüdischen Blatte ausschließen sollte. (Fortsetzung folgt.)

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