Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1884)
- Article
- Zum Verständniß der neuesten Phase der Reform
- Date
- 1884-08-07
- Page
- 499 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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schen Gemeindelcbens durch Förderung und Pflege des religiösen Sinnes und Lebens in Haus und Familie selbstständig zu arbeiten"; — die Bersammlung dagegen hat ״durch höhere Weihe des Sabbaths und der Feste re." eingeschaltet. Das ist der ״konservative Zug"! Woher derselbe stammt und wohin derselbe fuhren soll, dürften wir gezeigt haben. Die Versammlung hat aber einen sehr wichtigen und bedeutungsvollen Schritt gcthan. Sie hat sich als ״Verband der Rabbiner Deutschlands" konstituirt und ein provisorisches umfangreiches Statut adoptirt. Wir erblicken hierin eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Zukunft. ES ist mit diesem Verbände ein neues und sehr augrifffähigcs Instrument geschaffen. Dieser Verband giebt sich nach Außen als die Vertretung dcS gesammten deutschen Rabbinats, und er wird als solcher sich bei einer einigermaßen geschickten Leitung sehr bald einer sehr gewichtigen Autorität den Negierungen gegenüber erfreuen, so daß eS ihm sehr wohl gelingen kann, auf die Entschlüsse derselben sowohl, wie der' gesctzgebenden Versammlungen bestimmenden Einfluß in jüdischen Angelegenheiten zu gewinnen. Wenn dieOrthodoz.׳cr1 sich nicht bei Zeiten versehen, so können sie sich vielleicht als das Aschenbrödel der Jndcuheil von Oben behandelt sehen. Die Reform, welche innerlich morsch und hohl ist, kann dadurch zu einer gewaltigen äußeren Machtstellung gelangen, gegen welche wir nichts zu erinnern hätten, wenn sic sich nur als Reform, als Schisma allgemein kenntlich «lachen würde. Sie prätcndirt aber, auf dem Boden des historischen JudenthumS zu stehen und dasselbe zu repräscntircn. Da liegt die Gefahr. Wir glauben deshalb, daß die Reform außerordcntlich glücklich und geschickt operirt hat und daß die Versammlung des 4. und 5. Juni dem eigentlichen Zwecke außerordentliche Dienste geleistet hat. so sehr sic auch einmal wiederum ihre innere Schwäche und Unfähigkcit dokumcntirte, so sehr sie auch mit verdeckter Karte spielte, so sehr sic auch bei ihren Verhandlungen das Licht der Oeffentlichkcit sicherlich mit Recht zu schellen hatte. Lon Samson Raphael Hirsch. XVI. Göttliches Walte». (Fortsetzung.) Dem Schlechten ergebene Menschen begreifendie Waltung nicht, Die aber Gott suchen, begreifen Alles. (28,5.) Menschen, die nur Sinn für das Schlechte haben, die da nichts Höheres als das (Netlendmachen der Selbstsucht und kein Glück als in Befriedigung der Sinnentust kennen, bcurthcilen naturgemäß von ihrem Standpunkte aus das Glück und Unglück der Menschen, und die Vertheilung der verschiedenen Geschicksloosc aus der Gotteswaltung. Damit entgeht ihnen aber jeder Maßstab auch nur zum Anfang einer Einsicht in die Wege der göttlichen Waltung, und sie leugnen eine Vorsehung, deren Walten ihnen ein Räthsel bliebe. Menschen aber, die selbst für sich kein höheres Anliegen kennen, als mit Einsetzung ihres ganzen geistig sinnlichen Wesens und Strebens die Gottesnähe zn gewinnen, und die höchste Bestiiilmnug und das höchste Menschenglück in dem lohnenden Bewußtsein göttlichen Wohlgefallens durch treu erfüllte Pflicht suchen, die begreifen die Wege der göttlichen Waltung als ziehende und läuternde Er- Ziehung der Menschen zn der Hoheit dieser Bestimmung und zn der Höhe dieses Glücks, und für sie sind die Wege der göttlichen Waltung keine Räthsel. ■#־ Dörncr, Fallen, liegen im Wege der Krummwandelnden, Wer seine Seele hütet hat sich von ihnen sern zu halten. (22, 5.) So gclviß unser ganzer Wandel unter Obhut und Leitung der göttlichen Waltung steht, so gewiß dürfen wir jedoch nicht unsere Augen schließen und blindlings in dem Vertrauen wandeln, Gott werde nnS schon schützen, Nicht umsonst hat Gott dem Menschen Augen und Verstand gegeben, sie haben wir gewissenhaft zn gebrauchen, um Hinderndes und Gefahrbringendes zn erkennen, zu umgehen und zu beseitige«, das, sei eS durch die Natur (צנים, Dörncr), sei cs durch Menschen- Veranstaltung (2הים, Fallen), sich in dem Wege, den wir zu wandeln gedenken, befinden möchte. Erst wenn wir die uns verliehene Einsicht zu unserer Erhaltung gebraucht haben, dürfen wir auf Gottes Beistand rechnen. Ein blindes Sichanfgottvcrlassen, wo wir unsere Augen gebrauchen sollten, wäre עקשות, wäre eine keineswegs zu rechtfertigende Verkehrtheit. * XVII. Die Hintevlasseirschaft der Väter. Verrücke nicht eine für ewig gezogene Grenze, welche deine Väter geschaffen. (22,28.) Verrücke nicht eine für ewig gezogene Grenze, und in die Accker von Waisen komme nicht; Denn ihr Anwohner ist stark, Er führt ihren Streit mit dir. (23,10.11.) Beschränkende, die Thatbefugniß begrenzende Einrichtungcn, תקנות ,מנהגים ,גזרות, welche die Väter mit einer Geltung für ewige^Zeitcn geschaffen, stellt unsere Spruchweisheit mit שדי יתומים, mit Waisen-