Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1884)
- Article
- Zukunfts-Phantasiebericht aus dem ungarischen Reichstage
- Date
- 1884-07-10
- Page
- 435 (sequence 1)
- Language
- German
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|11!1!i!1ft!)־p1}11ntfl|ifI1fri(i)t aus km | Hii!j!1nfdjr1t Reilhstiige. j (Ans dem ״Neuen Prflcr Journal".)! Präsident: Professor Ncndtvich. Schriftführer: Sigmund ESatar. Auf der Ministcrbank: Minister- Präsident Istöezh, Minister des Innern FazckaS, Finanzminister Julius Verhovay, Kultusminister Zimandh, Instizniinistcr vr. Theodor Panter, HandclSminister Emcrich Szalay, KommnnikationSministcr Geza Onody, LandcSvertheidignngSminister Szcmnccz, Minister a 1a.- leie Fürst Windischgrätz. Präsident theilt mit, daß, nachdem das der überwiegenden Majorität entnommene erste antisemitische Ministerium (Eljcn!) sich dem Hause vorgestcllt hat, nunmehr an die Bcrathung des AdreßentwnrfcS geschritten werde. AnSschußresercnt Vary besteigt die Tribüne und verliest unter athcmloscr Spannung den Adreßentwurf. Derselbe lautet: ״Eölseges ruunk! Mdolö tisztelettel kozeledve legmagasb trönjahoz, a nemzet kiväualmait öszinte szereuyseggel fcjezziik״ki felseged eiölt, egy szivvellelekkel kialtvän: Üsd a zsidöt! Kik egyebirant stb. — Deutsch: Allergnädigster Herr! In ehrfurchtsvoller Huldigung nahen wir dem erhabenen Throne Ew. Majestät, um die Wünsche der Nation in schlichter Aufrichtigkeit zum Ausdrucke zu bringen, indem wir einträchtig auSrufen: Haut den Juden! Die wir übrigens re. Die Verlesung der Adresse wird von der Majorität mit begeistertem Beifall begrüßt. Unter lauten Znrufen: Elfogadjuk! meldet sich der Abgeordnete Koloman Tißa zum Wort. Tißa: Geehrtes HauS! (Stürmische Unterbrechung. Rufe: Zsido, liailgass! Abgeordneter Tißa setzt sich nieder.) Ministerpräsident Islöczy: (Große Spannung. Die Abgeordneten gruppircn sich um den Sprecher.) Geehrtes HauS! Es versteht sich von selbst, daß ich gegen die kernige, die Gefühle und Bedürfnisse des Landes so klar und maßvoll zum Ausdrucke bringende Adresse (Eljcn!) in merito nichts einzuweudcn habe. (Zustimmung.) Diese Staatsschrift ist ein Meisterwerk politischer Darstellung, welches die Enunziationcn eines Dcak und CSengery in den Schatten stellt. (Sehr wahr!) Nur in stilistischer Beziehung erlaube ich mir ein kleines Amendement vorzuschtagen, welches das Wesen der Sache nicht berührt, aber unseren konstitutionellen Einrichtungen besser Rechnung trägt. (Hört!) Die Auffordcrung ״Üsd a zsi<iöc!;i hat in dieser Form den doppelten Nachtheil, die Krone mit ״Du" anznsprechen und die Aufgaben der Reform einseitig der Exekutive zu überlassen. (Richtig!) Wir können nicht gut auf unsere Mitwirkung an dem heilsamen Werke zu Gunsten eines anderen Faktors der Gesetzgebung verzichten, und so beantrage ich denn, daß es in der Adresse heiße: Üssük a zsidöt! Hauen w ir den Juden! (Stürmische Zustimmung.) — Abgeordneter Balthasar Horvät: Hohes Haus! (Lärmende Unterbrechung. Rufe: Kuss, sakterl Abg. Horvüt setzt sich.) — Referent Barh vcrtheidigt in längerer Rede die ursprüngliche Fassung und erklärt schließlich, cS sei am Ende gleichgültig, wer die Juden haue, wenn sie nur wirklich״gehauen werden. Er bcantragt daher die Form: Ütessek a zsidö! (Der Jude werde gehauen!) Abg. Karl EötvöS: (Tosender Lärm. Rufe: Makler! Mörder! Elall!) Geehrtes HauS! (Erneuter Lärm.) Präsident: Ich mache das geehrte HauS anfmcrksam, daß der Herr Abgeordnete sich für den Adrcßentwarf hat cintragen lassen. Ich bitte daher, die Redefreiheit zu wahren (Zustimmung. Ruse: DaS ist was Anderes! Redefreiheit!) Abg. EötvöS: Hohes HauS! Ich habe mich infoferne für den Adreßentwurf cinschreiben lassen, als ich, wenn die Juden einmal nicht zu retten sind, wenigstcnS die ungarische Rechtschreibung retten möchte. Der Ungar gebraucht nicht gern die passive Form. Üttessek a zsidö! klingt gar nicht ungarisch. (Zustimmung.) Setzen Sie vielleicht: Üsse a menkö a zsidöt! sDaS Donnerwetter erschlage den Juden!] (Zustimmung.) Finanzministcr Lerhovay protestirt lebhaft gegen diesen Antrag, der eben nur von dem gedungenen Berthcidiger der Juden auSgchcn konnte. Eötvös wolle eine Aufgabe, die das Volk der Negierung und der Vertretung zngcwiesen habe, dem Donnerwetter überlassen. Wer bürge dafür, daß sich ein Donnerwetter rechtzeitig emstelle? Und wenn ja, daß cs gerade nur die Juden erschlagen werde? Redner müsse sich gegen eine solche Verschleppung der dringendsten Angelegenheilen schon von seinem Standpunkte als Finanzministcr verwahren. Er müsse, um sein Budget zusammen;»- stellen, wissen, woran er mit den Juden sei. (Nichtig!) Die Ausgaben könne der Reichstag leicht votireu-, aber die Einnahnren könne er doch nur ans dem konsiszirten Vermögen der Inden bestreiten und bis diese verfugt sei, könne er nur ein provisorisches Budget ansstellen. (Rufe: Nehmen Sie Esangögelder!) Der Minister des Innern kann nicht umhin, die Worte seines Kollegen, deö Herrn Finanzministers, der eingehendsten Beachtung zu empfehlen. Wenn mit den Inden nicht bald etwas geschehe, so sei die größte Gesahr, daß überhaupt nichts Wirksames werde geschehen können. (Hört! Hört!) Ein großer.Theil der reichen