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Jeschurun · 1884-07-03 · Heft 27 (3.7.1884) · p. 418

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 27 (3.7.1884)
Article
Zum Verständniß der neuesten Phase der Reform
Date
1884-07-03
Page
418 (sequence 2)
Language
German
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418 flcfartimtcn Juden schüft angesehen wurden, mochten solche noch noch so sehr im Widerspruch stehen zu der religiöscn Ucberzcugung der gcsctzcStrcuen Israeliten Deutschlands. Es erscheint in der That unbegreiflich, wie die Phrase non dem Ausschluß jedes religiösen Differenz- Punktes in religiösen Angelegenheiten zum Vchusc eipcr gemeinsamen Thätigkeit aus religiösem Gebiete zur Anerkennung, theilwcise auch im Lager der Gesetzestreuen, gelangen konnte, so das; sie ihre Mitwirkung nicht versagten bei Bestrebungen, welche unter diesem Borgeben nnlernonnnen wurden. Ans jeden! anderen Gebiete würde man es doch als eine Bcrnunftwidrigfeit erachten, wenn sich Männer zu einer gemeinsamen Arbeit vereinigen wollten, deren Ansichten über das herznstcllende Werl selbst so schroff sich einander gegenüberstehen wie Reform und Orthodoxie. Es handelt sich z. B. um die Beförderung des Handwerks unter den Inden. Die Erlenntniß, daß man für diesen Zweck sich zu bemühen habe, jüdische Knaben für das Handwerk ausbildcn zu lassen, dürfte eben keiner besonderen Weisheit entspringen, welche erst durch eine gemeinsame ernste Erwägung hervorragend weiser Männer geschöpft werden müßte. Jetzt aber wird die Ansicht ausgesprachen, daß man Bedacht nehmen müsse, bei Unterbringung der Knaben solche Lehrstellen ausfindig zu uiachen, in welchen den jüdischen Lehrlingen die gewissenhafte Beobachtung der Sabbath- und Spciscgesctze garantirt werde. ״Das ist eine religiöse Frage," wird in der Versammlung jüdischer Männer von maßgcbcndster Seite entgegnet, ״und alle religiösen Differenzpunkte sind grundsätzlich ausgeschlossen." Mau schaut auf das Statut und findet, daß; dem wirklich also ist. Im Bewußtsein, gegen den heiligen Geist des Statuts und der Geschäftsordnung sich versündigt zu haben, schlveigt mau und bekennt sich durch das Verbleiben bei der gemeinsamen Arbeit zu dem ״cinstiinmig" gefaßten Beschlüsse, welcher jeden Anklang an bie religiösc Frage wohlbedacht vermeidet. Die Leitung derselben Bereinigung aber versendet einen Mustcrplan für bie Gestaltung des Religionsunterrichts in ganz Israel. Durch diesen Plan werden viele spezifisch jüdische Gesetze mit großer Umsicht von dem Pentateuch- Unterricht ausgeschlossen. Da helfen freilich keine Remoitstrirungens die Vereinigung hat ja die Förderuug des Religionsunterrichts auf ihr angeblich religionslojcs Programm gesetzt. Der Einspruch der Gesetzestrcucu verläuft also gegen dies Statut; man schweigt und sanktionirr durch sein Verbleiben in der Vereinigung den von dieser empfohlenen Lehrplan, und glaubt vielleicht ein Hohes erreicht zu haben, wenn neben diesem einen, das Judenthum aus dem Herzen der Jugend zu reißen bestimmten Plan, noch ein anderer Plan darauf zur Versendung gelangt, welcher nicht so radikal ist. Dieses erscheint uns so unbegreiflich, daß wir unsere Unsühigkeit gestehen, eine Erklärung hierfür zu finden. Wohl aber wissen wir. daß dadurch die Lcrwirruug in den Anschauungen Einzelner und Gemeinden immer größer geworden ist, und daß cs hohe Zeit wäre, durch ein klares unzweideutiges Bekennen und Bethätigen der einzigen Wahrheit das Bewußtsein von der unverbrüchtichen und unantastbaren Heiligkeit und Verbindlichkeit des gcsammtcn Gesetzes in dem Herzen unseres Volks zu stärken. Auf dem Gebiete des Indeuthums ist eine Zwiespältigkeit der Gesinnung nicht möglich. Man kann nicht Diejenigen, welche das Gesetz ganz oder theilwcise mit Bewußtsein verleugnen, als Nertreter, Führer, Leiter, Lehrer und Rabbiner des Judenthums ansehen. כי דבר ד׳ בזה ואת בלצותו הפר הברת תברת הנפש ״ ההיא עונה בהDenn ein Wort Gottes hat er verachtet, hat ein Gebot von Ihm unwirksam gemacht, entwurzelt, entwurzelt wird diese Seele, ihre Sünde kehrt wider sie", heißt cs Numeri 15,31, und als. Erläuterung dieses GotteSauSsprnchS wird Sanhcdrin 09 ausgeführt: ״wer auch nur ein Wort Gottes leugnet, so daß er die ganze תודה mit alleiniger Ausnahme dieses einen Wortes als göttlich anerkennte, dieses eine aber Moses znschricbe, oder auch nur eine Ausdrucksweise, die Verbindlichkeit einer feststehenden Folgerung oder überlieferten Analogie leugnet זהו בי דבד ד' בזה der hat ein Wort Gottes verachtet und das Band der Treue zerrissen zwischen sich und dem Judenthum, bamit aber seine eigene Zukunft vernichtet." Das ist der Standpunkt des Indeuthums den GcsctzcSverüchtern gegenüber, denen, die ״ ביד רמהmit gehobener Hand" sich gegen die Verpflichtungskraft des ganzen Gesetzes auslehnen und zum Bcrrath und Empörung durch Wort und Beispiel ausfordcrn. Mit solchen giebt es keine Berathung zum gemeinsamen Handeln, wie mau dem Verfall und Sinken des religiösen Geistes in Hans und Gemeinde cntgcgenwirken könnte; mit solchen kann man nicht als den ״berufenen Vertretern des Indenthnms" für die Erhaltung des IudcnthnmS gemeinsam berathen unter Ausschluß der religiösen Difserenzpunkte; diesen hat man mit dem ganzen Ernste der eigenen Ucberzetignng zu entgegnen: ihr wollet für Gott und Sein Gesetz auftreten, dazu seid ihr nicht würdig und fähig, es sei denn, daß ihr erst selbst eure irrigen Anschauungcn berichtigt, eure Irrlehren widerrufen und zu euren Gemeinden gesprochen habt, wir haben gefehlt und gesündigt und haben euch zu Fehl und Sünde verleitet, lasset uns zurückkehren zu Gott und Seinem Gesetze; wir wollen euch fürderhin ein Beispiel der gewissenhastesten Treue sein, wie wir bis setzt euch in

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