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Jeschurun · 1884-06-26 · Heft 26 (26.6.1884) · p. 408

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 26 (26.6.1884)
Article
Nachtgestirne
Date
1884-06-26
Page
408 (sequence 3)
Language
German
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408 ..Ihr wolltet also wirklich? Wolltet mich nicht nur — — so sprecht, was sott ich thnn?" tilgen nahm eine gefüllte Börse ans der Tasche und hielt sic dem ungläubig Dreiublickendcu entgegen. ״Nimm, nimm," sagte er. ״und trage das den armen Waisen hin. Es genügt, um für die nächste Zeit von ihnen die Noth fern zu halten. Tröste die Katinka und richte ihr ans, daß ich immer bereit sei, ihnen mit Rath und That bcizustchcn. Nun so nimm, was zögerst Du?" Johann stand unschlüssig und schaute unruhig zur Erde. Er kämpfte sichtlich irgend einen unangenehmen Gedanken nieder. ..Ihr kommt — aus eigenem Antriebe," brachte er endlich hervor, ״und laßt der Katinka die Hülfe anbieten — aber — verzeiht mir tausend Mal — weiß Gott, ich mag Niemandem mehr trauen! Thut ihr das wirklich nur, weil Ihr das Unglück, daS Euer Vater angerichtct hat, zum Theil wieder gut machen wollt, und habt Ihr keine Nebengedanken dabei, wie etwa der — — —. Sagt mir daS, denn bevor ich nicht darüber im Klaren bin, mag ich von Euch das Geld nicht annchinen." ״Ich verzeihe Dir, daß Du uiich in einen: so niedrigen Verdacht hältst," erwiderte Engen, ״Du kannst das Geld ruhig nehmen, denn hätte ich eine unlautere Absicht dabei, so würde ich eö den: Mädchen nicht durch Dich geschickt haben." Johann ergriff mit einer heftigen Bewegung die Hand Eugens und, noch che cs derselbe Hütte verhindern können, drückte er sie inbrünstig an die Lippen. ״Ja, ich fühle, daß Ihr die Wahrheit sagt, Herr, aber verzeihen müßt und werdet Ihr nur für :nciuen Zweifel, denn Gott weiß, ich bin so ängstlich, seitdem das Unglück geschehen ist! Aber," setzte er dann entmuthigt hinzu, ״behaltet nur noch einstweilen das Geld, eS ist bei Euch sicherer, als bei mir." ״Aber ich will, daß Du sofort hiugchst, damit daS arn:e Mädchen mit der Schreckensbotschaft zugleich Trost und Hülfe cn:pfängt." ״Ich darf zur Nachtzeit nicht meinen Posten verlassen." ״Auch ich weiß dieses," versetzte Eugen selbstbcwußt, ״ich will Dich auch nicht verleiten, Deine Pflicht zu übertreten. Ich will, so lange Du fern bist, Deine Stelle vertreten und hier oben die Wacht halten. In diesem Falle erlauben cS die Vorschriften, den Posten zu verlassen." ״Habt tausend Dank! So lange ein Funke Leben in mir ist, werde ich das nicht vergessen. — Wird Euch aber die Handhabung des großen RadcS nicht zu beschwerlich und Eure Kräfte übersteigen?" ״DaS lasse meine Sorge fein!" Von Eugen gedrängt, entfernte sich Johann durch die Dachluckc und schlug, nachdem er die Zugbrücke überschritten hatte, den Weg zum Orte ein. Eugen aber zog die Brücke mittelst einer großen Kürbel wieder auf. dann nahm er Johanns Lanze in die Hand und blickte, träumend au die Thurntbrüstung gelehnt, vor sich nieder. Er hätte jetzt ohnehin um alles in der Welt nicht cinschlascn können. Beflügelten Schrittes hatte Johann bald den Weg zun: Städtchen in kürzester Zeit zurückgclegt. Sein Geist war vorausgccilt zu den ::::glücklichen Kindern, denen er Trost und Hülfe bringen sollte. Da eS im ersten Viertel des Monates war und Mitternacht schon um einige Stunden vorüber sein mochte, war die Scheibe des Mondes bereits hin ׳er die Berge gesunken und Dunkelheit war an die Stelle des Mondscheins getreten. Johann bemerkte nicht die Gestalt des Pfarrers, als er über den Wiescnpfad dahinstürmte. Dieser hatte sich nämlich, seinen LeibeSverhältnissen angemessen, einen gemächlichen Schncckengang angcwöhnt, und so kam eS. daß er von Johann am Anfänge des Städtchens ringeholt wurde. Der Pfarrer stutzte, als er in den: eilende:: Fußgängcr den Wächter der Burg erkannte, denn er hattt das Berhältniß erspäht, in welchem derselbe zu dem Hanse Jörg'S stand. ״Wohin mag der Bursche so eilend rennen," mnrmellc er, ihn: nachblickend. ״Mir ahnt cS, und es wird gut sein, wenn ich mir Ucbcrzcugung verschaffe, ob sich wohl :::eine Ahnung bestätigt." Damit bejchleuuigte auch der Pfarrer seine Schritte und folgte in einer mäßigen Entfernung den: gewundenen Gange Johanns durch verschiedene Gärten und Bauernhöfe, bis derselbe vor einem nieder:: Häuschen Halt machte. Kein Fenster war im Häuschen erleuchtet, und Johann nnlßtc eine geraume Weile pochen und einigemal seinen Namen wiederholen, bis ihm von innen geöfsnet wurde. ״Verdammter Kerl!" brummte der Pfarrer, ״auch heute? — Gut, daß ich's weiß." Damit drehte er sich um und ging nach Hause. IV. In banger Erwartung des ihnen von Seiten deS Pfarrers drohenden Unglückes verlebten die Juden von S....Z, die jenen: verhüngnißvollen Abende zunächst folgenden Tage, und der Umstand, daß sich in der ersten Woche nichts Außergewöhnliches ereignete, vergrößcrtc nur noch ihre Befürchtungen, anstatt dieselben zu verscheuchen. ' (Fortsetzung folgt.)

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