Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1884)
- Article
- Zum Verständniß der neuesten Phase der Reform
- Date
- 1884-06-26
- Page
- 403 (sequence 3)
- Language
- German
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403 verblühten Schönen einen gewissen interessanten, Matronenj hasten Anstrich — die harmlosen, beschränkten Menschen! werden dann wähnen, wir wollten nach und nach wieder! jiun alten Indenthnme zurncklehrcn, woran wir natürlich nicht denken, — wir wollen mir den Status quo; erhalten, — und werden uuL gern zu Willen sein, wenn wir cS nur fein anfangcn. Die Scheidung zwischen Reform und Orthodoxie muß aufgehoben werden.- Wir proklamircn die Einheit der Gemeinden, wir leugnen den vorhandenen Gegensatz, wir zeigen uns als die Inkarnation dieser Einheit deS Indenthumö mit dem Doppelgcsicht der Reform und Orthodoxie. Den Reformern rufen wir dann zu: nur der Einheit und des Friedens willen haltet ein wenig imrc in dein lobcnSwcrLhcn Streben nach fortschreitender Aufklärung, nehmt Rücksicht auf die Ge- Nüssen, die nicht so rasch nlitkonimcn können, überhastet euch nicht, verlaßt euch auf u»S, wir führen euch nach wie vor, wenn auch vor der Hand etwas langsamer, sicher zu dem unS bekannten Ziele. Zu den Orthoboxen aber sagen wir: habet nur Vertrauen zu uns, wir leiten die irrenden Verblendeten wieder auf die Bahn des Guten und Rechten zum alten Indenthnme hin; ihr müßt aber Geduld haben, eS geht nicht so schnell, nur in Güte und durch sanftes Ucberreden läßt sich dieses Große erreichen. (Fortse^ung folgt.) Aillg!!umis!I1k Zprilliiilitlsheit. Bon TlNttsoil iNa-tzacl Hirsch. (Fortsetzung.) XV. 'Allwissenheit (tzotrcs. Aller Orten sind die Augen GottcS, Schauen Böse und Gute. (15, 3.) Grab und Verwesung sind Gott gegenwärtig, Geschweige die Herzen der Menschen. (15, H.) Das hörende Ohr und das schauende Auge, Gott hat sic ja beide geschaffen. (20, 12.) GottcS Lampe ist die Seele des Menschen, Durchforscht alle Gemächer dcS Innern. (20, 27.) Ucbcrall und Alles schauen GottcS Augen. Keine Stellung und keine Lage entzieht dich den Blicken GottcS, und Er schaut die Bösen wie die Guten. Gedankenlos sprichst du, Gott sicht das Schlechte nicht, das auf Erden geschieht, und die Schlechten nicht, die eS üben, wie würde er sonst es dulden! Daß daS Schlechte geschehen könne, daß Menschen auch schlecht sein können, das gehört mit zu GottcS wohl durchschautem Weltenplan, daS Gute wäre ja Gutes nicht, wen!! nicht auch Schlechtes fciu könnte, die Menschen wären ja nicht ״gut", wenn sic gut sein müßten, wenn sic nicht auch schlecht sein könnten, und, wie dies unsere Spruchweisheit schon ausgesprochen, auch daS Schlechte dient unter der Hand dcS Welteumeisters zur Förderung des Guten und der Guten. (2<>, 10. 10,4.) Selbst da, wo des Menschen Blick anfhört, das, was sich dem Menschen als Ende und Aufhören alles Seins und Werdens darstcllt, selbst Grab und Verwesuug sind noch Gegenstand dev göttlichen Fürsorge, ans dem Grabe wieder Leben, und frisches Anfcrstehcn ans der Verwesung zu wecken, und die noch frischpulsircndcn Menschenherzen, in der ganzen Mannigfaltigkeit ihrer Nähe oder Entfernung vom sittlich Guten, sollten sich dem göttlichen Blicke entziehen, sollten nicht Gegenstand der göttlichen Fürsorge sein, anS dem Grabe der Sittlichkett wieder zu sittlichem Leben und ans sittlicher Verwesung zu sittlicher Gesundheit zu führen'?! Siche, Gott hat daS Auge zum Werkzeug dcS Sehens, das Ohr zmu Werkzeug des Hörens gebildet und hat deiner Seele die .Kraft verliehen, vermittelst des Auges zn scheu und vermittelst des Ohres zn hören, und sein wäre nicht die Kraft zn schauen und zu hören, und cS wäre dein Schauen und Hören nicht nur ein schwaches Angebinde von seinem Alles durchdringenden, Alles vernehmenden Schauen und Hören?! Siche, die Seele, die du in dir trägst, sie selber verkündet dir GottcS Schauen und Hören. Fühlst du cS nicht, wie Gott mit ihr seine Lampe dir eingesetzt, wie er mit ihr alle Falten deines Innern durchleuchtet, wie sie dich an GottcS Statt vernimmt, dir alle deine Fehler rügt, dich vor dem Begehen ׳ eines Unrechts warnt, und nach begangenem Unrecht dir keine Ruhe läßt, dich deines Lebens nicht froh sein läßt, bis du deinem Gotte dein Unrecht gestanden, und Wicdcrgutmachen und Besserung gelobt? Diese GottcS-Lmchte, die wir Gewissen nennen, sie ist auch ein Schauen von GottcS Auge und ein Hören von GottcS Ohr. ־* XVI. (Göttliches Walten. Ein König sitzt ans bcm Thron des Rechts, Sichtet mit seinem Auge alles Schlechte. Wer könnte sagen, ich habe mein Herz klar gehalten, Bin rem geblieben von meiner Sünde! (20, 8. 9.) Schmelze für Silber Tigcl für Gold, Der Herzen Prüfer ist-Gott. (17, 3.) Das Schlechte zn sichten — (זרת wie Jesaiaö 30,24) — cs immer mehr aus den Gcmüthern, anö dem Gemeinwesen und den Zuständen der Menschen anszuscheidcn, auf daß die Menschen immer besser, die Gemeinwesen immer gerechter und die Zustände immer heilvoller werden,- das ist das Augenmerk der göttlichen Wallung, dazu sitzt er als König ans dem Thron dcS