Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1884)
- Article
- Deutschland : Berlin, 15. Juni [Nachricht]
- Date
- 1884-06-19
- Page
- 395 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2933049-2933074--15917-2957523- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
395 und heute gern wiederum machen möchten, die sollten! schweigen, die sollten in den eigenen Busen greifen und : ihre Gottesnähe mtb Tagend einmal ernstlichst prüfen. ״Der Spott der Böller" fällt nicht uns zur Bist, der j ruht zentnerschwer auf den Böllern, die uns ver-! spottet und verhöhnt. Die ״Krciizzeiluug" lhul nicht wohl daran, dem Sühnewerk, das die Böller den Inden zu bereiten im Begriffe sind, hindernd in den Weg zu treten. * C. Berlin, H; Juni. Vergangenen Donnerstag hat die Berliner Iudenmissionsgesellschast ihr Jahresfest begangen. Der Missionar Da ab berichtete, das; im Vaufe dieses Jahrhunderts durch die Mission über 3 00 000 Juden belehrt sind und zwar durch die Berliner Gesellschaft allein 100(1. (ii־ meinte, gerade jetzt sei sür Israel eine Heilszeit. Durch das Iudenthnm gehe, heroorgerufen durch die ainijüdisehe Bewegung, gegen deren Entartung zu Verfolgungen er protestirt, eine mächtige Bewegung. Im vergangenen Jahre seien über ö»«u> Traktate und über H)0 Neue Testamente vertheilt, in Juden befanden sich in! Unterricht. lu andere wurden anderen Geistlichen überwiesen: von jenen H) wurden 1 2 getauft, darunter am letzten Sonntage eine ganze Familie, die Eltern und!"> Kinder. Daab hat außerhalb in 27 Gemeinden gepredigt, in Berlin in 7 Kirchen. Für den Grad der Unkenntnis;, in der sich noch so manche Vente über die Bestrebungen der Judenntission besiuden, führt er bemcrkenswerthe Beispiele au. In einer Stadt war angelündigr worden, das; am nächsten Sonntag ein Indenmissiona׳.׳ predigen würde. Am festgesetzten Tage war die Kirche gedrängt voll, die teilte erwarteten, daß ein Rabbiner predigen würde. In rvie weit diese Angaben der Wahrheit entsprechen, können wir nicht beurtheilen. Wir glauben aber nicht, daß die Thätiglcit der Indenmission eine so erfolgreiche ist. Herr Daab dürfte aber mit seinen Mandanten besser daran thnit, weil ihnen hierzu die Verpflichtung viel näher liegt, seine eigenen Glaubensgenossen von der Verfolgung und dem Hasse der Inden abznhalten und ihnen das Gebot der Nächstenliebe eindringlich zu predigen. st Breslau, 7. Juni. Unsere 5 städtischen Gymnasien werden von 31 7:3 Schülern besucht, darunter sind 71)2 Juden. Unter den 1(>24 Bürgerschülcrn sind 351 Juden; auf den 4 höheren Töchterschulen sind unter 1014 Schülerinnen 471 jüdischer Konfession.׳ In einer Mädchenschitle (an der Tasehenstraße) sind die jüdischen Mädchen stärker vertreten, als alle anderen Konfessionen zttsammengenommcn — und trotzdem b׳> steht unsere gtttc Stadt noch! Merkwürdig! 0. Frankfurt rr. M., 12. Juni. Dem ״Fest. Journal" entnehme ich: Einer unserer israelitischen Mitbürger meldete sich bei einem hiesigen größeren Gesangvereine als Mitglied an und wurde ausgenommen׳ Nachdem er dem Vereine längere Zeit angehört, erklärten zwei Mitglieder, die mit ihm früher in einem andern Vereine geivesen waren, wenn er nicht anstretc, würden sie sich abmeldcn. Um diese Mitglieder zu erhalten, ersuchte man den Israeliten, ans dem Vereine auszuscheiden. Er lhat das nicht und so wurde eine abermalige Ballotage ungeordnet, die für ihn günstig anssicl. Danach traten 18 Mitglieder ans, weil sie nicht einen! Vereine angchörcn wollten, der durch sein Verhalten in dieser Frage antisemitische Tendenzen doknmentirt habe. 3.. Von der Nahe, 10. Juni. Da konnnt eben mein christlicher Kollege mit dem 22. Heft der Greuzboten;u mir, welches er aus dem Kasino entnommen hat, und spricht: Vesen Sie und theilcit Sie meine Entrüstung. Da lese ich denn, als Karakteristik für die Gesinnung des Landvolks zwischen Saarbrücken und Kassel, das Folgende: ״Rur im Verkehr.mit den Inden, welche den Bauer leider öfter heiinsnchcn, als dem Volksfrennde lieb sein kann, wird, gleichviel ob einer jung oder alt ist, fast allgemein das ״Du" gebraucht. Wo imitier sich ein Jude blicken läßt, gilt das ״Du" als selbstverständlich — wahrscheinlich als redendes Zeichen der Ehrerbietung niid d״s tiefer« Ne׳ spekts vor der uneigennützigsten Nation." ,.Rttn, was sagen Sie?" spricht Jener, als ich 11)11! das Heft wieder hinreichc. ״Nichts," meine ich lächelnd; ״die Grenzboten zählen zu denjenigen Blättern, welche uns nicht hold sind." ״Aber es ist doch unerhört, wie man solches schreiben mag! Ich kenne einen The!! des Landftrichs, von welchem der Artikel handelt, doch auch ziemlich genau und weiß, daß der Landmaim mit den Inden auf sehr frcnlldlichem Fuße steht. Wenn er auch vor! den ״Inden" spricht, so liegt hierin keine beabsichtigte Herabwürdigung. Sie werden ja auch der Iudenlehrer genannt, ohne daß dieses an dem freund-׳ schasltichen und geachteten Verhältuiß, in welchem Sie zn der Bürgerschaft stehen, irgend welchen Abbruch!Hut. Senden Sic doch den Grenzboten eine Berichlignng." ״Ich denke nicht daran, solches zu lhnn." entgcgncte ich. ״Dann thne ich's!" rief mein Kollege eifrig. ״Es ist eine Schande, daß solche falsche Schildernugcn durch die Welt die Runde machen." ״lassen Sie es gut sein," crwiederte ich. ״Ihre Berichtigung würde doch nicht ausgenommen!vcrden und Sic, falls Sie Ihren Taufschein beilegten, als Indengenosse gebrandmarkt werden. Wir wollen lieber, ein Jeder in seinem kleinen Kreise, dafür sorgen, daß die uns anvertraute Jugend nicht von dem in den großen Städten jetzt herrschenden Vornnheil angesteckt wird; — Sie in Ihrer Schute, ich in der mcinigcn. Damit thnn wie unsere Schuldigkeit.' Ein Weiteres kann man von