Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1884)
- Article
- Der deutsche Antisemiten-Bund
- Date
- 1884-06-19
- Page
- 387 (sequence 3)
- Language
- German
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387 Mißbrauch des russischen Kaisernaniens über die j Juden herfielen, er verschmäht aber auch die liebgc- : )vohnten heimischen Allster nicht, und so tragen seine Itaritäteu nicht nur das seine Echtheit dokumennrende! Wodka Aroma an sich, sondern athmcn auch den de-! kannten lieblichen Dust der $ oniqgvätzer Viktoriaj Brauerei und anderer (Darren an der Spree, in welchen flftr edle und fromme Meister das wundersam herrliche \ Blümlcin Antise 1 nilism! 1 s pflanzen und pflegen in nnvcr- . drosscner Lust. j Wo der Heldenkaiser ist, dort weilt auch sein! eiserner Kanzler; auch für Fürst Bwinarck's Politik! soll der Bund der deutschen Antisemiten angeblich wirken. > Jeder thne das Seine, oder, wie Herr Pickenbach mahnte,! sein Bestes; der Kanzler will durch Krankenversicherung,! Unfallversicherung, Altcrvcrsvrgnng für das Wohl der! Arbeiter sorgen; Herr Pickenbach ist aber slnggS mit! seiner Jnterprctationsknnst da und weiß besser, -als j Fürst Bismarck, was der Kanzler damit will: ״die Willkürherrschaft des kräfteansbentenden, markaussangenden Jndenthums vernichten". Darum arbeite der deutsche Antisemiten-Bnnd an demselben Werke, wie! der Ncichskaitzler. Kranken- und Greisen Unterstützung! sei identisch mit Jndenvernichtnng.! Freilich findet sich von diesen tollhänslerischen Wahn-! Vorstellungen keine Spur in den die erwähnten Gesetz׳ entwürfe begleitenden Motiven, und es ist wahrlich kein .Kompliment, welches der deutsche Antisemitcn-Bnnd dem ^Reichskanzler macht, daß dieser die eigentliche treibende Ursache seiner legislatorischen Handlung vcr-; schweigt, zumal das Jndemhum so verheerend in Deutsch-! land gewirkt und ״entsetzliche Zustände herbeigcführl habe", deren Beseitigung der Reichskanzler als dringendstes Bcdürfniß erkannt hat. Hätte aber dieser größte Staatsmann unserer Zeit cs vielleicht für weise erachtet, das wahre Motiv zu verschweigen, so wäre cs doch j eine horrende Bermessenheit des Bundes, einen Fürst! Bismarck korrigiren zu!vollen und dessen geheimste! Gedanken auf offenem Markte in die Welt hinanszn-; schreien. Es ist deshalb eine unerhörte Dreistigkeit - seitens des deutschen Anlisentiten-Bnndcs, der Welt glauben zu machen, daß er Hand in Hand mit des Fürsten Bismarck's Sozialrcsorm gehe. Der Reichskanzler verbittet sich eine solche Kollegialität, der Reichs-׳! kanzler jagt den Antisemiten-Bnnd zum Tempel hinaus, der Reichskanzler hat mit dem Treiben einer Genossen׳ schast nichts gemein, welche mit kecker Stirn sein und des Kaisers Rainen mißbraucht, und deren Dichten und Trachten geeignet ist, den innern Frieden zu stören j und den Bürger gegen den Bürger zu Haß und Bcr-! folgnng auszustachcln.! Wer sich nicht cntblödct, die Handlungen des Kaisers und seines Kanzlers für seine eigensüchtigen i Zwecke in ein falsches Rcht zu stellen, der schreckt auch vor dem Gcringern nicht zurück. Und so nimmt cs uns auch lein Wunder, wenn der deutsche Antisemiten- Bl!nd, eine Bereinigung, welche lediglich unpolitische, humane Zwecke verfolgt, die Alliance israelitc nniversolle als ein Ungeheuer darstcllr, welches die ihr unter׳ thäuige gesamiutc Jndenheit zu allein Schlechten verleite! und die Herstellung eines modernen jüdischen Staats zum Zwecke hat. Die Alliance wirkt seit Jahren vor aller Defsentlichleit, und Jedermann weis;, daß es keine größere Bigc gicbt, als eine solche Unterstellung. Und ebenso ist cs eine grobe Unwahrheit, daß in Berlin ein jüdischer Bcrcin ״Jsra" sich gebildet habe, welcher über Millionen gebiete. Dieser harmlose Verein führt nicht den Ramcn ״Jsra", sondern ״Esra" und hat den Zweck, arme jüdische Kolonisten in Palästina zu unterstützen. Er verfügt über sehr winzige Mittel; der jährliche Beitrag beläuft sich statutenmäßig auf nur!>0 Pfennige. Er hat bis jetzt, unseres Wissens, erst k 50 Mark nach Palästina gesendet. Wenn etwas geeignet ist, die Augen unserer christlichen Mitbürger über das verwerfliche Gebühren der Antisemiten zu öffnen, so ist es diese erste größere Bcrsammlnng des ״deutschen Antisemiten Bnndes". Ein jeder Redliche wird sieh mit Unwillen von Bestrebungen abwendcn, welche zu Trug und Entstellung ihre Zuflucht nehmen. p10־ Strdfürrftiijrrn gegen die mit KW» Jtoben im |!!!)t׳e kW. (worlfeiMing ftatt SchlußJ Da aber Inden nicht vor ein geistliches Gericht gezogen werden konnten, so konnte der Brandenburger Bischof gegen den Inden Salomon zu Spandau nicht Vorgehen. Der von Fromm Bezichtigte gehörte zu der Jurisdiktion des Spandaner Richters, von welchem Herr Holtze vermnlhet, daß derselbe vielleicht keine Beranlassnng zum Einschreiten genommen hätte. Es mußte also der arme Salomon seinem ordentlichen Gerichtsstände entzogen werden, und ließ sich hierzu auch in der Thar der Kurfürst herbei. Rach den damaligen Grundsätzen war er hierzu befugt. Der Kurfürst hatte aber eine zwiefache Erwägung anzustellen. Einmal die rechtliche. Was lag gegen Salomon vor? Die unter der Folter oder dem Schrecken der bevorstehenden Folterqual, falls der Jnqnisit nicht so nnssagte, wie der Inquirent wollte, abgelegte Aussage eines Verbrechers, daß er von diesen! Verbrecher eine Hostie gelaust habe. Der Ehrist Fromm halte sich den Juden Salomon zum Mitschuldigen erwählt. Herr