Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1884)
- Article
- Der deutsche Antisemiten-Bund
- Date
- 1884-06-12
- Page
- 370 (sequence 2)
- Language
- German
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370 bculfrficn Reich* redlich und getreulich mitgearbeitet - wahrlich, wir schämen 111!* unsere* Schmerze* nicht. .. Deutscher Autisemilen-Bnud" nennt sich ein Verein, welcher im Februar diese* Jahr* in. der deutschen Rst׳ich*hauv!stadt in'* Vcbcn getreten ist und am B>. Mai d. I. in den! Deigmnllerschen Vokale an der alten Jakobstraße zu Berlin seine erste größere Versammlung abhielt. ׳Brauchen wir nach dem Ziele diese* Bundes;11 fragen? Tonnen wir über denen Tendenz im Zweifel sein? Drückt nicht der kurze Name verständlicher als da* langathmigste Programm die Bestrebungen an*, für iveiche hier deutsche Männer zur gemeinsamen Arbeit süchtigen Bestrebungen zu machen. Wir würden uns an der geheiligten Majestät de* kaiserlichen Ausspruch* zu versündigen glauben, wollten wir dasjenige, was unser von Leidenschaft und Vornrthcil geblendeter Sinn mi* cingiebt, unter die Acgide de* erhabenen Monarchen stellen. E* würde uns Verbrechen dünken und freche Vermessenheit, in! Namen de* deutschen Kaisers einen ״Deutschen Antichristen-Bund" schaffen zu wollen. Wir staunen ob der Kühnheit des vermeintlichen Erweises, welchen Herr Pickenbach für die angebliche sich vereinigt? Dennoch und trotz der vielfachen Erfahrung, die un* die Gegenwart auf dem Gebiete de*?lntiscmitiSmn* in überreichem Maße gewährt, hat diese Versammlnng de* ׳?!». Mai un* Ueberraschungen bereiten tonnen, so daß wir uu* veranlaßt fühlen, den mit lebhaftem Beifall und allseitiger Zustimmung anfgenommenen Kundgebungen eine etwa* eingehendere Betrachtnng zuzuwenden. Um nn* keine* Jrrthnm* in dieser Beziehung schuldig zu machen, legen wir da* sicherlich als antentisch anzusehende Referat der ״N. Pr. Ztg." vom 31. Mai über diese Versammlung derselben zu Grunde. Da* Mitglied de* Berliner Stadtverordneten- Kollegium*, Herr Pickenbach, erläuterte die Stellung de* Antisc1uiti*mu* im Allgemeinen zur sozialen Reform und die Ziele de* deutschen Antisemiten.Bundes im Besonder!!. Erbetonte zunächst, daß der letztere ״voll und ganz" ans dem Boden der Kaiserlichen Botschaft vom 7. November stehe, und erörterte daran anschließend die Frage, ob die Inden ״national" seien, wofür er im Hinblick aus die Alliance israelite!!!!iverselle", welche einen ״jüdischen modernen Staat" errichten wollte, ein entschiedene* Nein in Bereitschaft hatte. Gegen diese ״Hydra", ״unter welcher sich alle Inden" ausnahmslos beugen, sei der Kampf de* deutschen Antiseinilen-Bunde* zu führen, und zwar biete die soziale Reform, ivic solche jetzt von der Negierung!11'* Auge gefaßt sei, ״die schärfste Waffe gegen da* Indcuthum", ״um dessen krästeau*beutende, martaussaugeude Willkür- Herrschaft zu vernichten." ״Die Mitglieder de* deutscheu Antiscmitcu-Buudes müssen daher für Zertrümmcrung de* Iudeuthum* cintrctcn." Wir wagen diesen Ausführungen gegenüber die Behauptung, daß ein ärgerer Mißbrauch mit einem königlichen Worte nicht getrieben und, wenn unabsicht-!ich, eine irrthümlicherc Auffassung der kaiserlichen Botschaft nicht gedacht werden kann. Wir, unseren Thcils, würden davor znrückschrecken, also in ein Kaiserwort, ״da* man nicht drehen noch deuteln soll", unseren Geist zu legen und dasselbe zum Deckmantel unserer eigeninnige Verwandtschast de* deutschen Antiseiniteu-Bundes mit der Kaiserlichen Botschaft vom 7. November anzutreten sich unterfängt, und der Umdentung und weiteren Ausführung, die er den kaiserlichen Worten zu geben sich nicht scheut.. Al* ob er e* au* dem Munde de* deutschen Kaiser* selbst erfahren, als ob der erlauchte Grei* ihm, dem Herrn Stadtverordneten, die geheimsten Gedanken anvertraut hätte, um ihn zum Dolmetsch derselben au die Lieben, Getreuen vom deutschen Antiscmiten-Orden zu bestellen, verkündet Herr Pickenbach: ״Die kaiserliche Botschaft vom 7. November versichere dem deutschen Volke, daß ihm die sittlichen Elemente des christlichen Volksleben* erhalten werden sollten, damit sei gesagt, daß die unsittlichen Elemcute des JndenthumS aus Deutschland hinauSgcwicsen werden sollen." Kann man in kecker Jnterprelationsknnsi mehr leisten?! Wir sind gewiß nicht die Einzigen, welche entrüstet ans eine solche Leistung Hinblicken, wir besindcn uns sicherlich mit dieser Empfindung im Einklang mit allen Redlichen und Wahrheitsliebenden, mögen sie nun Inden oder Christen sein, den Inden eine freundliche oder feindliche Gesinnung cntgegentragen. Will der deutsche Antiscmitcn-Bund das Indciithum vernichtcn, die Inden ans dem Lande sagen, wohlan, so predige er eine frische, fröhliche Iudcnhatz im eigenen Namen und begeistere das Volk zum lustigen Jagdvergnügen auf die Juden. Aber er spreche nicht: lieben Freunde und Landsleute in Stadt 1111b Land, ihr Werkmeistcr und Ackersleute, jung und alt! so ihr den Kaiser Liebt und ehrt und seinen Befehl als treugehorsame Untcrthanen vollfnhrcn wollet, so nehmet das Feuerrohr, den Karst, den Flegel und da* Beil, rücket damit den Inden auf die Bude und weiset sie aus Deutschland hinaus. Der Kaiser hat Wohlgefallen an solchem Gebühren und er wird euch lohnen durch seine landesvätcrliche Huld. Denn er hat es also geheißen, und ihr habt euch dadurch erprobt als Seiner kaiserüchen Majestät treue und gehorsame Untcrthanen. Denn dieses und nichts anderes kann der Sinn dieses Pickeubach'schen ״damit sei gesagt" sein. Hat ihn denn sein Herz nicht gepocht, als er dergestalt die kaiserliche Botschaft auSgedeutct, und war Niemand in.