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Jeschurun · 1884-05-29 · Heft 22 (29.5.1884) · p. 339

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 22 (29.5.1884)
Article
Das alte Gottesgesetz und die moderne Zeit
Date
1884-05-29
Page
339 (sequence 3)
Language
German
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339 fühlt, ober nicht — als ob אלה ואלה דבר' אלרק' היים beides, der Abfall und die Treue, die Anerkennung und Verleugnung, die Wahrheit und der Wahn, Judenthum, von Gott 1)eoffenbarte Ähre fein konnte! Sind denn diejenigen unter diesen einundvierzig Männern, denen das Gesetz heilig und unverbrüchlich ist. so kurzsichtig, nicht zu gewahren, wie sie den ohnehin schon getrübten Blick des Volks noch mehr verwirren, wenn sie mit Männern über die Hebung des religiösen Sinnes und zur Forderung des Religionsunterrichts zusammen Berathungeu pflegen wollen, bei welchen dieVerschiedenheit des religiösen und irreligiösen Standpunktes nicht erörtert werden darf? Wahrlich, ein gedankenloseres Werk ist niemals geplant worden. Wir sagen gedankenlos, weil wir nicht glauben wollen, daß alle cinundvierzig Männer, welche diese ״Einladung an alle Rabbiner Deutschlands" haben ergehen lassen, die Lehren des JndenthumS verleugnen, leugnen, daß die ganze Thora von Gott gegeben, daß die mündliche Ueberlieferung göttlich, das Prophetenwort GotteSwort, nicht Erguß menschlicher Begeisterung sei u. s. w. Wie wollen sie über die -Hebung deS religiösen Sinns gemeinsame Berathung pflegen mit Männern, deren religiöser Sinn von dem ihren grundverschieden ist, wie wollen sie mit ihnen gemeinsam die Erfordernisse deS NeligionSunterrichts besprechen, da ihre Ansichten über die jüdische Religion in HimmelSweiten auseinandergehen? Die Gemeinden aber, deren Führer und Meister sic sind, müssen doch ans diesem vernunftlosen Handeln entnehmen, daß der Unterschied doch nicht allzugroß sei, daß die Differenzen zwischen denen, die das Gesetz mißachten, und denen, die solches als verbindlich erachten, nur sehr gering sei, und man, je nach besonderer Neigung, sich für die Leugnung der jüdischen Wahrheit oder deren Anerkennung entschließen könne, ohne damit dem Judenthum den Rücken zu wenden. Treten doch ihre Rabbiner mit den Männern der Reform einträchtig zusammen und verhandeln mit diesen Kollegen und AmLSbrüdern, ohne Disferenzpunkte in die Diskussion zu ziehen! Diese schwachen Männer haben sich mißleiten lassen und führen ihre Gemeinden irre, sie glauben, den Bruch in leichtfertiger Unüberlegtheit heilen zu können, und sie vergrößern damit das Nebel. Daß doch dieser Tag des Festes der GotteSoffenbarung diese Männer aufrütteln möchte aus ihrer Gedaukenlosigkeit, daß der Anblick deS von der göttlichen Erscheinung umschwebten Ehoreb sie an den Ernst der Zeit mahnte, daß sie an diesem Schabuothtage der ihnen obliegenden Pflicht inne werden, das Bolk zum erneuten Schwure der Treue und deS Gehorsams zu begeistern, daß sie bann es verschmähen, mit denen Rath zu pflegen über die Erziehung der ihrer Obhut anvertrauten Ge״ lneindeu zum Gottesgehorsam, welche die alte Gewissen- Hastigkeit der Väter als einen überwundenen Stand- Punkt belächeln, daß sie dagegen sich entschließen, den Sinn ihrer Gemeindeangehörigcn auf Gott und Sein Gesetz zu lenken und in ihren Herzen den erstorbenen Funken der alten Begeisterung lieber anznsachen, welche sie den! GotteSgesetze freudig cntgegenjnbcln läßt: בל ״ אשר דבר ד׳ נעשהAlles, was Gott gesprochen, wollen wir thun," wollen nicht mäckelu an Seinen Satzungen, wollen sie erfüllen in aufrichtiger Treue, wollen uns bewähren als das ממלכה נהנים und das גוי קדוש, zu welchem Er uns vor zweiunddreißig Jahr- Hunderten an diesem Tage durch das Gefchenk Seines Gesetzes erkoren. Die fjijprrortljoborrn. Von einem hyperorthodoxen Landmcnme. Der Fanatismus lernt nichts, weil er nichts lernen will. Hundertmal widerlegte und abgenutzt gewordene Anschuldigungen werden immer wieder erhoben; und deren wiederholte Entkräftung überzeugt den Fanatiker nicht, denn er will gar nicht seines JrrthumS inne werden und der Wahrheit die Ehre geben. Der FanatismuS ist auch nichts weniger als erfinderisch und wählerisch. Er greift immer wieder zu den alten Waffen und erneuert den Angriff stets in der alten Weise. So unterscheiden sich die Kämpen deS heutigen Judenhasses in ihrer KampfeSart in nichts von ihren Vorgängern; die Rohling, JustuS und Konsorten gleichen auf ein Haar den Pfefferkorn, Eisenmenger und deren Gelichter. Auch im eigenen Lager wiederholt sich die gleiche Erfahrung. Unsere Reformer in Europa und Amerika arbeiten nach den alten Mustern. Da ergießt sich über diejenigen, welche Gott und Seinem Gesetze in ausrichtigem Ernst die Treue bewahren, die Schale deS Spotts, der Verdächtigung und der offenen Lüge. Die ganzen und halben Reformer schicken sich namentlich in der letzten Zeit an, das alte Rüstzeug ans der Rumpelkammer hervorzusuchen, um den frischen, fröhlichen Bernichtnngskampf gegen die Orthodoxen wiederum unter. Entfaltung aller ihrer HülsSinittel und Kräfte ztt führen Doch nein, ich irre mich; der heutige Generalstab der Neforiu hat sein Kriegsmaterial durch eine ganz funketnagelneue Mitraillense bereichert, von welcher er sich die furchtbarste Wirkung gegen den Feind verspricht. Ehedem galt cS, die Aufklärung, Bildung n. s. w., aus welche die Reform ein Monopol zu besitzen wähnte, iwS Feld zu führen; diese alten Waffen werde!! allerdingS auch heute nicht verschmäht; aber zu der Starrheit, der Finsterniß, der Bildmigsfeindlichkcit der Ortho-

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