Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1884)
- Article
- Nachtgestirne
- Date
- 1884-06-05
- Page
- 360 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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360 ״Du hü st mich erhört, allgütiger Vater, und g lebst! mir ein Zeichen deiner Gnade," flüsterte Leah, mit verklärten Blicken auf jenen Punkt hinsrarrend, wo der Feucrregen, in den dunklen Horizont tauchend, erloschen war. Sie erhob sich und suchte gestärkt und getröstet wieder ihr Lager auf. Klar und׳ lichtvoll erhob sich nun das Nachtgcbe! aus ihrem Herzen und verscheuchte daraus alle unruhigen Gespenster der Angst. ״Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig! — Er sendet seine Engel herab, dich aus allen deinen Pfaden zu behüten, — aus deine Hülfe hoffe ich, Ewiger! Im Namen des ewigen GoltcL Israels! Zn meiner Rechten Michael, zu meiner Linken Gabriel, vor mir llricl, hinter mir Rafael, und über meinem Haupte die Glorie des Allmächtigen!" Und Gott sandte ganze Schaarcn seiner schönsten Engelein herab in's stille Kämmerlein, die das Bett der Entschlummernden umgauketten. Durch die sanft herabwallenden Schleier hindurch, mit denen der Schlaf ihre Sinne zu umhüllen begann, hörte sie, wie von den Schwingen eines vornberstreichenden Zephyrs getragen, die Akkorde der Engelchöre. Ucbcr ihrem Haupte aber ließen sich die Engel hernieder, deren Einer, Gabriel, sich über sie neigte und einen Kuß ans ihre Stirn hauchte. — Mit einem seligen Lächeln ans dem Antlitze cntschlmnmerte sic endlich vollends. —- Während hier in der stillen Kammer der Engel des Schlummers zu dem holden Wesen hcrniederstieg, rang sich oben ans dem Scheitel des Nebcnhügels, in der Winzerhütte, zur selben Zeit ein anderes ans den Banden des Schlafes. So greisen die si ch abwechselnden Zustände wie die Glieder einer endlosen Kette in einander, geschmiedet und gefügt vom ewigen Lenker alles Seins! Sonnen-Auf- und Untergang, Licht tmd Schatten, Glück und Unglück, Träumen und Wachen, Tod und Leben, mit einem Wort, alle Zustände des Seins und Nichtseins herrschen iinmer, zu jeder und zu gleicher Zeit auf bcm Erdball und äußern sich im unbegrenzten Walten der Natur! — (Fonsetzung folgt.) Freie McrseiMg von אשת חיל. Von XI. r>. Des wackeren Weibes seltener Kauf Wiegt Goldeswerth und Perlen auf. Von Wohlstand strotzt dcS HauscS Pracht, DeS Gatten Auge leuchtet hell, Fern von der Kanuner hcisgcr Schwell' Hält sie des Bösen sinft're Macht. Und wirket froh mit rascher Hand, Häuft saub'rcs Linnen in den Schrein; Bringt Reingewinn und Schätze ein, Dem Schiffe gleich aus fernem Land. Bor Tagcsgran'n ihr Werk beginnt — Die Mägde hält sie an zum Fleiß — Sie pflanzt der Rebe junges Reis — Aus Landerwcrb sie rechnend sinnt. — Mit neuer, immer neuer Kraft Sich gürtend regt sie ihre Macht, — Der Fackel Brand erhellt die Nacht Und zeigt ihr, daß sie Segen schasst. Sic sitzt am Nocken, tritt das Rad, Im Kreise sich die Spindel dreht; — Beladen mit Geschenken geht Der Arme, der sich bittend naht. Und wenn der Schnee sich wirbelnd thürmt, Ihr Herze nimmermehr sich härmt. Denn schwellend weicher Teppich wärmt, Des Mantels weite Falte schirmt. Mit ihrer Rede Zauberwort Treibt sie den Mann zu edler Thal, Und hochgcprlesen in dem Rath Der Alten wirkt er Gutes fort. Damit ihr werde viel Gewinn, Nimmt Gürtel sie und Schleier mit, Lenkt raschen Fußes ihren Schritt Zu dem Gcwölb des Händlers hin. Ihr Haupt umschlingt der Hoheit Kranz Zu ferner Tage scl'ger Lust, Es wohnt ihr Weisheit in der Brust Bereinigt mit der Milde Glanz. Der Ihren Bortheil nimmt sie wahr, Führt strenges Wort, hält strenge Zucht; Bor träger Mägde Lästcrsucht Schützt sie das Hans und vor Gefahr. ״Drum Heil! wer solches Weib gewinnt!" Ertönt der Iubelwcise Laut — Der Gatte singt's der Hcrzensbraut, Der guten Mutter stolz das Kind. ״Biel' wack're Frauen Inda kennt Und Jakob rühmt der Töchter Nus, Die schönsten Thalen sie nur schuf. Die unsre Liebe rühmend nennt." ״Trug Anmnth ist und Schönheit Tand, Nur Gottesfurcht ist holde Zier; — Demi Biederweib t-bsingcn wir, Das sie geübt und Segen fand."