Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1884)
- Article
- Winke für die religiöse Erziehung
- Date
- 1884-06-05
- Page
- 354 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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354 religiösen Erziehung meiner Kinder. .,Sic werden es noch bitter dereinst bereuen," sprach er zu mir, ״daß Sie so gar keine Rücksicht auf die Erfordernisse der Zeit nehmen und ihre Kinder zu einer pünktlichen. Beobachnmg auch der lästigsten Vorschriften anhaltcn. Sie wissen ganz gut, daß ich so wenig wie Sie mich von irgend einem דץ befreien will. Meinen Kindern aber lege ich nicht die schwere Haft auf, ich suche vielmehr ihnen solche niöglichsl zu erleichtern. Ich habe ihnen Manches gestattet, was nach dein strengen דיין unzulässig ist, weil ich will, daß sie das Hauptsächlichste alsdann um so gewissenhafter beachten. Ich sage ihnen B.: seht, Kinder, ich lasse mich am Sabbath naßregncn, weil man eigentlich in unserer Stadl nicht tragen darf, euch aber erlaube ich es, weil ich euch das Dasein nicht gar zu unbequem machen will. Haltet aber während eures ganzen Hebens den Sabbath in Ehren, macht niemals (Geschäfte an diesem heiligen Tage. Das nutß einen bleibenden Eindruck ans sie machen, und ich bin überzeugt, daß sie der Hehren ihres Vaters stets cingedenk bleiben werden. Sic aber verlangen, daß ihre Kinder gerade so handeln wie Sic und ich, und vergessen die veränderten Verhältnisse, unter welchen wir ausgewachsen sind. Ich will meinen Mund nicht zu in Bösen aufthun, aber ich fürchte, Ihre Künden werden dereinst Alles von sich abstreiscn und wirkliche Gesetzes- Verächter werden." Ich halte dann wohl erwidert, daß wir Beide nicht in die Zukunft zn schauen vermöchten, daß cs uns aber obläge, unsere Kinder zur gewissenhaften Besolgnng des Ncligionsgesctzcs zn erziehen, daß ich meinen Kindern dasselbe als heilig und unantastbar und nicht von des Einzelnen Willkür abhängig darznstcllcn mich bemühte, und nicht begreifen könnte, wie seine Methode, abgesehen von der völlig ungerechtfertigten Stellung, die er sich dabei als zum Höfen und Binden Befugter anmaße, den erhofften Erfolg haben könnte. Er meinte alsdann, ich wäre ein blinder Fanatiker, und dieser Fanatismus risse mich, den sonst leidlich verständigen Mann, zu unweisen Handlungen hin, welche sich leider an meinen Kindern rächen würden. Ich mochte mich nicht immer mit dem älteren Freunde streiten, schwieg und fuhr fort, meine Kinder in der gewohnten Weise zu erziehen. Die Löhne meines Freundes begannen schon in den vorgerückten Schuljahren den ihnen von der väterlichen Autorität gewährten ״Erleichterungen" einige andere ans eigener Machtvollkommenheit hinzuznsügen, welchen später noch eine ganze Anzahl folgten, jo daß die Söhne dieses als ״sehr fromm" und gelehrt bekannten Mannes auch der irreligiösesten Erziehung keine Schande bereiten würden. Ich weiß sehr wohl, daß auch Kinder, welche eine vernünftigere religiöse Erziehung genossen haben, Gesetzes- Verächter werden können, ebenso wie bei einer verständigen sittlichen Erziehung sittenstrenge Eltern traurige Erfahrungeu in Betreff der Moralität ihrer Kinder machen können. Denn die Einflüsse deS Lebens außerhalb deS Elternhauses sind oft :nächtiger, als der Eltern Beispiel und Ermahnung, und deS Kindes Karakteranlagen offenbaren sich nicht immer den Blicken der Erzieher. Aber hier handelt eS sich darum, daß tu dem einen Falle die Schuld der Eltern in einer verkehrten sittlichcn oder religiösen Erziehung klar nachznweiscn ist an dem sittlichen oder religiösen Verdcrbniß der Kinder und diese mit Gewißheit dergestalt vorausznsetzen war, daß ein cntgegcugcsctzes Resultat einem besonders glücklichcn unvorhergesehenen Umstande beigctncssen werden müßte; — in dem anderen Falle aber haben die Eltern weise und treu gehandelt, und das Verdcrbniß ist nicht die nothwendige Folge ihrer Erziehung, vielmehr trotz derselben wider Erwarten entstanden. Ich schließe für jetzt meine schlichten Betrachtungen über, die wichtigste Angelegenheit des Hauses mit dem Satze, daß nur eine vernünftige Gewöhnung in Beglcitung und im Gefolge einer verständigen Unter- Weisung und eines ernsten mustergültigen Beispiels einen günstigen Erzichnngsersolg erhoffen lassen kann. Vater und Mutter haben sich als Gottes Stellvertreter den Kindern gegenüber zu betrachten, damit diese למורי ד׳ werden, die Lehren und Pflichten des JudenthnmS als von Gott geboten erkennen und sie erfüllen in treuem Gehorsam, in demselben bestärkt durch der Eltern Vorbild. Glücklich die Kinder, welche also geleitet in das Leben cintvctcit und in der verklärten Gestalt der Mutter, des Vaters das leuchtende Vorbild einer wahrhaften Pflichterfüllung als das reichste Erbe des Eltern- Hauses mit in das Leben hinausnchmcn — glücklich die Ettern, die in dem Bewußtsein zur ewigen Seligfeit eingcheu können, ihrer Erzichnngsansgabe also volles Genüge geleistet zu haben! Sfllöüiöiipjf Z'MljMslicit. Bon Samson Raphael Hirsch. XI V. Dcmnth und Hochmuth. (Fortsetzung.) Gottes Abscheu ist ein jeder Hochmüthige, Hand zn Hand, er bleibt nicht rein. (16,5.) Der gerade Gegensatz zn Dcmnth ist Hochmuth, und ist in dem Grade zu scheuen, wie Demuth zu preisen ist. Die Verachtung, mit welcher der Hochmüthige ans alle übrigen Menschen und deren Ange-! legenheiten hinabblickt, so wie die hohe Meinung, die