Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1884)
- Article
- Chesed ve-emet Wohlthätige Wahrheit
- Date
- 1884-05-15
- Page
- 311 (sequence 3)
- Language
- German
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311 Jobeljahre znrückkehrt, die ausdrückliche Bewilligung ertheilt hat, den Boden als Grab zu benutzen, so wird auch hierdurch an der Sachlage nichts geändert, da. obgleich ein z. B. auf sechzig Jahre abgeschlossen er Feld-׳ verkauf Geltung hat, dennoch der Verkauf eines Gruudstücks als Grab, weil nur in einem solchen Grabe beerdig! werden soll, das dem darin Bestatletcn auf immer verbleibt, als ein auf immer erfolgter Feldverkauf zu betrachten und daher als ein gegen das Gesetz getroffenes Uebereinkommen ungültig ist. Hiermit ist auch die auf die Begründung der von אביי ausgesprochenen Widerlegung gerichtete Frage des Verfassers beantwortet, und gezeigt, daß der Satz נבצא צדיק קבור ברבר שאינו שלו in dem Sinne erklärt werden muß, indem er bisher anfgefaßt wurde. Obwohl wir hiermit die bereits erwähnten Bedenken beseitigt, die den Verfasser ״genöthigt", diese Stelle anders zu deuten, und bewiesen haben, daß kein Gruud vorhanden ist, von der bisherigen Auffassung abzngehen, wollen wir doch nicht unterlassen, die neue Auffassung deS Verfassers zu betrachten. (Forlsctzung folgt.) WaHigestirne. Historische Novelle ans der Feudalzeit Ungarns Bon Samuel Bcrthold NoSner. ״—- ('JJadjr.rad verbotm u. lieber. ■fernm.^*>r0vtu vorbchattcn) WaS ist daß für ein wüster Spektakel im Vor- Hofe draußen? Was ist's, das dich alten Nacht- Wandler so sehr entsetzt, daß deine Augen völlig in den Kops zurücklrctcn, leere finstere Höhlungen zurücklassend, daß alles Fleisch aus deinem Gesichte verschwindet und dein Kopf einem kahlen, längst vcrmoderten Todtenschüdel gleicht; daß betne spärlichen grauen Haare zu Berge steigen? Haben sich die Bauern wider dich anfgclchut und wollen nun deine Burg erstürmen?-- Wie von einem heftigen Wirbelwinde anfgcrisscn, fliegen die mächtigen Flügel der Eingangs- Pforte auseinander und — 0 Granen aller Granen! — eine unabsehbare Menge nackter Bauern, blutige Leichentücher nach sich schleifend, mit bis auf die Knochen zerschundencm Nucken und vielfach verrenkten Gliedern, manche auch ohne ,Kops, andere wieder nach Art der drei Juden mit Stricken um den zusammcngcpreßten Hals, strömt fluchend und jammernd, ächzend und heulend durch die wcitgeösfnetcn Thürslügcl in den Saal, angctrieben von herkulischen,, die Menge weit überragenden Henkersknechten, die sausend und klatschend eisenendige Geißeln unter die heulende Menge niederfallen lassen. Alle drängen sich in einem wilden Tumult um den Patron und Grundherrn und suchen lärmend seine Austnerksamkcit auf ihre blutig;erschundenen Rücken, ans ihre verrenkten, zerrissenen Gliedmaßen und aus ihre fehlenden Köpfe zu lenken. Tausend Hände klammern sich mit eisernem und eisigem Griffe an seine Hände, seine Füße, an sein spärliches Haupt- und Barthaar, an seine goldenen Sporen und an den edelsteinblitzenden Gurt seines krummen WehrgehenkeS. Eins! -- Wie eine ausgeschenchte Nabenbrut stiebt die Menge mit einem infernalischen Gekreische auseinander. Doch, die Knochenarme lassen die einmal erfaßte Beute nicht loS. und so wird Georg von Ormai, von der auseinanderfahrendcn Menge in tausend Stücke zerrissen, durch die Luft in alle vier Weltgegendcu fortgeschleist. Die blauen Ftämmchen erlöschen, die Thürme, Zinnen, Pfeiler, Prunksäle und Hallen versinken wieder in Schutt, die riesige Nebclgcstalt des Wächters, der in ein heiseres Gestön anSbricht, unter ihren Trümmern begrabend. Der blasse Mond setzt, gleichgültig in seiner Schweigsamkeit verharrend, seinen allnächtlichen Wandel fort, und nur die erregt schimmernden Sternlcin besprechen in lebhaften Strahlcnworten daS grause Geschchniß unter einander. Stcinaltc Mütterlein aber, die im nebeligen Morgenzwiclicht, leise Zanbersprüch- Lein murmelnd, mit einem glimmenden Lämpchen in der Hand durch die Ruine huschen, um allerlei wunderkräftige Gräser und Kräuter zu sammeln, behaupten, man könne, wenn man nur anders den richtigen Spruch zur richtigen Minute hcrzusagcn weiß, zahlreiche BlutStropfen wahrnehmen: daS verspritzte Blut des von seinen Untcrthanen alluächllich zerfleischten adligen Herrn. Wenn man mm in diese Blutstropfen die geeigneten Kräuter taucht, so gewinnen diese für alle nur erdenklichen Krankheiten eine Heilkraft, die mit allem Gclde nicht theuer genug bezahlt werden kann. So erzählen die alten Bauernweiber! Vor ändert halb hundert Jahren aber war hier Alles noch ganz anders. ' Keine geschäftigen Geister brauchten damals allmählich die Thürme und Zinnen auszurichten, denn sie waren noch nicht eingefallen. Felsenfest, wie für ewige Zeiten gebaut, erhoben sie sich damals ans ihrem felsigen Grunde, umgeben von einer übermäßig dicken Ringmauer, durch welche ein eiscnbc-. schlagcneS, bogenförmiges Thor in den inner», sehr geräumigen Burghof führte. Von diesem Hauptthore schlängelte sich ein breitgetretener Weg mit ziemlich abschüssiger Senkung zum Thale hinunter, und dort wo derselbe ans das Flüßchen traf, befand sich eine schwere Zugbrücke, über welche der Verkehr zwischen Burg und Stadt bewerkstelligt wurde. Auch in dem Städtchen sah cö zu jener Zeit ganz j anders ans als heute, nur daß cS damit gerade das umgekehrte Bewandtniß hat als mit der Burg. Die > Häuser desselben waren nämlich damals noch nicht so