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Jeschurun · 1884-05-08 · Heft 19 (8.5.1884) · p. 295

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 19 (8.5.1884)
Article
Chesed ve-emet Wohlthätige Wahrheit
Date
1884-05-08
Page
295 (sequence 3)
Language
German
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295 צדיק" ganz angemessen sein, es soll damit der Beweis nur noch erhärtet werden; denn wer so glücklich ist, solch einen frommen Vater zu haben, wird gewiß nicht versäumen, bei dessen Bestattung gleichzeitig um die eigene besorgt zu sein; verabsäumte er cs dennoch, so involvirt dies eine Geringschätzung des Vaters, cs wäre darin ein בדון ההי und בוזון הבת enthalten und dies dürfen wir, meint אביי, dem פנחס nicht zumuthen. Wohl wissen wir, daß diese Auffassung ncn ist, die Stelle wird allgemein nicht so verstanden, יבלו wird vielmehr auf אלעזר bezogen und daraus wird daun, wie auch im erwähnten Gutachten gefolgert, das Grab müsse Eigenthum des darin Beerdigten sein." (Fortsetzung folgt.) Wachtgestirne. Historische Novelle aus der Feudalzeit Ungarns Bon Samuel Berthold Rosner. —..- (,JJadjbrmf vcrbottn u. lieber seyung-i>recht Vorbehalten) I. Wälze rückwärts deine Wogen, ewig fluthendcr Strom der Zeit, und schaukle meinen Nachen, dem ich, damit die Fahrt um so gedeihlicher sei, das Segel der Phantasie aufgehißt habe, in jene Gegend zurück, wo die Wogen noch nicht im Reflexe des angebrochenen Tages rosig auflcnchtcn, wo noch finstere, gespeustcrerfüllte Nacht an deinen Ufern brütet, eine Nacht, die nur dort stellenweise aufgehellt wird, wo rolh flackernd die Feuerzungen und Rauchsäulen eines augczündetcn Scheiterhaufens cmporlodcrn. Die Gluthen des Scheiter- Haufens verglimmen, und wieder herrscht eine rauch- und modergeschwängcrte Nacht und legt sich nur noch dichter und verhüllender aus's Haupt des trauernden Genius der Menschheit. In jene finster umnachtete Landschaft, wo es unheimlich wie von den letzten Seufzern einer sterbenden Welt wimmert, wo klirrendes Kettcugerassel und das dumpfe Läuten des Sterbeglöckcheus ohne Unterbrechung in einander tönt, und wo auf den Schwingen des ächzenden Nachtwindcs Wolken von Moder und Pestilenz durch die Luft streichen, dorthin will ich einen Gang wagen, denn um mich hat die gnadenreiche Muse ihren Zaubcrmantel geschlungen, der mich, geseit gegen jede menschliche Schwäche, die Gefilde des Todes, der Sklaverei und der Geistcsnacht betreten läßt, und hat auch ihren wuuderthätigcn Zauberstab mir in die Hand gedrückt, der meine Augen hellsehend macht, wo anderen Augen eine undurchdringliche Finsterniß die Sehkraft benimmt. Dort, wo sich alle Tyrannei, Drangsal und Elend dcS Zeitalters zu einer besonders grausigen Grabesnacht vereint haben, vor den nothnnd schmcrzcrsüllten Gezclten Israels, lasse ich die Ruder sinken und neige meinen Zauberstab. Die Nacht zcrthcilt sich vor meinen Augen; wunderbar große und glänzende Sonnen und Sterne entsteigen still den elenden Hütten, um, am Firmamcntc äugelangt, nach den unvergänglichen Gesetzen des ewigen Schöpfers ihr himmlisches Walten zu beginnen. Entzückt sinke ich in die Knie und blicke bewundernd enlpor zur Herrlichkeit und Pracht des jüdischen Nachthimmels! — Ja, Nacht muß cS sein, wenn Israels Sterne leuchten, in einem so überirdisch hehren Glanze leuchten sollen! Komm, geneigter Leser, und bewundere mit mir, in meinen Mantel gehüllt, das nimmer geschaute Licht einiger dieser Sterne!- Am Fuße der romantisch schönen, weißen Karpathen, dort, wo die fichteubewaldcten Höhen derselben in grotesken Gestaltungen zu einer hügeligen Ebene abfallen, liegt in einem flachen Thalbscken, hinter einem rcbcnreichcu Hügel versteckt, rückwärts im Halbkreise von riesig hohen Bergen umgeben, das Städtchen S—z mir regelmäßig gebauten Häuserreihen, deren rothe Ziegeldächer sich anmulhig vom gesättigt grünen Hintergründe der Fichtenwälder abhcbcn. Das Thalbccken, auf welchem sich das Städtchen befindet, dehnt sich, zu beiden Seiten in sanfte Rcbcnhügel ansteigend, tiefer zwischen die Berge hinein, nnd hundertjährige Eichenstamme spannen ihr ästereichcS Laubdach weit in die Luft aus, den .saftigen Wiescngrund des Thales beschaltend. Zu beiden Seiten des Thales, das Städtchen flaukircnd, erheben sich hohe Hügel, die, von regclmüßig ncbcueinander laufenden Ncbcnrcihen bewachsen, ausschen, als wäre ein Nieseukamm glättend und schlichtend über ihre dichtbehaarten Scheitel dahingefahren. Auf den Hügeln aber, gleichsam wie auf gigantischen Postainenten, ragt zu beiden Seiten je ein gewaltiger Vcrgricfc gen Himmel, die znm Hauptstocke der sich in die unabsehbare Ferne erstreckenden Gebirgskette gehören. Doch als ob die zwei Bergriesen, des ewigen Gcgcnübcrstchens überdrüssig, eine gegenseitige An- Näherung versuchen wollten, rücken sie tief hinter dem Städtchen, dort, wo sic mit der Haupt kette in Verührnng kommen, drohend gegen einander, das sie trennende Thal zu einer schmalen Gebirgsschlucht verengend, die kaum hinreicht, ein kataraktartig auS dem hohen Gebirge herabstürzendes Flüßchen durchzulasscn, welches in seinem weiteren Falle an den Friß des zur Linken Hand aufsteigendcn Bcrgriefen sich schmiegend, im gemäßigterem Laufe das Thal hinabrollt, um, nachdem cs die Stadt und den vor ihr liegenden Hügel umflossen, in die tiefere Ebene hinabzustürzen. Auf einem schroffen Vorsprunge desjenigen Berges, dessen steil abfallende und der Stadt zugekehrte Felswand die Wellen des vorüberschäumenden Flüßchens besprühen.

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