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Jeschurun · 1884-05-08 · Heft 19 (8.5.1884) · p. 291

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 19 (8.5.1884)
Article
Peßach-Jubel, Sefira-Seufzer
Date
1884-05-08
Page
291 (sequence 3)
Language
German
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291 Zweck, als daß es endlich die Sefira lerne, lerne von Peßach bis zu Schabuoth zu zählen, von der eingebüßten Selbstständigkeit zur Thora, die cs als das einzige Gut mit hinausgerettet hat ans dem staatlichen Verfall. Hat Israel es gelernt? Folter und Scheiterhaufen, denen cs getrotzt — die brennenden Trümmer seiner Wohnstätten, ans denen man cs verjagt — der Hohn und die Verachtung und der Jammer seines Daseins — sie bezeugen cs, daß es angcfangcn hat, sein Pensum zu verstehen. Die Zeit der Sefira bezeichnet in der Geschichte der Menschheit Perioden der tiefsten Entartung. in der Geschichte Israels die Jahrestage seiner glorreichsten Siege. In diesen Zeiten hat es frcubig hingegeben, was sonst der Menschen theucrstcn Besitz bildet: Ehre, Freiheit, Habe, Frauen, Kinder, Lcb׳n, und eS hätte sich des Genusses der Erdcngütcr freuen können wie die Vrudermenschhcit, wenn cS die Thora preisgegeben.- Und cs kam eine Zeit, wo es schien, als ob die europäische Menschheit auch etwas von diesem Sefiragcist in sich ausgenommen hätte. Sie streckte dem lange befeindeten und unterdrückten Israel die brüderliche Rechte entgegen. Meinten damals nicht viele unter uns, daß sic für die Freiheit und Gleichheit die Thora aufgeben müßten, daß der Preis der Emanzipation die 'Treue gegen das göttliche Gesetz wäre? Da nahmen sic ihren Platz ein im Rat he der Großen und zeichneten sich aus in Kunst und Wissenschaft und schmückten sich mit Bildung und Gelehrsamkeit — des erhabensten herrlichsten Schmuckes der Gottcstrcue und der Gesetzeskenutniß aber hatten sic sich cntüußert. Und sic hätten doch alle diese Güter erwerben können, ohne diesen Verrath zu üben! — Haben sie erreicht, was sie erstrebt? Wer Ohren Hai zu hören und Augen zu sehen, der vernehme und schaue und verstehe die Ereignisse des Tages und die Strömung unserer Zeit. — Die Kurzsichtigen haben die זולת der Scfiratagc auS der Liturgie gestrichen. PiellcichL stimmen sic doch mit uns ein in die Klage:}סלך עליון עד אנה עלי *יתמלאו נוהמים בלבאים ובהמות ים ישאון, mellcichi tuenden sic )ich mit unö wieder der Thora zu, vielleicht lernen auch sie jetzt den Inhalt der Sefira.- ZalomüiiW äjmchivkislieil. Von Samson Naphac! Hirsch. XIII. DaS Urtheil. (Fonsrtzung.) Die die Goltcslehrc verlassen, loben den Gesetzlosen, Die die Gotteslchre hüten, erheben sich zum Streit wider sie. (28,4.) So sehr unsere Spruchweisheit den Frieden preist und wiederholt zürn Vermeiden alles Streites ermahnt, so fern ist sie doch von der Maxime Derer, die ״Frieden nur jeden Preis" auf ihre Fahne schreiben. Rur, סטו es sich um unser eigenes Eiuzclintcrcsse, um unsere Vermögensrechte, unsere Anerkennung :e. handelt, dürfen und sollen wir den Frieden selbst mit Aufopferung von Gütern, Rechten und Ehren erhalten und selbst den berechtigtsten Streit, wenn irgend möglich, meiden. Allein, wo es sich nur hohe Gesammtiutercssen, wo cs sich um heilige sittliche Güter der menschlichen Gesammtheit, um heilige sittliche Güter unseres jüdischen Berufes handelt, da dürfen wir nicht schweigen, da müssen wir zur Rettung des Heiligsten, selbst mit Dahiugcbnng des hohen Gutes des Friedens, eiutreten. Die heiligsten Güter der Menschheit und des Judcnthums wären ja verloren, wenn eine falsche Friedensliebe oder Karaktcrschwäche Denen den Mund verschließen dürfte, die das Bessere und Wahre erkennen, und deren Verrath in ihrer Hcrzenstiesc beklagen. Nur wer die Gotteslehre im eigenen Leben nicht beachtet, oder für ihre Aufrecht- Haltung in der Gemeinde nicht thätig ist — beides heißt ja ein Verlassen der Gotteslchre — mir ein Solcher beschleunigt, ja lobt die Wege des Gesetzlosen. Wer aber die Gotteslchre im eigenen Leben gewissenhast erfüllt, und sich der Pflicht bewußt ist, auch für deren Aufrechtcrhaltuug in der Gemeinde eiuzusteheu, — beides heiß! ja ׳ממידת התודה — der schweigt nicht, wo er Verrath an der תודה geübt sieht, der erhebt sich zum Tadel, zum Widerspruch, zum Streit, und nicht nur בו, sondern בם, selbst wo für diesen Berrath eine Vielheit dastcht. Sind wir doch Alle zu ׳מומו־ י התודה bestellt, als ein heiliges aiwcrtrauteö Gut ist sie einem Jeden von uns übergeben und haben wir gewissenhafteste ׳׳ ׳מומדPflicht an ihr zu üben. Wie ein מומר* das ihm zur Hut!) anvertraute Gut nicht außer Acht verlieren darf, cs mit Dahingebnng seiner ganzen Einsicht und seiner ganzen Kraft schützen und gegen jeden Angriff vertheidigcn muß, um es für seinen Eigener in völlig unverletzter Ganzheit zu erhalten, so haben wir dieselbe Pflicht des immer wachen Schutzes und der ilumcr schlummer- und schwächelosen Vertheidignng der תודה zu erfüllen, die von Gott als Sein heiligstes Gut uuscru Händen anvcrtrant ist, auf daß wir sie Ihm in unverkürzter Ganzheit und Neinheit erhalten und sie unverkürzt, ganz und rein zu gleicher gewisseuhastcr Huth den Händen nuferer Nachkommen überliefern, lieber Güter, die wir die unsrigcn zu nennen berechtigt sind, hinsichtlich deren uns das Verfügungsrccht zustcht, können und sollen wir um dcS Friedens willeu auch zu einem opferwilligen Vergleich

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