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Jeschurun · 1884-05-01 · Heft 18 (1.5.1884) · p. 279

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 18 (1.5.1884)
Article
Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
Date
1884-05-01
Page
279 (sequence 2)
Language
German
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279 so weit weg ist. — Aber da bleiben niödjt״ ich, weil j der Later um 2 brauchen könnt' —" ״Ich bin ja bei chm. wenn er etwa* gebrauchen! sollte," verfette David, ,.und bann, liebe Mutter, ich : bin Priester, vielleicht möchte der Barer beichten — j da könntest Du doch nicht gegenwärtig sein."! Grollend erhob sich Katt und verlies; das Zimmer. : David trat wieder zum Bette. i Er war ein hochgewachsener junger Mann. Die nnlleidsamc Ordenstracht lies;;war das schöne Eben-;naß seiner Glieder nicht zur vollen Geltung komnien, vermochte jedoch nicht, cs vollständig zu verhüllen; sein Antlitz war, wie in seinen Kinderjahren, frisch und blühend, sein Haar, golden schimmernd, im reinsten Blond. Nur die Tonsur verunstaltete entschieden den sonst so schönen Kops, und der ׳?lusschlag des sanften blauen Auges war allzu himmelwärts. Er ließ sich wiederum am Bette nieder und nahm leise die nervöd zuckende Hand des Kranken. ״Uebcr was möchtest Du mit mir reden, lieber Baker?" fragte er saust. ״Ile bei־ vieles — über gar vieles — ich werde niich beeilen müssen — aber vor Mein bitte ich Dich,! schreibe an Jakob — er muß schnell kommen — sonst —" ״Ich soll an Jakob schreiben —" Der junge Geistliche fuhr sieh mit der -Vaud über die Stirn und ließ dieselbe einige Minuten auf den Augen ruhen. — ״Ich soll au Jakob schreiben — wenn Du es wünschest, lieber Later, so -werde ich es thnu, obgleich ich die Ideen und Prinzipien meines Bruders durchaus nicht billigen kann und daher für meine eigene Person mich jedes Lerkehrs mit ihm enthalte — dennoch, wenn Du es wünschest, werde ich ihm schreiben und ihm von Deiner .Krankheit Mittheilnng machen " ״Thn's," flüsterte Ehrmann, ״aber sag's der Mutter nicht." David neigte zustimmend sein Haupt, es entstand eine Panse. Der Athem des Kranken ging schwer, mühsam hob sich seine Brust, als drücke eine Zentnerlast sic danieder. ״Kannst Du nicht etwas Jindernd׳׳s nehmen, lieber Later? nicht etwas, was Dir Erleichterung verschafft?" fragte David. Der Kranke schüttelte den Kopf. ״Nehmen kann ich nichts — aber, wenn Du wolltest. David — Du könntest mir Erleichterung verschaffen -- o wenn Du wolltest —" ״Und an meinen guten Willen, .D? Erleichterung zu verschaffen, könntest Du zweifeln, mein Later? — Hast Du vergessen, daß ich Dein Sohn bin — sichst Du nicht das Ordcuskleid, das —" ״Wirf cs von Dir," unterbrach ihn der Krank, indem er sich hastig ausrichtete, wirf Dein Ordcuskleid von Dir — und mit ihm all den Ing — und all den ׳Wahn — und Du hast mir Minderung verschafft -- ich ivill Dich segnen!" Sprachlos vor Staunen starrte der junge Priester den Later an, der mit fliegendem Athem, mit nnhcimlieh blchciiden Angcn diese Worte ihm zngeslnstc״l. — Er legte die Hand an die Stirn des Kranken, sic glühte, und in den Schläfen pochte es sichtlich. ״Dein Kops in heiß, lieber Later, erlaube, daß ich Dir einen kühlenden Umschlag applizire, das wird Dir Jindcrnng verschaffen." Der Kranke lachte hell ans, — cs war ei!׳ grauenvoll unheimliches Jachen — cs machte den Sohn erschauern. ״Du meinst, ich rede irre,!veil der Kopf mir glüht? — nun ja, freilich, er glüht -- und er brennt! — 0! — 0! — aber Dein kühlender Umschlag! — wirs den Mllinmcnschan; ab! alles! — alles!" ״Jieber, guter Later!" bat der junge Mann, indem er ein in Wasser getauchtes Tuch auf den Scheitel des Kranken legte. Dieser jedoch stieß abermals eine grelle Jache aus und schleuderte das Tuch weit von sich. Davids Augen füllten sich mir Thränen. .,Soll ich vielleicht den Kaplan zu Dir schicken, mein Later? möchtest Du beichten?" ״Beichten wiederhotte der Kranke, dessen Kopf wieder zurück in die Polster gesunken war, ״beichten —" Es könnte Dir möglicherweise Erleichterung verschassen." fügte der Priester zögernd hinzu, ״wenn Du wünschest — der Kaplan —" ״Nein, nein," murmelte der Kranke, ״nicht dem .Kaplan — Dir will ich beichten." Der junge Priester neigte;nstimmend das Haupt, zog einen Sessel an das Bett und war eben im Begriffe, sich dort nieder zu lassen, als die Thür ansging und Kati in das Zimmer trat. Der Kckavck warf ihr einen unwilligen, fast gehässigcn Blick' zu: David aber trat zu ihr und theilte ihr flüsternd mit. daß sein Later zu beichten wi'Mschc. Kali drückte den Schürzenzipfel an die Augen und verließ mit verhülltem Antlih das Zimmer. Der junge Priester kehrte zum Krankenbette zurück. ״Ich bin bereit, mein Later, Deine Beichte entgegen zu nehmen," und er ließ sich ans den Sessel dicht am Bette nieder und neigte sich vor, um dem Kranken das laute Sprechen zu ersparen. Mit seltsamen Ausdruck hafletcn des Lalers Blicke an dem sanften, jugendlich schönen Angesicht des Sohnes und glitt dann hernieder über das dunkele Ordensgewand. Mehrere Minuten herrschte Schweigen. ״David." begann der Kranke endlich, und seine

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