Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1884)
- Article
- Von Herrn Rabbiner Fink geht uns das folgende Schreiben zu
- Date
- 1884-05-01
- Page
- 276 (sequence 3)
- Language
- German
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nicht immer auch die Trennung von den noch auf dem j Boden des Indenthums Stehenden verbunden. j DUt der von mir erwähnten Trennung der Orthoj doxen Harnburgs von den Neologen hatte ich die vor! sechzehn Jahren slattgefnndene K on stitn i r un g des! Snna g ogenv erban des im Auge, die mit der Organisation zusammeuhängt, die am Beginn der!nehrerwähnten Broschüre geschildert wurde. Wenn nun der Borwurf gegen die Orthodoxen, den jeder Unbefangene in der Broschüre des Herrn Rabbiner Fink finden muß, wie er nun in seiner ״Berichtignug sagt, ״ganz ungereimt" ist, so hat er sich dies selbst znzuschreiben. Kolin, am 22. April 1884. Dr. Gngenhei m e r, Rabbiner. Das Mein nnfc Dein, ob״: Von der Selbstsucht zur Urleigeuniihigkeit. BcUuchUuu; von L. A. Nosenthal, Predigee zu Kothku. Wenn wir die Menschenkenntniß und den tiefen Weltblick unserer Weisen bewundern, so müssen wir auch zngeben, daß die Forderungen, welche sie an unser sittliches Leben stellen, durchaus nicht übermenschlich sind, sondern daß wir ihre Worte allesammt zu bethätigen im Stande sind. Betrachten wir zu diesem Zwecke einmal einen Satz aus den Sprüchen der Väter, der bei aller äußeren Einfachheit in seiner Tiefe eine völlig ansgebaute Weltanschauung mit ihren Voraussetzungen und Folgerungen birgt. ״ ארבע מדות באדםVier Gemüthsarten giebt es unter den Menschen," so beginnt das bekannte Wort unserer Weisen, und indem wir ihnen folgen, werden wir einen Spiegel unseres Selbst finden und Musterung halten über die Einpsindungen unseres Innern.: ״ שלך שיל י ושלי שליDas Deine ist vor Allem mein, und das Meine ist auch mein," so lassen unsere Weisen den רשע, den Bösewicht sprechen, und damit ist ein Grundübel des MenschenthnmS in aller Schärfe aufgedeckt. Wohl sind die Zeiten vorüber, wo es üblich war, daß der Starke dem Wanderer auflauerte und durch Anwendung der rohen Kraft das Recht der Ge- Walt behauptete; heute hält ein Gesetz die Menschenkraft im Zaum, und die rohe Gewalt kann nicht mehr den Maßstab deö Rechtes bilden; auch den listigen Schleicher, der nächtlich in.das Gebiet seines Mitmenschen eingreift, der die Schlangenwege des Betruges wandelt, um in seiner List die Begründung seines Rechtes zu sehen — auch ihn weiß das Gesetz zu finden und strafend in seine Grenzen zu drängen, so daß er sich!nehr und mehr zurückziehen muß. In der Regelung des Mein und Dein muß sich in gebildeten Zeitaltern diese nackte Selbstsucht znrückziehen, die rohen oder die listigen Angriffe aus Eigenthmn, Leben und Freiheit des Mitmenschen werden seltener, die Strenge des Staatsgesetzes treibt das Machtbewußtseiu des Menschen auf das gesellschaftliche Leben, und dort thut sich nun dieselbe Engherzigkeit, wenn auch nur in anderer Gestatt, kund. Wohl kann auch da das Gesetz hemmend eingreifen, es kann offene Beleidigungen, Angriffe des Wortes vor seinen Nichterspruch ziehen, ohne diese nackte Selbstvergötterung ans der Welt treiben zu können. Freilich heißt es heute nicht mehr: dein Leben, dein Eigenthum ist mein! sondern: ״ שלך שליDeine Menschenehre ist in meiner Hand und muß sich meine Angriffe gefallen lassen, du hast meine Rücksichtslosigkeiten wehrlos anzuuehmen, denn ich gestehe dir das Recht nicht zu, so zu empfinden und so zu leben, wie ich selbst." Freilich: ״ שלי שליWas mir an Rücksichten, an äußerer Achtung gebührt, das nehme ich voll und ganz in Anspruch, die Verweigerung derselben würde ich mit all meinen Kräften rächen; aber mein Nebenmensch darf ja nicht verlangen, daß ich ihm den Zartsinn entgegenbringe, den ich selbst beanspruche." Woher gäbe es denn sonst so viele rücksichtslose und doch so überaus zarte Seelen, die empfindungslos sind gegen die Empfindlichkeit des Nebeumenschen. während sie für sich selbst nur zu heftig empfinden? Hier haben wir die äußerste Ausbildung des .שלך שלי ושלי שלי ״ שלי שלי ושלך שלךDas Meine sei mein und das Deine sei dein." ״ זו מדד« בינוניתdas ist eine in der Mitte liegende Eigenschaft," jo fahren unsere Weisen fort, aber;11 unserem größten Erstaunen führen sie יש אומרים eine andere Auffassung an, nach welcher diese rechtliche Scheidung zwischeu Mein und Dein ״ מדת מדוםdie Art der Sodomiter" gewesen sein soll. Wie? Kann es etwas Berechtigteres geben, als daß ich das Meine für mein, das Deine für dein anerkenne? Schützt mich dieser Satz nicht vor jedem Angriffe meines Genossen und werde ich dadurch nicht von Beeinträchtigung seines Rechtes abgehalten? Würde bei strenger Verwirklichung dieses Satzes das Verhältniß der Menschen nicht ein sehr geordnetes sein? Und wir erfahren, daß Sodom an diesem Grundsätze festgehalteu, daß cs dafür vom Ewigen der Vernichtung geweiht worden sei! Die Thora berichtet von dem sodomitijchen Auftreten gegen die Wanderer, erzählt uns, daß Abrahams Bitte am Throne des Ewigen erfolglos verhallen mußte! Und Sodom mit dem regelrechten ״Mein׳ nnb Dciu-Satze" barg nicht einmal zehn Gerechte in seiner Mitte! Allerdings, die Gesinnung liegt in der Mitte, sie ist בינונית, gut genug, aber eben deshalb in der sittlichen Beurtheilnng des Menschen, wie in allen wichtigen