Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 16-17 (24.4.1884)
- Article
- David Haller
- Date
- 1884-04-24
- Page
- 264 (sequence 3)
- Language
- German
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264 nicht lassen; sie verleugnen den Talmud und geben! dennoch vor, in seinen! Geiste;n handeln; deswegen verdrehen sie dessen Anssprüche und fälschen das alte abgelebte Indenthnm; sie streuen ihren Zeitgenossen! Sand in die ׳)lugen und bewegen sich fortwährend in; Widersprüchen. Wenn ich meinen! verehrten Ohein!, j Ihrem Vater, aufrichtig rathen sollte, so würde ich! ihm c!npfehlcn. Ihnen strengstens zu verbieten, sich mit Bnrgwal) ein;!!lassen. Dieser Phrasenheld wird Ihren unschuldigen Sinn verderben. Ich meine es allen Ernstes, wenn Sic ein Rabbiner werden wollen, wie Ihr Vater sich einen solchen denkt, so kehren Sie nach .Hochfelsburg;!!rück und stndiren bei Herrn Klein weiter. Wollen Sie aber den Weg der klassischen und philosophischcn Wissenschaften weiter verfolgen, so gelangen Sie, fallen Sie ehrlich sind, zu meiner Ueberzcngnng, der extremen Reform, fassen Sie sich jedoch von Burgwald führen, so enden Sie als vollendeter Heuchler." ,Forlscpuug folgt.) KvrrcsMdcilM mid Nachrichten. Deutschland. # Hannover, 21. April. Von Herrn Rabbiner 1)1\ Witter;11 Prcn;lan geht uns in Betreff der in Nr. l oZli ans Rotterdam gewordenen Mitthcilung die berichtigende Erklärung zu, das; die Nachricht, er hätte seine Kandidatur auf das Ronerdamer Nabbinat znrückge;ogcu, jeder Begründung entbehrt. Wir bemerken, daß unser geehrter überaus vorsichtiger Herr Korrespondent ausdrücklich diese Notiz nur als ein on dit bezeichnet hat. Herr Dr. Ritter ersucht uns zugleich, dieser Berichtigung noch hinzuzufügen, daß diejenigen holländischen Zeitungen, in welche jene Korresponden; aus unserem Organe übergegangen ist, auch diese Erklärung des Herrn 1)1׳. Ritter reprodnziren mögen. Li. Berlin, 18. April. Die ״Volks Ztg." bcrichtet, daß der bisherige nordamerikanische Gesandte, Mr. Sarg ent, über sein Verhallen in Berlin eine Unterredung mit einem Korrespondenten des ״New-Pork Herald" gehabt habe. Unter Anderem sei er von diesem in Betreff der Laster-Resolution gefragt: ״Hat nicht auch die antisemitische Bewegung die Erregung über diese Frage gesteigert?" — Mr. Sargent antwortete: ״Ich glaube wohl. So erhielt ich; B. eine Postkarte mit dem Inhalt: ,Es wird Ihnen nicht gelingen, Ihre verfluchten jüdischen ^)ankecwaaren uns an die Gurgel zu zwängen׳ und ähnliche liebenswürdige Aufmerksamkeilen. Ich habe nicht die geringste Sympathie für diesen Kreuzzug gegen die Juden und ich verachte seine gewöhnlichen Manifestationen. Aber ich finde sie wahr- Haft verabscheuenswerlh in einem Falle, wo es sich darum handelt, das Andenken eines Mannes zu verunglimpfen von so hoher Beredtsamkeit, dessen selbstloses patriotisches N'ben durch große Dienste für sein Vaterland ausgezeichnet war."-Dieselbe Zeitung bringt folgende karakterislische Aeußernng eines Antiseniilen: ״Ein Reslanratenr in der F.׳- Straße, der zwar nicht agitatorisch, aber ans Ueberzengung Antisemit ist, erzählte heute seinen Gästen, daß er zu den Feiertagen ״Einguarlierung" (Besuch), und zwar ans Paris, erhalten habe. Der Besuch (von deutscher Herkunft) beklage sich sehr über die Ehikanc, welche die Deutschen in Paris zu erdulden haben. Niemand wolle bei den Deutschen kaufen oder arbeiten lassen. Dem stellenlosen deutschen Arbeiter aber erginge es ani Schlimmüen, weil er fast überall vergebens um Arbeit anklopfen muß. Die Deutschen werden gehetzt, sie sollen nicht aufkommen. ״Sie werden (das sind die eigenen Worte des autisemiliseheu Restaurateurs) mir einem Worte ungefähr ebenso behandelt, wie wir hier die Juden behandeln!" Das sagt ein Antisemit!" -e- Hi!deshe im, 9. April. Daß trotz der judenfeindlichen Strömung dem Talent und der Tüchtigfeit eines Juden die Anerkennung und der Kohu nicht vorenthalten werden kann, dafür liefert einen erneuten Beweis der erfreuliche Fall, daß Herr Di׳. Hurw itz, Sohn des hiesigen Herrn Salomon Hurwitz, zum außerordentlichen Professor der Mathematik au der Universität Königsberg ernannt worden ist. Herr Professor 1)1׳. Hurwitz zählt erst 24 Jahre; er in also wohl der jüngste Professor Deutschlands. Hl Wbirrg, 7. April. Folgenden Bericht über den Fortgang der Untersuchungen über den Skurczer Mord entnehme ich der ״Dan;. Ztg.": ״Am 5. April wurde die Behausung des am 22. v. Mts. verhafteten Kaufmanns Boß einer eingehenden Besichtigung und Vermessung unterworfen, zu welcher von aitßerhalb der Erste Staatsauwalt ans Danzig nebst anderen Gerichtsbeamten,!vie auch der Kriminalkommissar Höft ans Berlin hierhergekomnlcn waren. Der letztgenannte Bc amte dürste längere Zeit hier verbleiben, um Recherchen wegen des Eybnla'schen Mordes anznstcllen. Möge es Herrn -Höst gelingen, den ׳Verbrecher anfsindig zu machen, damit sich endlich das Dunkel lichte, welches noch über dieser schrecklichen Asfaire lagert." — -Herr Höft begab sich bekanntlich von Berlin in 'Veranlassung der -Herren Minister der Justiz und des Innern s. Z. auch nach Neu stettin, um sich über den Synagogenbrand genau zu informircn. ,Fortsetzung der Korrespondenzen und Nachrichten auf Seite 20.7).