Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 16-17 (24.4.1884)
- Article
- Über Reformbestrebungen in Rußland
- Date
- 1884-04-24
- Page
- 260 (sequence 4)
- Language
- German
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260 auch manche der aufgeklärten Rabbiner bcthciligt waren — deshalb gab bic Regierung unseres ')tcichs diesen Gedanken auf." Und dieses muß auch wirklich als ein Glück betrachtet werden, denn wenn in der Thal mit kaiserlicher Autorität bekleidete GnbcrnialSrabbiner and dein Lager der Reform in Icnßland erstanden wären, so würden sie iln־c machtvolle Stellung zur Vernichtung des traditionellen Illdcnthnms sicherlich mißbraucht haben. Die Rabbincrschnlcn aber fristeten ein trauriges Dasein. Die and denselben hervorgegangcnen Rabbiner wurden von den Gemeinden ob ihrer mangelnden Kenntnisse und wenig vertrauenswürdigen religiösen Zuverlässigkeit als wirkliche Rabbiner,nicht anerkannt. Sic bekleideten wohl dem Namen nach das Rabbineramt, konnten aber als solche nicht snnttioniren. Sie wurden als Regierungsbeamtc für administrative Zwecke betrachtet; die Gemeinden aber stellten außer ihnen eigentliche Rabbiner, welche im Gegensätze zu jenen, den Kronrabbinern, ReligionS - Rabbiner (Duchownc- Rabbiner) genannt wurden. Die Regierung konnte sich aber endlich nicht der Erkcnntniß verschließen, daß, während die Rabbiner schulen ihren eigentlichen Zweck gänzlich verfehlten und ohne Einfluß auf das Volk blieben^ allgemeine Bildung ultd gute Aneignung der Landessprache uiUt den Inden sich immer mehr verbreiteten, ohne jeglichen äußeren Zwang, lediglich in Folge des im jüdischen Stamme liegenden BildnngStriebS. Diese Schulen stellten sich deshalb als sehr überflüssig heraus so daß sie in Folge höherer Verfügung im Jahre 1673 aufgehoben wurden, ohne daß der Trieb nach allgemeiner Bildung seitdem unter den Inden abgenomnten hätte. WaS haben diese Schulen, die Schöpfung der Reformer, geleistet trotz ihrer hochtörenden Inschrift: Religion und Wissenschaft? Wenn man die Dinge beim rechten Namen nennen will: Nichts. Die crstere suchten sic zu zerstören and für die andere waren sie unfähig etwas zu wirken. Daß die Regierung — cS wird dieses wiederholt in der Schrift des Herrn Lipschi; nachdrücklich hcrvorgehobcn -- das Beste wollte, geht auch aus dem Umstande hervor, daß dem großen Rabbi Israel Salanter ז״ל später einmal daS Jnspcktorat über die Wilnaer Rabbincrschnle angetragen wurde. Dieser hclischendc Mann aber lehnte dieses Amt ab. weil er durch seinen gefeierten Namen eine solche Institution nicht decken wollte. Darob war natürlich große Entrüsluug im Kreise der ״Aufgeklärten", welche ihr bcreitS dem inneren Verfall nahes Werk dadurch zu heben gedachten. Die vorliegende Schrift warnt deshalb eindringlich und unter ausführlicher Begründung vor den von dem Vereine zur Verbreitung von Bildung und Aufklärung gehegten Plan der Neuschöpfung ähnlicher Institute, wie die glücklicherweise seit elf Jahren ciugegangcnen Nabbiuerschnlcn, und resümirt sich dahin, daß das Streben aller Derer, denen das wahre Heil des Indenthnms ernst sei, dahin gerichtet sein müsse, den Gemeinden Rabbiner zu geben, welche in Gesinnung und That auf de׳.n Boden des traditionellen Indenthnms stehen und durch umfassendes religiöses Wissen und geeignete russische Bildung befähigt sind, nach Innen für die Religion zu wirken und nach Außen daS Iudenlhnm wü.dig zu vertreten. Kein Indenthnm ohne Juden, aber auch keine Juden ohne Indenthnm. — Die wahrhaft Frommen und Gottesfürchligen wünschen auf diesem Boden die Einheit der Gemeinden zu erhalten; von der treuen Anhänglichkeit au das Iudeuthum können sic aber nicht lassen; sie haben von der Religion nichts aufzngcben. Man möge die wahrhaften Rabbiner als solche anerkennen und dem Rabbineramt Freiheit gewähren, wie cs seit je in Israel Brauch und Ordnung gewesen. An Gelegenheit zum freien Studium fehle eS in Rußland nicht, und für das allgcmeine Wissen ständen die allgemeinen Lehranstalten offen. Die Gemeinden mögen sich ihre Rabbiner wählen nach altem Brauch, befähigte, gottcsfürchlige Männer. Aber keine von der Nesorin in's Leben genifcne, regierungsseitig patenlirtc Nabbinerschnlcu! Für dir tialnt’iinu'it fidu’iülimjilYijni Tül'iiillWlger. Ich Haie ans der jurigsten Nuninrer Ihres geschätzten Blattes die jeden für die Erhaltung und Berbreituug der ר“%רז"ק warm fühlenden Inden tief bctrüberlde Nachricht entnomnien, daß den nicht genug zu verurtheiteirdeu Umtrieben der Neologcn die Anslösnug der blühenden Jcschiboth zu Klansenbnrg und DoeS in Siebenbürgen gelungen ist. Dieses traurige Ercigniß ist mit so mehr zu beilagcn, als dadurch dein konservativen Indenthnmc eine Wunde geschlagen wurde, deren Heilung auzustreben eine der heiligsten, keinen Aiigeirblick zu verzögernden Aufgaben sein müßte. Die dadurch von der LebenSguellc der תוה״ק ohne ihr Verschulden so grausam verscheuchten Talmndjünger werden hoffentlich nicht jetzt veranlaßt werden, anstatt der סיס נאסנים, mit welchen sic bisher ihren Wissensdürft gelöscht, die trüben Wasser der Neologie anfzusuchen, da sicherlich die verdienten Leiter der andern in Ungarn und Siebenbürgen noch blühenden Jeschiboth alles Mögliche ausbiclcn werden, לס ע ן יא יחרוך רסיה צידד, und deshalb gern bereit sein, diese von den gewohnten Stätten der Thora Vertriebenen in ihren Lehrsälcn eine neue Heimath finden zu lassen.