Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 16-17 (24.4.1884)
- Article
- Winke für die religiöse Erziehung
- Date
- 1884-04-24
- Page
- 250 (sequence 2)
- Language
- German
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250 Fleisch und Blut übergehen/' pflegte er zu sagen: .,cs! muß ihnen 111יי*;weiten Natur werden, nnd deshalb kann man nicht früh genug und nicht strenge genug sie an die Uebung aller religiösen Pflichten gcwähnen.׳' Mit eiserner Konscgueu; hielt er daraus, daß seine Söhne schon in! zartesten. Alter pünktlich beim Beginn des Morgcttgotiesdicnstcs in der Shnagogc waren. Derjenige, welcher sich verspätete, wurde mir der Vorcnthaltung des Frühstücks um eine Stunde bestraft. Die kleinen fünf׳ und sechsjährigen Kinder mußten bereits die ganze Liturgie regelmäßig beten. In etwas vorgerücktem Alter wurden sie genölhigt, ganze Theile der Bibel auswendig zu lernen u. s. w. n. s. w. Heute sind die Kinder erwachsen, aber kein Einziges denkt noch daran, auch nur eine einzige der rcligiösen Pflichten zu erfüllen. Die haben einen Widerwillen gegen das Judenthum und seine Gebote, an deren Befolgung sich für sie die trübe Erinnerung ihrer Kindheit knüpft. Freilich mögen noch andere Momente mirgewirkt haben, sic dem väterlichen Beispiel zu entfremden, aber ich glaube bestimmt, daß die vornehmlichste Ursache in dem unweiseu Verfahren des Vaters zu suchen ist. Wenn die Erzielung eines freudigen Gehorsams das Hanptersorderniß einer guten Erziehung überhaupt ist, so ganz besonders der religiösen. Das Kind soll gern seinen Willen dem göttlichen nnterordncn, soll willig das Dvfer seiner Freiheit dem Religionsgebote leisten. Wie sollte cs sich aber für ein solches ge- Winnen lassen, wenn die Aufgabe seine Kraft übersteigt und die Fessel ihm zu schwer und drückend ist? Würde, um in dem angeführten Beispiele zu bleiben, nicht jener Vater vernünftiger, weil zweckentsprechender, gehandelt haben, wenn er sich darauf beschränkt Hütte, die kleinen Kinder statt der umfangreichen Gebete, für welche ein Versländniß in keiner Weise vorausgesetzt werden konnte, nach herköntnilicher Weise einige Lätze beten zu lassen? Mich wenigstens hat die Erfahrung gelehrt, daß Kinder sich sehr gern denjenigen religiösen Ucbuugen mit Freudigkeit lvidmeu, welche ihren! Bcrmögen angemessen sind, und mit dem zunehmenden Alter von selbst danach begehren, daß mau ihnen umfassenden׳ Pflichten anscrlegt. Denn Hand in Hand mit der frühen Gewöhnung hat die ebenso frühe Einwirkung aus das Gemüth- und Geistesleben des Kindes auch für die religiöse Er- Ziehung zu gehen. Das Bewußtsein von Gott als dem liebevollen, aber Gehorsam fordernden Vater und Herrn der Welt, kann nicht früh genug in dem Kinde geweckt werden. Wo gebe es eine schönere, heiligere nnd erhcbenderc Pflicht in der großen Erzicynngsaufgabe, als den sich eben erschließenden Geist des Kindes auf Gott hinzutenken und in das reine Kinderhrrz die Verehrung und Liebe Gottes zu pflanzen. Ist es doch, als ob inan längst bekannte Erinnerungen wach rufe, wenn inan dein aufhorchenden Kinde von Gott spricht. Das Kind lauscht so gern der erzählenden Mutter, die ihm die Allmacht Gottes verkündet, welche die Erde und den Himmel, die Lonne nnd den Mond, die Pflanze und das Thier und auch cs und seinen Vater nnd seine Mutter und seine Geschwister in's Dasein gcrufen, die Tag werden läßt und die Nacht herbeiführt und den Wechsel der Jahreszeiten, die den entlaubten Baum mit Blättern, Blüthen und Früchten schmückt und die duftige Blume zur Entfaltung bringt. Und cs suhlt sich so gern als Kind dieses allliebenden, allmächtigen Vaters und weiß sich unter den! stets wachen, überall hinschauenden Gottesange, und sein kleines Her; ist der Empfindung so leicht zugänglich, daß es auch für ihn keine heiligere, süßere Pflicht gebe, als diesem Gotte zu gehorchen, wie ja auch Vater und Mutter seinen! Gebote unverbrüchlichen Gehorsam zollen. Nicht minder aber als diesem Gottcsbewußtsein und der Erkenntniß des Verhältnisses des Menschen zu Gott, öffnet sich das Gemüth des Kindes der besonder» israelitischen Ausgabe. Man verstehe es auch hier nur den rechten Ton anznschlagcn und zur rechten Zeit das entsprechende Wort zu finden, u!n cs nach nnd nach cinzuführen in die Geschichte Israels und die ihm offenbarte Lehre Gottes. Aber auch hier beachte man die weise Regel, nicht der Entwickelnngsstufe des Kindes voranzncilcn, und sich auf das zu beschränken, was seiner?Fassungskraft angemessen erscheint. ^Fonsctzung folgt.) Zalgnoilislhe Zpriuliiveislieit. Bon «amson Raphael Hirsch. XII. Zorn. Der leicht zum Zorn Geneigte ruft Zwist hervor, Der Jähzornige begeht viel Unrecht. (29,22.) Der Jähzornige ruft Zwist hervor, Der Langinüthige beschwichtigt den Streit. (15,18.) Pflege keine Geselligkeit mit einem Heftigen, Und komme nicht zu einem Jähzornigen, Du könntest seine Wege lernen Und Gesahr für deine Seele davontragen. (22, 24.25.) Wnlh ist grausam, und Zorn reißt hin, Und wer widersteht dem Zornescifcr! (27,4.) Der Langmüthigc nbertrifft einen Helden, Und wer sein Gemüth beherrscht, einen Städtebezwingcr. (16,32.) Diese Sprüche veranschaulichen die Wahrheit, wie