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Jeschurun · 1884-04-09 · Heft 15-16 (9.4.1884) · p. 237

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 15-16 (9.4.1884)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1884-04-09
Page
237 (sequence 2)
Language
German
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237 liehen, daß Personen, die durch ihre Gcsetzcskenntniß und Gesetzestrcuc nicht die erforderliche Garantie für Alifrechterhaltung des Religionsgesctzcs bieten, als Rabbiner autorisirt werden; — man sehe und beherzige wie der Talmud (Ab sara 52n, Shnhedr. 76) den Bibelvcrs Deuter. 16, 2k dcsinirt; — und cs wäre gewiß ein sehr verdienstliches Unternehmen, diesen giftigen Pilz an dem Stamme des orthodoxen IndenthumS gründtichst auSzurottcn. — Wenn man deshalb der Ucberzcugung sein kann, durch Inaugnrirnng einer obersten Religionsbehörde dies zu bewerkstelligen, dann durfte man keinen Augenblick säumen, ein ungarisches Landrabbi'nat zu schaffen. Bor Allem aber müssen wir uns darüber klar werden, welchen Karakter dieser ungarische Landrabbiner, habe. Soll er ein von der Regierung bestätigter und offiziell installirter königlich ungarischer Landesrabbiner sein'? — Sol! er ein Landrabbiner für die G e s a min t - judcnhcit Ungarns, oder bloS für die orthodoxen Inden in Ungarn sein? Wir dürfen uns darüber nicht täuschen, daß die hohe Negierung — wenn auch der gestrenge Herr von Trüsort nichts mitznsprechcu hätte — kaum einen köanglich ungarischen Landcsrabbiner bestätigen und installircn wird, der nicht vollkommen ans dem Niveau der Zeit steht; das ist mehr als gewiß, und diese Gewißheit macht das ganze Projekt niehr als Problemstisch, denn zu der Gesammtju den heit Ungarns, so wie zu den orthodoxen Inden in Ungarn gehören auch die extremen Verfechter und Fahnenträger der bekannten ]בית די sr22׳-Sentenzen und diesen gilt kein Mensch als wahrhafter גאון und צדיק, der auch den Anforderungen der Zeit Rechnung zu tragen vergeht, und einem solchen werden diese nie und nimmer Gehorsam leisten. Man darf sich also nur einen solchen Landrabbiner, denken, der frei von jeder offiziellen Macht und offiziellem Nimbus, vermöge seiner Autorität die Anerkennung der Gesammtjudcnhcit des Landes sich erwerben kann, aber einen solchen kann man nicht schaffen nicht installiren, hierzu muß der Gottbegnadete sich selbst bilden.- — Und in der Thal Ijnt Ungarn auch einen solchen ..Landrabbiner" gehabt, als solcher galt מין הגאון בעל ה״ס ז״ל und in seinen Tagen gab cs gewiß keine Gemeinde im Lande, die einen Rabbiner akzcptirt hätte, ohne erst die Gutmcinung des ה״ס דיל einznhvlen. (Tchlujr folgt.) Aus der erstell Hälfte nnscres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich Polt. <H0NfepUNg.» (*lUc Vorbehalten) Noch am selben Abend wollte er sich von dem Kohnscheu Ehepaare verabschieden; doch das gaben Beide nicht zu, er mußte in ihrem Hause übernachten. In Mirjam's Zimmer, wie Rahel ihm bemerkte, und in demselben Bette, in dem seine Schwester einst geruht, verbrachte er die ׳Nacht. Doch nicht schlafend, die hoffnungsvolle freudige ErrcglMg hielt den Schlummer von ihm fern. Früh am Morgen setzte er seine Reise fort. — In jener Zeit, man wußte zwar bereits die Dampfkraft zu verwerlhcn, doch das eiserne Schicncnnctz, das in unseren Tagen in viel tausendfachen Windungen unfern Erdball umschlingt und selbst den kleinsten Weiler den! Weltverkehr näher bringt, war in jenen Tagen weit weniger vollständig. Ehrmann konnte allerdings thcilwcise die Eisenbahn benutzen, doch die Entfernung zwischen seinem Geburtsort und Mirjam's gegenwärtigen Hcimath, die man heute leicht in achtzehn Stunden durcheilt, er bedurfte mehr als doppelt diese Zeit, um sie znvückznlegcn. * Der Tag war drückend schwül gewesen; wer gezwnngen war, heute im Freien zu verweilen, hatte von der Sonnenglnth ernstlich leiden müssen. Auch die Pferde schienen ermüdet, die den Reisewagcn dort langsam, trügen Schrittes aufwärts schleppten. Jetzt aber war die Hitze vorüber. In den spätern Nachmittagsstunden hatte sich der Himmel plötzlich mir dunkeln Wetterwolken überzogen, ein heftiger Wirbelwind hatte sich ausgemacht, als wolle ein ernstliches Ungewitter folgen, doch dazu war cs nicht gekommen. Wohl war der Himmel noch dicht umwölkt, aber der Wind hatte nachgelassen und kein Regentropfen siel erfrischend ans die dürstende Erde. Die Hitze war vorüber, aber. die Atmosphäre war dennoch drückend; hoch oben ain Firmament zuckten leuchtende Blitze, doch kein Donnerschlag folgte, lautlos entluden sich die von Elektrizität geschwängerten Wetterwolken. Darum spielten die Kinder dort auch sorglos an dem Bache, der sich murmelnd längs des Fahrwegs dahin schlängelte. Der steifende, der, um den ermüdeten Pferden die Last zu erleichtern, am Fuße der Anhöhe den Wagen verlassen hatte und langsam neben demselben einherschritt, hatte den Blick forschend umherschweifen lassen, voll Interesse hastete er jetzt an den Kindern, cs war ein Mädchen, ungefähr im elften Jahre, der Knabe war um mehrere Jahre jünger. DaS

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