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Jeschurun · 1884-04-09 · Heft 15-16 (9.4.1884) · p. 227

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 15-16 (9.4.1884)
Article
Die Befreiungsnacht
Date
1884-04-09
Page
227 (sequence 3)
Language
German
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227 predigt begreifen würden, Ihn als unseren •Wirten und; verni, uns nl\< Sein Eigenthum und unser Geschick als die väterliche Erziehung Gottes zu erkennen; — כל שלא אמר שלשה דברים אלו נפסח לא יצא ידי .הוגהו Gott ist der Wächter seiner Menschheit, ihr Lenker und Leiter, ihr Beschützer und Nieliter. Er kennt jedes j seiner Geschöpfe, Er schaut in die Hütten und Herzen, er hört batf stille Gelöbnis; jeder Seele, die sich Ihm weiht. Aber seinem Auge bleibt die Missethat nicht verborgen; ungestraft lehnt sich kein Sterblicher gegen seine Ordnung ans; und wie Er den sich Ihm Hingebenden der Erretter. Erlöser und Annehmer ist, also ist Er der gerechte strafende Richter. Er führt Tod und Verderben über die Häupter der Seinen hinweg und trifft Diejenigen, die seine Menschenkinder bedrücken und peinigen, deren Ehre schänden, deren göttliches Ebenbild nicht aehlen. Und weil Er unser Hirte ist, der uns lenkt und leitet, schirmt und schützt, darum wissen wir uns als Glied seiner Heerde. Ihn als unfern Eigner, mio Sein mit Allem, was wir sind und haben. Nicht wir haben uns die Freiheit erkämpft, nicht wir haben das Sklavenjoch gebrochen, Seine Hand ruhte schwer aus dein mächtigen Zwingherrn, Sein Strafgericht zwang den trotzigen Gebieter, die geknechteten und mißhandelten Menschen frei zn lassen, ״getrieben wurden sie' in die Freiheit. Dieselbe Gewalt,!reiche sie bis jetzt znm Ziegelosen trieb, jagte sie in die Freiheil. Sie trugen noch das Joch in der Besreiungsstunde, sie aßen noch das Sklavenbrod, sic dursten! nicht säumen und zögern, nicht den Teig gähren lassen für das Brod ihrer Wanderung, deren Zielder Horeb war. Und darum gehören wir Ihm an, der uns erlöst hat; wir haben ausgehört, der Menschen Knechte zn sein, um fortan ans ewig Gottes Diener zu werden, und nur dieser Dienst macht uns frei.' Gott gegenüber aber haben wir fortan uns jedes Gefühls der Selbstständigkeit zu enläußern und nicht das Zeichen der eigenen Macht und. Stärke zu tragen. Die מצה ist das Shmbolnm der Anerkennung unseres Dienst- und Eigenthnmsverhältnisses Gott gegenüber, die Bekundung unserer eigenen Ohnmacht, die Besiegelung unserer Freiheit und Selbstständigkeit als das eigenste Werk Gottes, als Geschenk seiner Gnade. Unser Geschick ruht in Gottes Hand, Er lenkt es nach seiner Weisheit. Leicht die Freuden des Daseins allein verpflichten uns Ihm, auch der Wermnthstropsen in dem Kelch unseres Lebens ist ein Angebinde seiner Vaterliebe, seiner Führerweisheit, seiner Hirlcnsürsorge. Wir empfinden es ja, wie es seine Wallung war, welche die eghplische .Knechtschaft über uns verhängte zu unscrent Heile, zu unserer Erziehung, uns vorzubereiten für den erhabenen, beseligenden Berns: Verkünder des Gotteswillens im Kreise der Menschen zn sein. So begreifen wir uns als die aus Mizraim Gezogenen und suhlen es, daß ״nicht nur unsere Väter Gott erlöst hat, sondern auch uns mit ihnen", und darum haben wir vor allen Anderen die hehre Aufgäbe und Verpflichtung, Gott zu verkünden in den Gängen der Geschichte, seine Allmacht und Allgcgenwart in Mitten der Menschenwelt, seine Allgüte und Allliebe als sicheren Schutz und Schirm der Bedrückten und Elenden. ״Er hat uns ja ans der Knechtschaft in die Freiheit geführt, ans dem Trübsal zur Freude, ans der Trauer in die festliche Zeit, ans der Finsterniß! znm Hellen Licht, ans der Sklaverei zur Erlösung —י."; — — Ans den jüdischen Häusern tönt dieser Festes- > grüß in der Nacht des vierzehnten Nissan hinaus in! die Welt. Möge er Erhebung und Trost. Freiheit! und Frieden überallhin tragen — nicht für Israel allein hat Gott jene wunderbare Erlösung gefügt und sich in Mizraim offenbart, sondern für die gesammte Menschheit ולמען ספר שמי בבל הארץ. LM'I'.tiMttn bilimidWr äcukiip. II.!Ans Mnssechet Dcrcch.ErcG Man freue sich nicht unter den Weinenden und weine nicht unter den Fröhlichen, man wache nicht unter den Schlafenden und schlafe nicht unter den Wachenden, man stehe nicht unter den Sitzenden und sitze nicht unter den Stehenden — kurz, man weiche nicht in seiner Weise von der Weise seiner Genossen und Mitmenschen ab. Man dränge nicht seinen Freund, bei sich zum Mahle sich zn setzen, wenn man weiß, daß er es nicht , 11)1111 wird, man überhäufe ihn nicht mit Geschenken,; sobald man gewiß ist, daß er solche nicht annimmt, man setze Keinem jungen Wein für alten vor — das wäre eine Art Diebstahl. Wenn man ans dem Markte ist, so frage man keinen Verkäufer nach dem Preise seiner Waare, wenn man nicht die Absicht zu kaufen hat. Die Hernmträger von Klatschereien gehören zu den Todtschlägern, denn es heißt (Leviticus H), 1 f»): ״Gehe nicht als Hernmträger in deines Volkes Kreisen" und daraus folgt ״stehe nicht muffig bei dem Blute deines Nächsten." * * * Wer seinen Nebenmenschen haßt, zählt zur Klasse

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