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Jeschurun · 1884-04-03 · Heft 14 (3.4.1884) · p. 218

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 14 (3.4.1884)
Article
Die zweite schwurgerichtliche Verhandlung des Neustettiner Synagogenbrandes
Date
1884-04-03
Page
218 (sequence 2)
Language
German
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213 ftöMin nur Xobbcrftctn noch nicht mit fiiufm 3cm]niß, und i Buchholz noch 11id)t mit feiner Zündschnur I)cr00rgm־ctc11; her Hnabc Istwert Ijatlc noch nicht ßcrufen: ״Mit diesem Zeichen werden ׳.vir siegen, die Preußen geben die 2chlocht nicht ans!" Ich bin nicht einen Augenblick im Zweifel, das; Sie, gleich uns, der Ueverzengung sind: die Angeklagten sind unschuldig. Bcrrstetdiger Iiistizrath iH a f 0 m e r bemerkt, dag er nur tuniges ^ur Ergänzung seinem Kollegen Sello bemerken will. Zunächst sei hier der merkwürdige Fell, daß au sie r den Behmden des Staates sich noch andere AnNagebehöroen konslilnirl haben, denen es leider nicht daraus ankomme, die Wahrheit zu rrmiirein, sondern neu,!ich die Gegenpartei belasten. Derartig seien dreiviertel der Zengen gewesen׳, daher die sich lawinenartig gegen die Angeklagten häufenden Verdachtsmomente. Aber nicht allein einzelne Juden, nein, die ganze jüdische Gemeinde bezichtigt man der Brandstiftung. Ter Bertheidiger beleuchtet daraus des Weiteren die Widersinnigkeit der leyleren Behauptung und spricht sodann sein Bedauern darüber aus, dasi Baninspektor Kleefeld als Sachverständiger ansgetreten sei, welcher schließlich auch von der Unrichtigkeit seiner Behauptung durch das Gxperi ment überzeugt wird. t;S folgt nun die Widerlegung der Meinung des Staatsanwalts betreffend die Motive zur Thal, endlich eine eingehende Darlegung der Unschuld der LcSheini'S. Die Berlheidiger Scheunemann und Meibaucr beziehen sich ans die Plaidopcrs ihrer Kollegen Sello und Makower und sprechen insbesondere über das traurige Bild, welches die ganze Berhandlnng, die ihres gleichen suche, darbietct. — Daraus tsi eine längere Panse bis Nachmittags gegen l Uhr. Zunächst entwickelt sich zwischen Staatsanwalt und Berlheidiger Makower und 3cfl0 eine Debatte über die Zuverlässigkeit der BelastungSzeugen, worauf Bertheidiger Meibaner sein Bedauern äusiert, dasi Landratst von Bonin in den Gang der Unterstichung eingegriffen habe. — Präsident: Ich kann einen Angriff ans den König!. Vandrath des Nenstettiucr Kreises nicht zulassen׳, der-- selbe hat im A11ftrag.c der hiesigen König!. Staatsanwaltschaft gehandelt und somit lediglich seine Psiichl gethan. — Bertheidiger Meibaner: Das bestreite ich auch nicht. Allein eS durfte doch nicht zu verkennen sein, dasi die Autorität des LaiidralhS eine gewisse Wirkung auf die von ihm vernomntencn Zeugen geübt hat. — Auch dieser Bertheidiger geht noch deS Miäljcucu auf die Replik des Staatsanwalts ein. Staatsanwalt Schling mann: Ich will nur noch bentcrlen. dasi die Zeugin, die den Lesstcim des Morgens um sechs Uhr gesehen, sich ganz bestimmt geäußert hat. Sie sagte, sic wisse sich deshalb des Tages genau zu erinnern, da sie au demselben Wäsche hatte. Der Präsident giebt hierauf den Geschworenen die nökhige Rechtsbelehrung, woraus sich dieselben gegen 5 Uhr Nachmittags z>!r Berathnng;iirückziesten. — Nach B er laus von etwa einer halben Stunde kehren die Geschworenen aus dem Berathnngsziinmcr zurück. Unter lautloser Stille verkündet der Obmann den Spruch der Geschworenen, der!wie bereits niitgcthciltalle Schnldsragen verneint. — 0«ב werden hieraus die Angeklagten in den Saal geführt, und der Gctichtsschreiber verliest den Unheilsspruch. — Staatsanwalt Schlingmann: Ich habe keine Anträge zu stellen. Der Gerichtshof zieht sich hieraus zur Berathnng zurück. Nach seinem Wiedererscheincn verkündet der Präsident: Im 'Namen Sr. Majestät des Königs hat der Gerichtshof, nachdem die Geschworenen alle Schnldsragen vernein! haben, für Recht erkannt: daß sämmiliche Angeklagten sreiznsprcchen und die Kosten d.'S BersahrenS der Staatskasse zur Last zu legen sind. Ferner hat der Gerichtshof beschlossen, den Angeklagten Hirsch Leshcim ans der Hast zu entlasten. — Danach schließt die Gerichtsverhandlung gegen 6 Uhr Abends. Korrcspolldcuzcil Md Nachrichten. Deut s ch t a n d. * Hu!LNoder, 1. April. Die hiesige רז׳ק' של בקור הולים וגכילות הכדים Hut kürz!ich ihren Rechenschaslsbertcht über bas abgdauycnc Rechnungsjahr erftattet. Nu Verpflegung und Unterstützung armer Kranker, Besoldung der Nerzke, Apotheken w. hat sic UU«»Z.5l Biarl verausgabt. Zwanzig Leichen sind auf Vereindosten beerdigt worden, etwa 3000 Rezepte wurden unentgeltlich gewährt, 38 arme Kranke sind regelmäßig, 270 je nach Beourfriiß unterstützt worden; für Personen wurden Bäder bezahlt, für 12 Bruchbändcr, für 1 <> Brillen. Zn den Kosten der in die Ferienkolonien gesandten jüdischen Kinder wurden attch in diesem Jahre 150 Mark beigcsteuert. Im Ganzen wurden im Jahre 883 ו auf dem Friedhöfe 38 Perfoncn bestattet. — Möge der Verein, welcher in das l23. Jahr seines Bestehens cintritt, fortsiihrcn, echt jüdische Wohklhätigkeit zu pflegen. Als dringend nolhwendig bezeichne! der Bericht die Errichtung eines eigenen Krankenhauses, wenn auch vorerst im kleinen Maßstabe, und erwartet von dem für diesen Zweck schon seit Jahren wirkenden besonderen Verein endlich die Rcalisirung dieses Bedürfnisses. -a- Berlin, 1. April. Ich hatte mir vorgenommeu, Ihnen nichts mehr zu schreiben. Ich war es müde geworden, die Unwahrheiten des Antisemitismus auf Schritt und Tritt zu begleiten und Glossen dazu zu schreiben, mich überkam ein Uebcrdruß an de׳.! Reden der hiesigen Stimmführer, welche immer wieder das alte Thema: Jndenprcssc, jüdische Ucberhebung, jüdische Exploitation, jüdische Feigheit, Nichtzugehörigkeit der Inden zum deutschen Volke u. s. w. 11. s. w. abhaspcln und dagegen sich selbst als die Inkarnation aller Tugend präkonisircu. Da mach! sich aber ein Spaßvogel, der wahrscheinlich diesen Vorsatz geahnt hat, den seltsamen Aprilscherz und schickt mir von Nr. 7 k der ״Kretlzzcitruig" einen Ausschnitt zu, welcher die Uebcrschtift ״Ein Bild ans Masuren" trägt. Wer ist hier rer Aprilnarr? Ach, ich glaube, das arme deutsche Volk ist nicht nur heute, sondern während des ganzen Jahres der Narr der ״Krcuzzcitnng" und ihrer Gesinnnngsgenossen; es wird von diesen fortwährend in den April geschickt mit stereotyper Juden Hetze — ich möchte darüber lachen, wenn cs nicht gar zu traurig wäre, lvic die hohen, weisen und srotnmen Herren das Volk irreführen, wenn mich nicht ein tiefes Weh erstillte ob der Verheerung, welche dieses Apriischicken im Volke anrichtet durch die Verwirrung seines RechtsgcfühlS, durch die Verdrehung der Wahrheit, durch das Gift des Hasses-. Der anonyme Sender

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