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Jeschurun · 1884-04-03 · Heft 14 (3.4.1884) · p. 213

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 14 (3.4.1884)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1884-04-03
Page
213 (sequence 2)
Language
German
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213 sachcn und Fahrlässigkeiten der Inden zu thun!! Ich gestattete mir, hieraus zu cntücbmi, daß nicht . wir Juden die Schnldtragcndcn sind, wenn nnserc Angelegenheiten den Bearutenkörper des Kuttus-Ministcrinins motestiren, —- ״ein Jeder ist der Schmied seines eigenen Geschickes/' das Kuttns-Ministerinm hat sich selbst zu dein gemacht, was cs ist. Die fortlaufend sich abföicu&m Erlasse, welche Herr v. Trefort in Angelegenheit der Juden und ihrer Institutionen hcransgicbt, sind gewiß geeignet, als eklatanter Beweis für die Wahrheit unserer damals ausgesprochenen Ansicht zu gelten. Wieder liegen einige Erlasse des Herrn Kultus- Ministers vor uns, welche die Regelung des jüdischen Religions-Unterrichtes, sowie der Talmud-Thora- und Winkelschuten bezwecken. Wir wollen hier blos den auf die Religionslchrcr beznghabendeu Erlas; erwähnen und anknüpfcnd an diesen einige kurze Bemerkungen uns erlauben. In dem erwähnten Erlasse hat Herr v. Trefort die Obersludiendircktorcn ausgcfordcrt, ans die strenge Einhaltung des § 9 des neuen Mittelschnlgcsctzes zu achten. Der erwähnten Bestimmung gemäß hat dic jüdische Konfession das Recht, die jüdischen NeligionSlehrcr an Mittelschulen zu bestellen, doch müssen dieselben dem Minister zur Bestätigung augcmcldct werden. Wer unsere ״Kollektiv-Berichte" einer Ansmersamfeit würdigte, weiß es, daß wir bereits in den ersten Serien derselben die Nothwcndigkeit klargelcgt haben, ein orthodoxes Lehrer-Seminar zu firnen. Wir wollen das bereits Gesagte nicht wiederholen, und verweisen die geehrten Leser aus unsere ersten Kollektiv-Berichte. — Es überrascht uns durchaus nicht, daß unsere Worte wirknngslos blieben und wir auch heute, nach Jahresfrist, noch immer vor dem Anfänge des Anfanges stehen, kennen wir doch dic Tonaugebcr nicht blos von gestern und heute, wir haben keinen Augenblick hoffen dürfen, bei diesen Gehör zu finden. — Diese unsere .,Tonangeber" sind lauter ״Universalgenies!" ohne Bildung und Schulung, ohne Weltkcnntniß und Gelterfahrnug, vermögen sie die Dinge und Verhältnisse besser und richtiger zu benrtheilen als alle Welt. — Nach der Auffassung gebildetcr abLr nicht eingebildeter Denker sind es nur hochmüthige Oberflächlichkeit und stolze Selbstüberhebung, die sich zu Allem befähigt halten. Nil..... arduum est! Coclum ipsum petimns. Die ruhige, reise Uebcrlcgnng hingegen fährt zur Erkcnntniß und Würdigung der Schwierigkeiten, und oft ruft sic uns die Worte des Dichters in'S Gedachtniß: Conamur tenues gramlia. Wahrlich, hätten sich die ״Tonanacbcr" von der i! Wahrheit dieser Ansichten überzeugen lassen, cS wären . uns manche der liebreichen Bescheernngen deS Herrn Trefort erspart geblieben. : Nichts ist in diesem Augenblicke wahrscheinlicher, als daß derselbe nur solche Religionslchrcrbestätigen wird, welche den! Niveau der Zeit nicht ganz entrückt sind und, wie seine stereotype ׳Norm lautet: ״wenigstens dic vier unteren Klassen einer Mittelschule mit Erfolg absolvirt haben." — Wie viele unserer orthodoxe)! Religionslchrcr dürsten dann die ministerielle Äeslütiguug gewärtigen? — Was werden die armen NeligionSlehrcr, die nicht bestätigt werden, unternehmen? Und was die orthodoxen Gemeinden, deren Religionslchrcr als nngnattsizirt von ihrem Posten abgesetzt werden? — Die Antworten ans diese Fragen sind nicht schwer zu finden. Die Erstcrcu werden den ״nicht mehr ungewohnlichen Weg" einschlagen und den Lchrerstab mit dem Bettelstäbe vertauschen, und die Letzteren werden eben solche ReligionSlchrcr dcsignirea müssen, welche Herr v. Trefort gutheißt. זיל שקול?1נפשך möchten w׳r so Manchen Zurufen, dic dic Hcrausbeschwörnng dieser Zustände auf ihrem Gewissen haben. — Gegen Reorganisation der Jeschiboth ftnnmen sic sich ans Leibeskräften, von einem orthodoxen Lehrerseminare wollen sic nichts wissen, und in diesem Genre geht es fort und fort. Bor einigen Jahren wurde — nach dem Muster der Realschule der israelitischen Neligionsgesellschaft in Frankfurt a. M. — in P. eine jüdische Realschule in's Leben gernscn. Die Leitung war sehr bernfcnen Händen anvcrtrant, in den entferntesten Gegenden des Landes begrüßte man diese Institution mit Jubel, Tausende orthodoxer Inder! freuten sich, in dieser Anstalt, in der Gegenwart oder in der Zukunft ihre Kinder ״für Gott und die Welt erziehen und ausbilden lassen zu können:" unter den besten Auspizien hat das schöne Unternehmen begonnen — doch unseren ״Tonangebern" paßte eS nicht, und cS war ihnen ein Dorn im Auge. — Ein solches Institut hielten sie für viel gefährlicher, als die verrufensten Rabbiner-Seminare, denn — man höre nur dic Motivirnng — תורה לחוד ■והכמה להוד, wo תורה gelehrt wird, darf man die Bildung nicht hegen, und >vo Nealgegenstände vorgctragcn werden, darf man das Thorastudium nicht pflegen, damit es nicht den Anschein (sic!) habe, daß man ein guter Jude werden könne, wenn mau auch studiert! Unter dieser'Devise hat man im Stillen gegen das Institut agitirt, dic lächerlichsten Befürchtungen atlsgchcckt und kolportirt, um dic jüdische Realschule zu P. in den Augen der Rechtgläubigen zu verdächtigen und sic lebensunfähig zu machen. — Ja, die ״Alleinseligmachende" verstand es sogar ״dnrchzuführm", i daß diese Umerrich:s!n!smlt keine Subvention erhielt.

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