Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1884)
- Article
- Ein uralt Peßachlied
- Date
- 1884-04-03
- Page
- 212 (sequence 2)
- Language
- German
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Ewige für Israel und durch Israel wunderbar gewirkt hatte zur Mitternacht, 61* da* Dunkel an! tiefsten war? Da hastet der Blick des Juden zuerst auf Abraham. נר צדק גצהתו ננהלק לו לילה ..Du Haft dem fromme» Wanderer den Sieg verliehen, als zu ihrer Mitte gelangt war die Nacht." Hier erkennet den Volksgeist Israel*, ihr, die ihr nn* gern maßlose Selbstsucht zuschreibt! In den Jahrhunderten des Trübsal* ist die erste Erinnerung, durch die der Jude sich ansrichtet,- der Stammvater, der, obschon ein Freund de* Frieden*, sich doch keineswegs hinter Redensarten der Parteilosigfeit verschanzt, keineswegs ängstlich nach dem bürgcrlichen und sittlichen Wcrthc der Sodomiter forscht, sondern zur Waffe greift, nur die Nacht de* Trübsal* zu verscheuchen, die sich um Loth und die Gefangenen von Sodom gebreitet hatte. Und er stand thatsächlich allein da in der Mitternacht sodomitischer Engherzigfeit und Selbstliebe, c! llein kämpfte er mit den Mächten de* zielbewußtcn Eigennütze*, da* Schwert in seiner Hand ward zur Waffe de* Lichte*, er hoffte, ein Strahl seiner Selbstlosigkeit, die selbst dm Faden und da* Schuhband verschmähte, wurde hiucinfahren in da* sodomitische Dunkel seiner Zeit — und wirklich kommt ihm selbst der König der SündcrstadL anerkennend entgegen, und von den Lippen Malkizedek* tönen Segen*- Worte. So kann e* bei Abraham wohl heißen נהללן ״ לו לילהvor ihm und seinem Streben theilte sich die Nacht", und ein Strahl de* Guten drang in die düstere Welt. Nicht der Wassenthat de* Stammvater* freut sich Israel, sondern seine* Ringen* mit den Mächten der Nacht. Aber ״ דנת!מלך נדדDu mußtest warnen Abimelech, den König von Gerat" ״ בהלום הלילהim Traume der Nacht." Glicht so bald ward cS hell in der Welt, da* Gesetz der Selbstlosigkeit kann nicht mit einem Schlage da* Recht der Stärke besiegen — Abraham muß die Vergewaltigung ditrch Abimelech empfinden, die Macht steht dem Rechte noch schroff gegenüber, und der Ewige selbst muß mit seiner Warnung die* Dunkel!heilen. ״ הפחדת אדמיIn Furcht versetzen mußtest Du den Aramäcr Vaban" ״ באמש לילהin der Dunkelheit der Nacht." 311 ״ ihm verkörpert sich die List, die au* ihrer Ucberlcgenhut da* Recht hcrleitet, die Mitmenschen zu ihren Füßen zu sehen. Au* dem Dunkel der Nacht liebt sie cS, ihre Pfeile zu schleudern, nicht die offene Gewalt des Tage* ist ihre Sache; hohnlächelnd blickt der Geist der List au* seinem nachtlichen Reiche auf die harmlosen Wanderer, denen die Fühigkcit und, nach seiner Meinung, demnach da* Recht fehlt, seinem Netze zu entkommen. Dem offenen Geiste der Macht gegenüber mag hin und wieder die Mahnung Gotte* genügen — der zähe Labair mit seinem listigcu Vorgehen gegen Jakob weicht nur der Furcht. Der Weltcnrichtcr greift mächtig in das Gewebe der List ein, und wie bic Gewatt, so muß auch die Schlauheit vor der Gottcsmacht weichen, uub mit ihnen muß da* Dunkel schwinden, da* sie so gern über Israel und die leidende Menschheit breiten. Doch lassen Beide den Jakob nicht an* dem Auge. Während ihn. aus seinen! Zuge nach der Hcimath Sorgen bedrückten, um den nächsten Augenblick, השד ישדאל ״ למלאךda hatte Israel den Kamps zu bestehen mit dem seiudlichen hohen Wesen," den! Schntzgeiste de* Esan. In ihm fand sich die List mit aller ihrer Zähigheit; berief er sich doch aus sein angebliches Recht, er!nagte e* nicht, dem forschenden Jakob seinen Namen zu sagen; er hatte eben keinen Namen, sondern derselbe wechselte je nach Bedürfnis;; er hieß ״Vaterlandsliebe", ״Glanbcnsschutz", unter tausend trügerischen Namen erschien er und erscheint er noch — in Wahrheit müßte er sich aber Geist der Nacht, de* Hasse* gegen Israel nennen. — In ihn! lebt aber auch die Rohheit der Macht. die Schamlosigkeit der Gewalt, denn vierhundert Streiter stehen hinter ihm. Jakob soll vcrnichtet werden, und die rohe Gewalt sendet ihren Schutzgeist voran, um den Schein de* Recht* für sich zu erlangen. Nacht ist e* um den einsamen Jakob, — doch nimmt er mnthig den Kampf mit ihm aus — er weiß, der Morgen muß hcraukoinmcn, und dann unterscheidet man wohl Gewalt und Recht, — hoch wirbelt der Staub empor zwischen den Kämpfern — aber Jakob, im Glauben, daß vor dem Morgen die Nacht weichen würde, steht kräftig da. ״Entlasse mich, denn der Morgen steigt empor," ruft auch endlich voll Angst dc.r Feind, der da* Licht nicht ertragen kann — und die Sonne dringt durch die Wolken und den aufwirbelnden Slaub — aber Jakob trotzt ihm den Herrlichen Namen Israel ab und da* Bekenntnis;. daß er vor Gott gesiegt hat. Bein! Tageslichte erkennt die Welt erst, wie gerecht Israel ist, erkennt sic, daß ein lügenhafter Nachtgeist sie täuscht und Schmach häuft über Israel, daß er durch List ersetzen will, was ihm an Kraft mangelt, daß er durch Rohheit nachhilst, wo die bloße Schlauheit nicht durchdringt. (Schluß folgt.) Kollektiv-Berichte aus Ungarn, xxxm. Vor etwa zwei Jahren hatten wir Gelegenheit, mit mehreren SektioirSches* de* ungarischen KultusministcrittinS zu verkehren. Im ungezwungenen Redeslussc der .Kontroverse hat ein hochgestellter Staatsbeamtcr die ausfallende Bemerkung gemacht: ״Wir haben hier kein Kultus-Ministerium, sondern ein jüdisches Departement," fort imfort haben wir mit dm Streit-